Qualitätswende in Dortmund nicht länger geheim: Der Wall wird fahrradfreundlich

So könnte die Qualitätswende in Dortmund aussehen. (Foto: Peter)

Nachdem die verschobene Pressekonferenz der Stadt nun stattgefunden hat, darf man darüber reden:
Der Wall wird im Bereich des Schwanen- und Ostwalls fahrradfreundlich(er) umgebaut. Durch den Umbau von der Bornstraße bis zum Adlerturm werden also etwa 30 Prozent des Walls besser mit dem Rad befahrbar. Der Rest soll später folgen.

Das ist geplant:

  • Im gesamten Bereich soll beidseitig Zweirichtungsverkehr möglich sein. Teilweise werden dazu Zweirichtungsradwege angelegt. Zweirichtungsradwege müssen besonders sorgfältig geplant werden, denn sie sind mit Gefahren verbunden, weil Kfz-Verkehr nicht mit Radverkehr aus der „falschen“ Richtung rechnet. Trotzdem eine gute Entscheidung, denn kaum jemand wechselt zweimal die Seite (und wartet dabei ggf. je zwei Ampelphasen), um ein kurzes Stück auf der richtigen Seite zu fahren. Also gibt es in jedem Fall Geisterradler, und es ist sicherer (und komfortabler), diese zu legalisieren und sorgfältig einzuplanen.
  • Die Führung erfolgt teilweise auf den sogenannten Nebenfahrbahnen, die parallel zum Wall verlaufen und die als Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Ggf. mit Freigabe für den Radverkehr, wo Einbahnstraßen bestehen. Wo es heute hoppelt, wird die Fahrbahndecke erneuert. Weil der Weg über die Nebenfahrbahnen nicht völlig geradlinig verläuft, soll es zur Verdeutlichung möglicherweise eine grüne Seitenlinie geben, ähnlich wie beim RS1.
  • In den übrigen Bereichen werden Zweirichtungsradwege angelegt in einer Qualität, die an die Niederlande erinnert und die bisher bei straßenbegleitenden Radwegen in Dortmund fast unbekannt war. Oberfläche Asphalt, Mindestbreite 3,25 m, voraussichtlich Mittellinie, durchgängige Trennung vom Fußverkehr durch taktile Elemente, durchgängige Rotfärbung des Wegs, Rotfärbung der Furten über die querenden Straßen. Noch nicht endgültig entschieden ist, ob die Rotfärbung des Wegs durch roten Asphalt (wie oft in den Niederlanden) oder durch oberflächliche rote Einfärbung von schwarzem Asphalt (wie bei den Rotfärbungen an Dortmunder Kreuzungen in den letzten Monaten) erfolgen soll. Weil oberflächliche Einfärbungen nach einiger Zeit rutschig werden und nicht sehr haltbar sind, haben sich ADFC und VeloCityRuhr in Gesprächen mit der Verwaltung klar für roten Asphalt ausgesprochen.
  • Zweirichtungsradwege soll es im Bereich nördlich Löwenstraße/Adlerturm auf beiden Seiten geben, außerdem zwischen Stiftstraße und Brüderweg und vor dem Fritz-Henßler-Haus.
  • Wo der Ostenhellweg auf die Nebenfahrbahn des Schwanenwalls trifft, gibt es eine Aufpflasterung auf der künftigen Fahrradstraße, damit der dort sehr zahlreiche Fußverkehr gut queren kann.
  • Aus demselben Grund gibt es vor den Schulen am Ostwall eine Einengung und ggf. Aufpflasterung im Zweirichtungsradweg.
  • Auf Höhe des Ostenhellwegs gibt es auf der Insel zwischen Schwanenwall und Nebenfahrbahn des Schwanenwalls seit Jahren zahlreiche Masten, Werbeeinrichtungen und Fahrradständer, die dem Verkehr bestmöglich im Weg stehen. Radfahrende, die die Dortmunder Besonderheit der Radverkehrsführung in Form einer Abfolge von 90-Grad-Knicken noch nicht kennen, queren hier den Wall an der falschen Stelle und enden als Geisterradler auf dem schmalen Radweg der Kaiserstraße. Der Bereich wird nun entrümpelt und mögliches Straßenmobiliar so angeordnet, dass es den Verkehr sinnvoll lenkt, statt ihm im Weg zu stehen.
  • Die Parksituation in der Innenstadt verbessert sich durch zusätzliche Parkplätze: Etwa 180 wegfallenden Kfz-Parkplätzen steht eine höhere, aber noch nicht genau bezifferte Anzahl zusätzlicher Fahrradabstellmöglichkeiten gegenüber.
  • Es fallen Kfz-Parkplätze weg, aber keine Fahrstreifen auf dem Wall. Das dürfte der Grund für die Wahl dieses Bereichs gewesen sein: Auch andere Bereiche des Walls lassen sich fahrradfreundlich umbauen, aber nicht ohne den Wegfall von Fahrstreifen.
  • Die Gesamtkosten liegen bei etwa 2.000.000 € und werden überwiegend über das Förderprojekt Emissionsfreie Innenstadt finanziert.
  • Wegen der Förderbedingungen muss die Umsetzung sehr schnell erfolgen, Ende 2021 muss alles fertig sein.
  • Darum gibt es einigen Stellen Kompromisse zulasten der Qualität, z.B. wird die zweistreifige Rechtsabbiegefahrbahn vom Wall in die Hamburger Straße nicht zurückgebaut, so dass der Radverkehr in diesem Bereich weiterhin Zickzack fahren muss.
  • Gleichzeitig läuft eine Untersuchung zum möglichen Umbau des gesamten Walls, in der auch die Wegnahme von Fahrstreifen untersucht wird. Ergebnisse sollen Anfang 2021 vorliegen. Trotzdem soll ein möglicher Umbau erst in zehn Jahren beginnen. Darüber wird also noch zu reden sein.

Nach dem Grundsatzbeschluss, Radwege künftig zu asphaltieren, einigen kleineren Beschlüssen in den Bezirksvertretungen, der Asphaltierung von Hunde- und Bananenweg und dem Beschluss, zehn neue Stellen für den Radverkehr zu schaffen, sind die Pläne zum Umbau von Schwanen- und Ostwall ein weiterer Schritt nach vorn.

Dortmund steht zwar noch ganz am Anfang, aber die Lage für den Radverkehr ist, anders als noch vor wenigen Jahren, nicht mehr völlig hoffnungslos.

Entscheidend sind nun zwei Dinge:

Erstens darf eine Planung in dieser Qualität kein Einzelfall bleiben. Der Umbau von Ost- und Schwanenwall muss der Auftakt für die dringend nötige Qualitätswende im Radverkehr in Dortmund sein.

Und zweitens darf der Umbau des nächsten Abschnitts nicht auf die lange Bank geschoben werden. Sobald Anfang 2021 die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, muss zügig ein Zeitplan für den vollständigen Umbau vorgelegt und umgesetzt werden.

Natürlich wird es immer so bleiben, dass eine direkte Querung der Innenstadt für den Radverkehr wesentlich größere Bedeutung als der Wall hat. Darum müssen zusätzlich zum Umbau des Walls gute und ganzjährig nutzbare Querungen der City auf den drei Hauptachsen Hansa-, Klepping- und Kampstrasse und den etwa fünfzehn Nebenrouten bei der Erarbeitung des “Masterplans Plätze“ eingeplant und vorrangig umgesetzt werden.

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.

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