Klischees und Vorurteile statt Literaturkenntnis und Auswertungen?

Dieser kleine Weg ist als Gehweg gewidmet, was einer Nutzung durch den Radverkehr entgegen steht. Deutschland hat unzĂ€hliger dieser kurzen Wege in Wohngebieten, wo nicht viel los ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da seit Jahrzehnten Rad gefahren wird und das problemlos. Oder die amtliche Unfallstatistik wurde nie danach ausgewertet, sodass ein riesiges Problem ĂŒbersehen wurde.

(Foto: Norbert Paul)

 

Das mit der Widmung kann man durch Widmungserweiterung lösen. Interessant ist dieser Fall aber aus anderem Grund. Seitens der Straßenverkehrsbehörde gab es 2020 eine Anhörung der Polizei zu einer möglichen Freigabe fĂŒr den Radverkehr. Sie habe gegenĂŒber der Stadt Bedenken geĂ€ußert, so die Straßenverkehrsbehörde. Auch bei Beibehaltung der Umlaufsperre gĂ€be es eine Gefahrsituation. Es bestĂ€nde die Gefahr, dass eine Vielzahl von Radfahrern die Umlaufschranke umfahren werden und ihren Weg, ohne auf den Querverkehr zu achten, fortsetzen. Die Mehrheit wĂŒrde nicht, wie eigentlich gewollt, absteigen und schieben. Das wirft mehr Fragen auf, als es Probleme gibt.

Es ist nicht so, dass jegliche Gefahr verhindert werden mĂŒsste. Dann wĂ€re Verkehr schlichthin unmöglich. Daher frug ich in einem IFG-Antrag um Übersendung der Auswertung der Unfallstatistik oder die wissenschaftliche Veröffentlichung, die eine solche Annahme begrĂŒndet, da es schließlich viele EinmĂŒndungen, die schlecht einsehbar sind und bei denen Radverkehr legal ist. gibt.

Da die Polizei davon ausgehe, dass Radfahrer nicht auf den Querverkehr achten wĂŒrden, bat ich um Übersendung der wissenschaftlichen Studie, auf der diese Annahme fußt.

Zudem vertrat die Polizei die Auffassung, die Mehrheit der Radfahrer wĂŒrde sich nicht an die Regel halten, dass man absteigen und schieben mĂŒsse bei Umlaufsperren. Ich bat daher um Übersendung der wissenschaftlichen Studie, die diese Annahme belegt sowie den Auszug aus der StVO, aus der sich diese Regelung ergibt. Darauf, dass der abschließende Katalog der Verkehrseinrichtungen Umlaufsperren gar nicht auflistet, verweise ich vorsorglich direkt.

Den Bescheid kann man mit: „Wir haben nix, was unsere Annahmen belegt.“ vollstĂ€ndig zusammen fassen. Außerdem bekam ich die gar nicht abgefragte Info, dass es dort in den letzten zwei Jahren keine polizeilich erfasste UnfĂ€lle gab.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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