Kein Durchgangsverkehr auf Fahrradstraße für den RS1 im Kreuzviertel

Eigentlich ist ja schöner, über Positives zu berichten und nicht immer nur zu meckern. Aber dazu muss man erst mal etwas Positives finden. Und das ist in der Geht-Nicht-Stadt mit der Geht-Nicht-Verwaltung und der ganz großen Geht-Nicht-Koalition gar nicht so einfach. Wenn man die Ansprüche weit genug herunterschraubt, wird man aber doch vereinzelt fündig, also hier meine aktuellen Highlights aus der fahrradfreundlichen Stadt Dortmund:

  • Seit Monaten hat mir niemand eine neue Umlaufsperre in den Weg gebaut.
  • Die ewige Kraterlandschaft an der Zufahrt zur B1 am Südwestfriedhof (dort, wo der Radschnellweg Ruhr herführen soll, wenn sich die Planung nicht wieder ändert) wurde endlich grundlegend saniert und neu asphaltiert. Was jahrelange Bürgerbeschwerden nicht schafften, hat nun die heldenhafte Bezirksvertretung Innenstadt-West erreicht: Volle zwanzig Meter glatter Asphalt. Sehr gut.
  • Wenige Meter weiter östlich soll die winzige Einbahnstraße, welche die Wittekindstraße mit der Großen Heimstraße verbindet, für den Kfz-Verkehr mit Pollern abgebunden werden. Damit entfällt die Gefahrensituation für Fußgänger, wenn Autos bei zugeparker Einmündung und Sichtweite null von der Wittekindstraße zügig in die Einbahnstraße abbiegen. Und der südliche Teil der Großen Heimstraße (die ja als Fahrradstraße Teil des Radschnellwegs werden soll) wird so echte Sackgasse mit noch weniger Autoverkehr als bisher. Viel Durchgangsverkehr gibt es da zwar auch jetzt nicht (überwiegend Parkplatzsuchverkehr), aber immerhin, die Sperrung ist eine kleine Verbesserung.

Für einen Augenblick dachte ich, das sei vielleicht eine Reaktion auf die Klage gegen Fahrradstraßen aus Essen (die man ja leicht ins Leere laufen lassen kann: Autos oder zumindest Durchgangsverkehr raus, und schon ist der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart). Aber der Vorschlag ist älter als die Klage.

So gut der Vorschlag auch ist: Die Details sind wieder typisch Dortmund.

Die Fahrbahnbreite dieses Straßenabschnittes beträgt weniger als 3 Meter.
[…]
Die Einbahnstraße wäre aufzuheben, so dass die Erreichbarkeit des dann abgepfosteten Bereiches aus Richtung Westen weiterhin möglich ist. An der Einmündung dieses Abschnittes in die „eigentliche“ Große Heimstraße würde ein Hinweis auf die nicht vorhandene Wendemöglichkeit aufgestellt.

Die abgebundene Einbahnstraße ist nur wenige Meter lang. Wegen der geringen Breite sind weder Halten noch Parken zulässig. Es gibt also keinen Grund, dort hineinzufahren. Hebt man die Einbahn trotzdem auf, werden regelmäßig Autos an den Pollern falschparken und dem Radverkehr im Weg stehen. Und wenn sie ausgeparkt haben, fahren sie bei schlechten Sichtverhältnis rückwärts auf den Radschnellweg. Wunderbar.

Einige Fotos:

Kein gutes Foto, dafür guter Belag: Asphalt statt Kraterlandschaft am Südwestfriedhof. (Foto: Peter Maier)
Kein gutes Foto, dafür guter Belag: Asphalt statt Kraterlandschaft am Südwestfriedhof. (Foto: Peter Maier)
Premiumgehweg in der fußgängerfreundlichen Stadt Dortmund. Man beachte die Parkflächenmarkierung bis zum Schnittpunkt der Fahrbahnkanten. Die Fünf-Meter-Regel gilt in Dortmund nicht. (Foto: Peter Maier)
Premiumgehweg in der fußgängerfreundlichen Stadt Dortmund. Man beachte die Parkflächenmarkierung bis zum Schnittpunkt der Fahrbahnkanten. Die Fünf-Meter-Regel gilt in Dortmund nicht. (Foto: Peter Maier)
Dieses Sträßchen wird abgepollert, das Abbiegeproblem entfällt. (Foto: Peter Maier)
Dieses Sträßchen wird abgepollert, das Abbiegeproblem entfällt. (Foto: Peter Maier)
Anderes Ende des künftig abgepollerten Sträßchens: Hier fahren die Falschparker demnächst bei besten Sichtverhältnissen rückwärts auf den Radschnellweg. (Foto: Peter Maier)
Anderes Ende des künftig abgepollerten Sträßchens: Hier fahren die Falschparker demnächst bei besten Sichtverhältnissen rückwärts auf den Radschnellweg. (Foto: Peter Maier)

Peter Maier

Peter Maier aus Dortmund, schreibt unter Pseudonym und mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen.

9 Gedanken zu „Kein Durchgangsverkehr auf Fahrradstraße für den RS1 im Kreuzviertel

  • 03.12.2016 um 3:07
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    … und Dortmund hat die Mindestteilnehmerzahl beim Fahrradklimatest erreicht mit voraussichtlich 280-290 Teilnehmer*innen. Da es je Erhebung seit 2012 80 weniger werden, prognostiziere ich folgende Entwicklung:

    2018: 200
    2020: 120
    2022: Dortmund erreicht erstmalig die Mindestteilnahmezahl nicht und es reagiert weder die Politik noch die Verwaltung.

    Antwort
  • 08.12.2016 um 23:13
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    Ja ich hab mich schon gewundert, wo die Schlaglöcher entlang des Südwestfriedhofs geblieben sind! ;-) Das mit der blöden Einfahrt in den zukünftigen RS1 in Dortmund geht solange „gut“, bis mind. 1 Radfahrer-/in verletzt wird oder zu Tode kommt. Zugeparkte Radwege: Habe in meinem aktuellen Blogbeitrag gegen diese protestiert. Bei BVB-Spielen blockiert paradoxerweise die Polizei selbst den Radweg entlang der Wittekindstraße Richtung Stadion.

    Antwort
    • 09.12.2016 um 7:20
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      Na, der Brief ist ja ein echter Rundumschlag! ;-) Mit unseren Freunden und Helfern ist das wirklich nicht immer einfach, Radwege finden die einfach sehr praktisch. Zusätzliches Problem dabei ist ja auch immer die Signalwirkung auf andere Autofahrer.
      Du hattest aber noch Glück, dass da nur einer an der Wittekindstraße stand, ich hab sie da auch schon zu siebt auf dem Radfahrstreifen vor dem Trommler stehen sehen.

      Nächste Woche gibt es einen Artikel zum Umgang der Stadt mit Falschparkern. Besonders positiv dürfte das nicht werden…

      Antwort
  • 27.03.2017 um 11:08
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    Ist ja alle schön für die Radfahrer..gehöre auch dazu!
    ABER niemand bedenkt, dass die schmale Einbahnstrasse von der Wittekindstrasse zur Großen Heimstraße von den Anwohnern benutz wird. Zu denen ich auch gehöre.
    Wir haben ein Garege im Hof mit Zufahrt von der Wittekindstrasse, wohnen aber in der Stübbenstrasse.
    Diese ist direkt innerhalb von 350 m über die kleine Sackgasse zu erreichen.gerade 1min brauchen wir… Wird diese gesperrt heisst es für alle Anwohner einen Umweg von bis zu 1,7 km!!!!!
    Wo ist da der Sinn!????? Diese Strasse ist eine Anliegerstrasse und wird auch meistens nur von uns Anwohnern benutz.

    Es gibt bei uns ältere Leute, die nicht ihre schweren Einkäufe, Wasserkisten oder auch Rollstühle bzw. Rollator einmal durch den Hinterhof schleppen können (inkl. Treppen). Sie sind froh eine kurze Fahrstrecke zu haben um einmal alles einladen zu können.

    Es gäbe 2 mögliche Alternativen um von der Wtittekindstrasse in die Stübbenstrasse bzw. Große Heimstrasse zu gelangen.

    Alternative 1. 1,7 km lang ///
    einmal Wittekindstrasse weiter fahren; links abbiegen zu den Westfahlenhalle; sofort wieder links auf die B1; direkt wieder abfahren; Wittekindstrasse zurück, an der großen Kreuzung links und an der Aral Tankstelle (links) die Hauptsrasse kreuzen (gerne super voll) und in die Stübbenstrasse!!! Wow tolle Sache!!!

    Alternative 2. 2 km lang ///
    Wittekindstrasse Richtung Hombruch (geht ja nicht anders); bis U-Bahn Theodor-Flietner-Heim; dort links abbiegen und alles wieder zurück!!!

    Beider Strecken sind natürlich Total TOP! Gerade wenn Messe oder der BvB spielt ist!
    Vielen dank das die kleine aber wichtige Einbahnstrasse gesperrt wird.
    Der eine oder andere Rettungswagen wird sich auch bedanken!
    SUPER JUNGS!!!!

    Antwort
    • 27.03.2017 um 21:20
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      Ich kenne die Ecke auch aus Autofahrersicht ganz gut und finde deine Überlegungen und Beispiele nicht überzeugend.

      Beispiel schwere Einkäufe und Wasserkisten mit dem Auto:
      Wer diese vor der Wohnung ausladen will, fährt natürlich erst gar nicht erst in die Wittekindstraße, um sich dann dort über die fehlende Abbiegemöglichkeit zu wundern, sondern er oder sie fährt vorausschauend und biegt direkt in Kreuz- oder Stübbenstraße ein. Die Sperrung verursacht in diesem Fall überhaupt keinen Umweg. Umwege auf dem Heimweg sind in diesem Bereich durch vorausschauende Fahrweise immer vermeidbar. Umwege können allenfalls entstehen, wenn man in der Wittekindstraße geparkt hat und dann vor dem eigentlichen Fahrtbeginn in der Stübbenstraße noch etwas einladen muss. Der schwere Einkauf kann das allerdings eher nicht sein, und die schweren Wasserkisten sind dann leer (Netto ist übrigens zu Fuß 50m entfernt und Edeka, Rewe, Lidl und Aldi sind gut mit dem Rad zu erreichen. Ist auch im jetzigen Zustand ohne Sperrung die schnellere Lösung im Vergleich zum Auto).

      Beispiel Rollstuhl:
      Für diesen Fall gibt es die Möglichkeit, sich direkt vor der Tür einen persönlichen Behindertenparkplatz einrichten zu lassen. Kostet nichts und ist eine wesentlich größere Erleichterung als eine Abbiegemöglichkeit für eine Garage in 350m Entfernung.

      Beispiel Umweg und BVB-Stau:
      Das von dir konstruierte Problem mit einem Umweg im BVB-Stau kann eigentlich nur dann entstehen, wenn man in der Stübbenstraße/großen Heimstraße wohnt, eine Garage in der Wittekindstraße hat und zusätzlich das dringende Bedürfnis verspürt, sein Leergut ausgerechnet während der BVB-Spiele wegzubringen. Aber selbst für diese doch eher kleine Gruppe entstehen keine Nachteile, denn im BVB-Parkchaos hätte sie ja doch keine Möglichkeit, einen Stellplatz in der Stübbenstraße zu finden, um das Leergut einzuladen.

      In der Praxis wird das völlig unkompliziert funktionieren: Für die meisten Strecken ist die Sperrung bedeutungslos, und wenn im Einzelfall wirklich mal jemand nach dem Parken in der Wittekindstraße noch etwas in der Stübbenstraße einladen muss, das zu schwer zum Tragen ist, nimmt er oder sie die B1-Brücke. Zusätzlicher Zeitaufwand für diesen eher seltenen Sonderfall, gerade um 17.30 Uhr gemessen: 2 min, 35 sec für 1,5km, also je nach Verkehrslage 2-3 Minuten.

      Also alles kein Grund zur Aufregung.

      „SUPER JUNGS!!!!“

      Zu viel der Ehre, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich wollte der Stadt die Sperrung im letzten Jahr tatsächlich vorschlagen und hatte auch schon Fotos gemacht, die Sache dann aber wegen vermeintlicher Aussichtslosigkeit aufgegeben. Das ist das erste mal, das Dortmund mich positiv überrascht hat.

      „Ist ja alle schön für die Radfahrer..“

      Den Hauptnutzen haben die Anwohner (weniger Lärm und Abgase) und die Gehwegnutzer an der Wittekindstraße (Schutz vor Rechtsabbiegern, die, bedrängt vom rückwärtigen Verkehr, bei Sichtweite null – siehe Fotos – fast ungebremst über den Gehweg abbiegen). Ich weiß, wovon ich rede: Ich näherte mich der Stelle als Gehwegnutzer, rechnete schon mit einem Vorrangverstoß des Rechtsabbiegers und war überrascht, dass er wartete und ich passieren konnte. Seine Hinterfrau hatte dafür wenig Verständnis, krachte in den Rechtsabbieger und katapultierte ihn da hin, wo ich eine Sekunde zuvor gewesen war. Für Kinder oder ortsunkundige Erwachsene, die nicht wissen, dass sie dort mit ständigen Vorrangverstößen der Rechtsabbieger rechnen müssen, entfällt durch die Sperrung eine extrem gefährliche Stelle.

      Antwort
  • 28.03.2017 um 13:54
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    OK du wohnst dort nun wirklich nicht. Sonst würdest du ganz anders mit dem Thema umgehen.
    Wir wohnen in einer Anliegerstrasse….niemanden interessiert es!
    Es sollte Tempo 30 fahren! Niemand stört sich daran!
    Prak verbot auf dem linken Bürgersteig! Gerade bei Messebetrieb und erst recht bei BvB Speilen …es juckt niemanden!
    Alles schon Oft an das Bürgeramt und an das Ordungsamt herangetragen…nichts passiert, ausser kleiner Kontrollen.

    So Kollege…Alle Anwohner, die entweder eine Garage oder in einem der Häuser der Wittekindstrasse in diesem Bereich wohnen MÜSSEN alle demnächst einen mega Umweg fahren, um überhaupt wieder ins das Stadt Centrum zu kommen.
    Sei es richtung Möllerbrücke zum einkaufen, oder um Freunde zu besuchen.
    Wir könne gerne noch mehr Beispiele hier aufführen, aber das will ich gern ersparen.

    Das as ich aufgeführt habe ist z.B ein konkretes Beispiel bei uns aus dem Haus!
    Eheparr 70 Jahre alt, wohnhaft in der Stübbenstrasse… Garage mit Ausfahrt zur Wittekindsstrasse.
    Sie stark Herzkrank, kann nur noch mit Hilfe eine Gehilfe ( Rolator) sich fort bewegen.
    Ihr geht es schlecht..der Mann möchte mit ihr schnellstens zur Klinik, oder Arzt fahre.
    Sie kann nicht die Strecke durch den Keller (Trepp auf Trepp ab) ; durch den Hof; wieder Trepp ab gehen…zu schwach!
    Ihr Mann muss anstelle von rettenden 350m demnächst 1,7 km fahren!
    Hall seid Ihr verrückt!!!! Und so ergeht es nicht einer Person! Sondern mindestens 12 weitern Familein, im hohen alter.
    Nicht abgesehen, von den Familien mit Kleinkindern, wozu wir auch gehören!

    Selbst der Rettungsdienst würde hier Probleme haben!!!
    Einsatz in der Häuserreihe zur Wittenkindstreasse….erst einen Umweg von + 1,7 km, anstelle 300m direkt zu den Kliniken!

    Abgesehen davon liegt der Radweg an der Strasse!
    Nicht auf dem Gehweg!
    Also für Autofahrer perfekt einzusehen.
    Dann kann am ja gleich die Auffahrt zur B1 sperren.

    Die Strasse ist leider zu sehr stark zu geparkt!
    Dadurch ist sind Fussgänge nicht gut zu sehen.
    Wenn sich die Autofahrer an das geltende Recht von einem Abstand davon ca. 2,50 bis 5m (ich bin mir nicht sicher) zur direkten Strasse halten würden, hätten alle etwas davon.
    Vielleicht sollte man in diesem Fall mehr darauf wert legen sollen, denn gerade im Kreuzviertel ist es jedem egal..Hauptsache Parkplatz!

    Mann kann doch nicht 560 Anwohner/Anlieger dafür bestrafen, wenn viele die Verkehrsregeln nicht einhalten!!!!

    Ich bitte hier um etwas mehr Verständnis.
    EURE RADFAHRERIN!!!!

    Antwort
    • 28.03.2017 um 23:25
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      Hallo,

      nur damit ich es richtig verstehe: Es geht darum von der Wittekindstraße (Richtung Hombruch) westlich der Lindemannstraße los zu fahren und in Große Heimstraße zu kommen, was jetzt durch die kleine Einbahnstraße möglich ist, wenn genau diese gesperrt wird. Quasi aus dem rückseitigen Garagenhof auf die Vorderseite der Häuser?

      Antwort
    • 29.03.2017 um 15:15
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      70 jähriger Mann der Rettungsfahrer spielt? What could possibly go wrong? Wenn es ein regulärer Arzttermin ist, macht man sich halt früh genug auf dem Weg um sich nicht stressen zu müssen. In Notfällen wählt man 112 und spielt nicht RTW-Fahrer. Schon gar nicht wenn man vom Alter her am Steuer auch ohne Hektik schon ein Risiko für andere Verkehrsteilnehmer ist.

      Infrastruktur so zu planen, dass sie möglichst unpraktisch für Autofahrende ist, ist in meinen Augen ein Teil auf dem richtigen Weg, den Radverkehrsanteil zu erhöhen. Für Großeinkäufe könnt ihr euch doch eins von Dortmunds freien Lastenrädern kaufen. Damit kommt ihr immer bis direkt vor die Tür.

      Antwort
  • 29.03.2017 um 10:19
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    Ja genau diese.
    So wie in den Bilder oben von dir / Euch richtig erfasst.

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