Auf dem Weg zu einem fahrradfreundlichen Bochum aus Sicht der Fraktion FDP/Die Stadtgestalter

Ein Gastbeitrag von Dennis Rademacher

Nachdem gestern der verkehrspolitischer Sprecher der Gr├╝nen im Rat der Stadt Bochum, Sebastian Pewny, dargestellt hat wie seiner Meinung nach in welchen Schritten Bochum fahrradfreudlicher werden soll, folgt heute nun die Sicht von Dennis Rademacher, Ratsmitglied und Mitglied des Ausschusses f├╝r Infrastruktur und┬áMobilit├Ąt von der Fraktion FDP/Die Stadtgestalter.

Die Fraktion „FDP & DIE STADTGESTALTER“ fordert ein Netz aus Fahrradstra├čen, die Einf├╝hrung von Rad-Vorrang-Routen wie in Freiburg, eine bauliche Trennung von Rad- und PKW-Spuren am Beispiel der Niederlande, sowie eine Verkehrswende durch die Einf├╝hrung von autoreduziertem Wohnen und Quartiersparkh├Ąusern, um die gro├čen Stra├čen┬ám├Âglichst nur f├╝r den flie├čenden Verkehr vorzubehalten, sowie den Bau einer Seilbahn als additives ├ľPNV-Produkt.

Eine moderne Verkehrspolitik ist harte wirtschaftliche Notwendigkeit f├╝r den urbanen Raum geworden. Die Lebensqualit├Ąt wird, dort wo es nicht gar schon so ist, zu einem entscheidenden Kriterium f├╝r den Auf- oder
Abstieg einer Stadt. Die als autogerecht geplante Stadt wird im Wettbewerb um den besten Standort f├╝r Bildung, Unternehmen und Familiengr├╝ndung kontinuierlich abrutschen und Einbr├╝che bei Gewerbe-, Grund- und Einkommenssteuer sowie bei den finanziellen Schl├╝sselzuweisungen hinnehmen m├╝ssen. Von der Ansicht, dass eine F├Ârderung des Radverkehrs, ein Ausbau des ├ľPNV oder eine Implementierung zuk├╝nftiger beziehungsweise radikal weiterentwickelter
Verkehrsmittel lediglich Sozialpolitik f├╝r die Interesse von Minderheiten sei, „die ja auch irgendwie ihren Platz brauchen“, muss man also ganz radikal Abkommen.

Nun geht es nicht darum, Bochum schlecht zu reden. Dass sich der Rahmen f├╝r den Radverkehr bei uns im gewissen Bereich gebessert hat, ist durchaus festzustellen. Es wurde aber leider eben auch lange genug
verschlafen, eine Verkehrsplanung von 1950 auf die Herausforderungen von 2050 umzustellen. Als die Nutzerzahlen der unterschiedlichen Verkehrsmittel im Bochumer Verkehrsausschuss dargestellt wurden, musste man feststellen, dass sich der Anteil der Bochumerinnen und Bochumer, die das Rad als Verkehrsmittel in unserer Stadt nutzen, in zehn Jahren nicht gesteigert hat. Mit Ma├čnahmen in einer hom├Âopathischen Dosierung und mit Gespr├Ąchskreisen ist dieser Wettbewerbsnachteil nicht mehr auszugleichen. Ein Radverkehrskonzept der Stadt aus dem Jahr 1999 ist
heute doch schon ├╝berholt, wenn nicht durch den Fortschritt schon ├╝berrundet worden.

Die Bochumer Verkehrspolitik schafft es vielleicht, das Leben f├╝r bereits Radbegeisterte ein wenig zu verbessern, aber vor der essenziellen Herausforderung, einen bedeutend gro├čen Teil der Menschen vom PKW f├╝r einen modernen Verkehr zu gewinnen, ist man bisher wiederholt eingeknickt. Wir d├╝rfen Radverkehrspolitik nicht nur vom┬áSattel aus denken, sondern von der Warte derer, die heute noch mit dem Auto unterwegs sind. Darum haben wir Vorschl├Ąge gemacht, die keine Wolkenkuckucksheime sind, sondern in anderen St├Ądten bereits funktionieren und auch bei denen, die heute noch mit dem Auto unterwegs sind, verfangen, weil sie weniger Staus bedeuten und so jedes┬áVerkehrsmittel profitiert.

Anhand der Planungen des Stadtviertels Vauban in Freiburg, haben wir als Fraktion „FDP & DIE STADTGESTALTER“ f├╝r ein Neubaugebiet in Bochum beantragt und auf den Weg gebracht, dass dies autoreduziert geplant werden kann. Das steigert Lebensqualit├Ąt. Ebenso haben wir ├╝berlegt, wie man die Annehmlichkeiten des PKW-Verkehrs auf die Radverkehrsf├╝hrung ├╝bertragen kann und Rad-Vorrang-Routen f├╝r Bochum vorgeschlagen. Entsprechend der Hauptstra├čen f├╝r Autos wollen wir, dass aus einem Netz aus Fahrradstra├čen Hauptverkehrsachsen f├╝r Radfahrer aus den Stadtteilen heraus in die Innenstadt erwachsen, auf denen sie Vorfahrt haben und auf denen Ampeltaktungen auf Radverkehrsgeschwindigkeiten als Gr├╝ne Welle f├╝r Radfahrer optimiert sind. Hier hat wieder Freiburg aber auch
Aachen bereits gezeigt, dass dies keine Utopien sind. Man muss mehr wollen, als ein paar Angebotsstreifen aufzupinseln, weil die kaum jemanden f├╝r den Umstieg ├╝berzeugen werden.

Auch Freiburg war dem Konzept autogerechte St├Ądte verhaftet, hat sich aber fr├╝h und konsequent davon gel├Âst und ist heute auch dadurch in Sachen ├ľkonomie und Lebensqualit├Ąt ganz weit vorne. Diese Konsequenz wollen wir auch in Bochum und f├╝r die ganze Metrople Ruhrgebiet. Daf├╝r holen wir uns auch gerne mal eine blutige Nase.

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