Fallbeispiel einer RSA-nahen Arbeitsstellenabsicherung in Dortmund

Seit ein paar Wochen beobachte ich eine Baustelle in der Kuithanstraße und Diedenhofener Straße, die positiv hervorsticht unter den Dortmunder Baustellen. Im Großen und Ganzen entspricht das dem Geist der RSA 95.

Wenn man aus dem SĂŒden in der Kuithanstraße kommt, stehen gleich zwei VZ 123 <Arbeitsstelle>.

(Foto: Norbert Paul)

Das VZ vorne steckt in korrekt ausgerichteten Fußplatten – leider nicht ĂŒblich in Dortmund. Ich wĂŒrde es aber weiter zum Rand aufstellen, damit es nicht von parkenden Autos verdeckt werden kann, und mit VZ 1000-11 <Richtung der Gefahrstelle, linksweisend> versehen.

Dann wĂŒrde das auf den Teil in der Diedenhofener Straße hinweisen und das andere auf die Arbeitsstelle geradeaus.

(Foto: Norbert Paul)

Selbst nach einigen Tagen funktionieren alle Warnleuchten noch und haben korrekterweise gelbes Dauerlicht. Eine Seltenheit in Dortmund.

Alle Baken weißen in die richtige Richtung.  Hier wĂŒrde eine Bake (VZ 605-10 <Leitbake – Schraffenbake – Aufstellung rechts>) mehr nicht schaden, aber das hat sicherlich mit der Parkplatzzufahrt zu tun, die frei bleiben soll.

(Foto: Norbert Paul)

Ich bin mir noch nicht sicher, wie man das gut lösen könnte. Immerhin haben sie den Haufen gegenĂŒber den Ausfahrenden gesichert.

(Foto: Norbert Paul)

Nochmal einen Schritt zurĂŒck. Auch der Gehweg ist fast korrekt gesperrt. Auf VZ 600 <Absperrschranke> gehören noch drei gelbe Warnleuchten mit Dauerlicht in gleichem Abstand. Von mir aus auch mindestens fĂŒnf rote. Da scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben.

(Foto: Norbert Paul)

In die Gegenrichtung – auch das leider nicht selbstverstĂ€ndlich – steht die selbe Beschilderung.

(Foto: Norbert Paul)

Richtigerweise auf der RĂŒckseite nicht schwarz-weiß schraffiert.

(Foto: Norbert Paul)

Ganz korrekt ist aber auch das nicht. Nach der VwV-StVO zu den §§ 39 bis 43″ Rn 24 Satz 2 sollen Pfosten, Rahmen und SchilderrĂŒckseiten grau sein. Dazu heißt es im RSA-Handbuch (Schönborn/Schulte 2014: 140-141):

Seit einigen Jahren werden unter Missachtung der Formulierungen in § 33 StVO und den zugehörigen ErlĂ€uterungen in der VwV-StVO (farbige Einrichtungen beeintrĂ€chtigen die Wirkung der Verkehrseinrichtungen) sowie den zuvor zitierten ZTV-SA sogenannte „mobile Schutzeinrichtungen“ komplett aus Kunststoff vermarktet. Rahmen und Verstrebungen im Zwischenraum zwischen Absperrschranke und Blindentastleiste werden dabei in Gelb, Weiß, Rot, Orange usw. gestaltet. Angeblich soll damit die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Dabei wird völlig ĂŒbersehen, dass dadurch das eigentlich wichtige Verkehrszeichen Absperrschranke in den Hintergrund gerĂŒckt wird. Durch die aktuelle VwV-StVO wird nun auch klargestellt, dass die Farbe Grau fĂŒr Pfosten und Rahmen die korrekte Gestaltung ist.

Das schrieb ich in Zusammenhang mit einer anderen Baustelle im Dezember auch mal der Straßenverkehrsbehörde Dortmund, die daraufhin den zugehörigen E-Mail-Verkehr abbrach.

Das Schild fĂŒr das absolute Halteverbot ist ĂŒbrings korrekt ausgerichtet (auch auf den Gegenseite – siehe Bilder unten), sodass man dies beim Vorbeifahren sehen kann. Der Gegenverkehr muss das nicht sehen können, denn der darf ja nach § 12 Abs. 4 Satz 1 StVO gar nicht links halten. Das vermutlich weit ĂŒber 90 % der Halteverbotsschilder falsch stehen und das Vollzugsdefizit beim Rechtsparkgebot, verstĂ€rkt, dass heutzutage geparkt wird, wie man will, ja es hĂ€ufig gar nicht mehr möglich ist vor lauter Falschparkern nur korrekt zu halten oder gar zu parken.

In der Engstelle ist die Arbeitsstelle durch Baken gesichert.

(Foto: Norbert Paul)

Eine Bake sollte etwas weiter in Richtung Fahrbahnmitte gerĂŒckt werden. Die RegelplĂ€ne der RSA sehen vor, dass im Engbereich jede zweite Barke ohne Warnleuchte sein kann. Das wurde hier fĂŒr die eine ohne Warnleuchte korrekt angewendet, auch wenn man erst einmal stutzt.

(Foto: Norbert Paul)

In die Gegenrichtung steht sogar ein Hinweis auf querende FußgĂ€nger*innen (VZ 133 <FußgĂ€nger>). Warum nicht in der Gegenrichtung auch? Auch hier ist die Beschilderung fĂŒr Dortmunder VerhĂ€ltnisse korrekt. Sie mĂŒssten eigentlich alle in einer Linie mit ausreichend Abstand zum Bordstein stehen oder – was ich bevorzugen wĂŒrde bei so engen Gehwegen – auf der Fahrbahn und mĂŒssten dort durch eine Bake gesichert werden.

(Foto: Norbert Paul)

Die Vorfahrt wird in dieser Engstelle durch VZ 308 <Vorrang vor dem Gegenverkehr> bzw. VZ 208 <Vorrang des Gegenverkehrs> geregelt. Warum es in diese Richtung nur ein Exemplar gibt und nicht zwei wie in die Gegenrichtung?

(Foto: Norbert Paul)

Die nicht leuchtenden Warnleuchten bieten hier noch Verbesserungspotenzial. Hinter dem Bagger fehlen dann noch 2-3 Baken.  Eine Alternative wÀre es, die Barken in Linie stehen zu lassen und mit zwei Absperrschranken (mit Warnleuchten) die Baustelle abzusichern.

(Foto: Norbert Paul)

Die Absperrschranken auf dem Gehweg auf der anderen Seite sind m. E. gar nicht nötig. Sie sind aber korrekt aufgestellt. Das VZ 123 <Arbeitsstelle> soll hier sicherlich auf die Baustelle in der Diedenhofener Straße verweisen und wĂ€re um VZ 1000-21 <Richtung der Gefahrstelle, rechtsweisend> zu ergĂ€nzen und ich wĂŒrde es vor den Engstellenbereich stellen, damit in diesem genug Platz bleibt.

(Foto: Norbert Paul)

In der Diedenhofener Straße hat man an den Pfeil gedacht. (Ob es ein VZ 123 <Arbeitsstelle> fĂŒr diesen Baustellenteil gibt, habe ich leider nicht ĂŒberprĂŒft.)

(Foto: Norbert Paul)

Ohne es im Detail nachgemessen zu haben: So sieht ein korrekt aufgestelltes Schild auf: Es hat etwas Abstand zum Bordstein, steckt in Fußplatten, die in Windlastrichtung ausgerichtet sind. Als abnehmende Behörde mĂŒsste man noch prĂŒfen, ob die Fußplatten genug Gegenkraft zum Wind bieten.

(Foto: Norbert Paul)

Auch hier beobachte ich seit Wochen, dass die Warnleuchten dauerhaft in Betrieb sind von einzelnen AusfĂ€llen. Das kann passieren und ist, wenn es genug Warnleuchten gibt, auch kein fundamentales Sicherheitsproblem. Nur auf der Innenseite mĂŒssten es mehr sein und die absperrende Sperrschranke mĂŒsste mit drei gelben Warnleuchten bestĂŒckt sein.

(Foto: Norbert Paul)

Nicht optimal sind die ÜbergĂ€nge auf den Notweg, aber akzeptabel. Richtig ist ĂŒbrings auch, dass die Warnbaken in eigenen Bodenplatten stecken.

(Foto: Norbert Paul)

Das – vermutlich Anwohner*innen* eine Absperrschranke beiseite gestellt haben, muss wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Man weiß auch nicht so recht, wofĂŒr die das brauchen könnten.

(Foto: Norbert Paul)

Die verdrehte Bodenplatte ĂŒbersehen wir nun diskret und freuen uns ĂŒber den Beweis, dass eben noch mehr möglich ist, als man von vielen Baustellen in Dortmund gewohnt ist, auch wenn die von großen Spezialfirmen betreut werden.

Literatur:

Schönborn, Hans D.; Schulte, Wolfgang 2012 (4. Aufl.): RSA-Handbuch. Band: „RSA mit Kommentaren“. Bonn: Kirschbaum, 140-141.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

2 Gedanken zu „Fallbeispiel einer RSA-nahen Arbeitsstellenabsicherung in Dortmund

  • 29.04.2018 um 16:04
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    Die Vorfahrtsregelung einer Engstelle mit den Verkehrszeichen 208 und 308 ist noch ein Relikt aus dem Regelplan BI/5 der RSA95. Inzwischen regelt die VwV-StVO, dass die Zeichen nur dann anzuordnen sind, wenn der Verkehr wartepflichtig sein soll, der das Hindernis nicht auf seiner Seite hat. Ansonsten ist ohnehin derjenige wartepflichtig, der das Hindernis auf seiner Seite hat. Die Zeichen 208 und 308 geben dann – wie in dem gezeigten Beispiel – nur eine bereits bestehende Regelung wider und dĂŒrfen damit grundsĂ€tzlich nicht angeordnet werden. Das geschieht aber trotzdem immer dann, wenn die anordnende Behörde die VerĂ€nderungen der höherrangigen StVO nicht auf die Regelungen und insbesondere die RegelplĂ€ne der RSA 95 anwenden.

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    • 29.04.2018 um 16:15
      Permalink

      Danke fĂŒr die ErgĂ€nzung. Es kann auch noch sein, dass die Firma das einfach so aufgestellt hat.

      Zu Zeichen 208 Dem Gegenverkehr Vorrang gewÀhren.
      I.
      Das Zeichen ist nur dann anzuordnen, wenn
      1.
      bei einseitig verengter Fahrbahn dem stÀrkeren Verkehrsfluss abweichend von § 6 Vorrang eingerÀumt werden muss oder
      2.
      bei beidseitig verengter Fahrbahn fĂŒr die Begegnung mehrspuriger Fahrzeuge kein ausreichender Raum vorhanden und der Verengungsbereich aus beiden Fahrtrichtungen ĂŒberschaubar ist. Welcher Fahrtrichtung der Vorrang einzurĂ€umen ist, ist auf Grund der örtlichen VerhĂ€ltnisse und der beiderseitigen VerkehrsstĂ€rke zu entscheiden.
      II.
      Am anderen Ende der Verengung muss fĂŒr die Gegenrichtung das Zeichen 308 angeordnet werden.
      III.
      In verkehrsberuhigten Bereichen ist auf die Regelung stets, in geschwindigkeitsbeschrÀnkten Zonen in der Regel zu verzichten.

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