Dortmund will alle Stadtbezirke mit Vorrangnetz an RS 1 anbinden

Die Stadtverwaltung Dortmund plant im Rahmen des Masterplans Mobilität das Radverkehrskonzept neu zu gliedern (Drucksache Nr. 08715-17-E1). Das ist mit viel Aufwand verbunden. Ob das realistisch ist? Das angekündigte Konzept „Schön & Schnell“ ist längst zu „Schön & Schnell & Schublade“ geworden und nicht mal in Ansätzen umgesetzt. Dortmund braucht keine weiteren Ankündigungen großer Veränderungen, die dann doch nie wirklich umfassend umgesetzt werden, und – angesichts der konsequenten Nicht-Einschränkung des Kfz-Verkehrs – unrealistischer Ziele beim Radverkehrsanteil. Dennoch wird jetzt sogar ein Netz mit verschiedenen Ebenen angekündigt. Ein Thema, dass viele Fragen aufwirft, z. B. die Frage, ob die Netzebenen erkennbar sind wie Autobahnen und Bundesstraßen auch.

Selbst für mit der Thematik befasste Bürger*innen wird die Vielfalt an Radverkehrsnetzen langsam unübersichtlich.

  • lokales Freizeitnetz (Buga-Touren; Rund-um-Touuren)
  • Touristisches Netz, (z. B. Ruhrtalradweg)
  • Wegweisende Beschilderung für den Radverkehr
  • Knotenpunktnetz des RVR (nicht ausreichend abgestimmt auf vorgenanntes draufgesattelt)
  • Schön & Schnell (schon lange angekündigt)
  • Neugliederung mit Netzhierarchien (neu angekündigt)

Diese Wegweisungsnetze nutzen dann das Netz an Radverkehrsinfrastrukturen, wobei dass Wort Netz nicht dazu verleiten sollte, sich darunter etwas durchgängiges und einheitliches vorzustellen.

Es ist sicherlich nicht falsch, das lokale Radverkehrsnetz mit dem RS 1 zu verknüpfen, wobei die Bedeutung des RS 1 abseits eines Korridors von wenigen Kilometern eher gering ist. Kaum jemand fährt etliche Kilometer zum RS 1, um dann nach 2 Kilometern wieder abzufahren. Da fährt man dann doch lieber den direkten Weg. Was Dortmund bräuchte, wären etliche Radschnellverbindungen, von denen der so genannte Radschnellweg Ruhr nur eine ist. Radschnellwege, dass nur nochmal am Rande, bezeichnet in fachlichen Diskursen eine von mehreren möglichen Infrastrukturformen einer Radschnellverbindung.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

3 Gedanken zu „Dortmund will alle Stadtbezirke mit Vorrangnetz an RS 1 anbinden

  • 04.03.2018 um 11:26
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    Ganz richtig. Um aus dem Dortmunder Nordwesten Bochumer Stadtgebiet zu erreichen, muss man es erstmal aus dem Emschertal raus und auf die Ruhrhöhen rauf schaffen. Da ist man, oben angekommen, schon ziemlich durchgeschwitzt.

    Man wird aber z.B. trotzdem nicht den Emscherweg nutzen, um auf den RS1 nach Bochum aufzufahren, nur um sich den steilen Aufstieg zu sparen.

    Nun kann man nicht einen ganzen Höhenzug abtragen. Pragmatische Lösungen, die das Alltagsfahren aber einfacher gestalten, würden vielleicht dennoch mehr Leute dazu bringen, diese Strecken trotz Steigung zu nutzen.

    Antwort
      • 04.03.2018 um 18:01
        Permalink

        Der Dortmunder Rücken endet ja quasi an der B1. Von Mengede/Huckarde nach Bochum geht es über Frohlinde, Merklinde oder Bövinghausen, aber auf jeden Fall über die Ruhr/Emscher-Wasserscheide. An dieser Stelle mal ein Lob an https://www.geoportal.nrw :) (benutzte Karte befindet sich unter „Umwelt & Klima -> Wasser -> Gewässer -> Einzugsgebiete“).

        Antwort

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