Der Esel wird zum Zebra

Die Grünen haben ein Beitrag zur Ansiedlung eines exotischen Tiers im südlichen Dortmund geleistet. (Foto: Bernard DUPONT from FRANCE – Cape Mountain Zebra (Equus zebra zebra), CC BY-SA 2.0)

Rheinischer Esel, Hunde- und Bananenweg sind ehemalige Bahnstrecken, die als Geh- und Radwege genutzt werden. Hunde- und Bananenweg und der Dortmunder Teil des Esels waren als wassergebundene Schlamm- und Schotterpisten ausgeführt worden und sollten nun für besseren Fuß- und Radverkehr und geringere Unterhaltskosten asphaltiert werden. Bei Hunde- und Bananenweg ist das wunberbar gelungen, beim Esel gab es dagegen ein Drama mit unzähligen Wendungen und schrägen Allianzen.

Die Kurzfassung:

Das Tiefbauamt und die standhafte Bezirksvertretung wollten den Esel durchgängig alltagstauglich asphaltieren. Der Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde wusste nicht recht, was er will. Wusste aber sehr genau, dass er Asphalt im Wald nur dann akzeptiert, wenn er für Autobahnen verwendet wird und legte ein Veto ein, so dass der Rat entscheiden musste. Das Umweltamt ordnete die Bedenken gegen eine Asphaltierung als unbegründet ein, aber die Grünen konnten sich trotzdem nicht zwischen Radverkehr und vermeintlichem Naturschutz entscheiden, übergingen das klare Votum ihrer Parteikolleginnen aus der Bezirksvertretung und brachten einen faulen Kompromissvorschlag (sowohl Schlamm und Schotter als auch Asphalt) ein, mit dem niemand zufrieden sein kann. Daraufhin vergaß die CDU alle Rote-Socken-Kampagnen der Vergangenheit und stimmte zusammen mit den Linken für den Vorschlag der Grünen, um endlich mal die SPD überstimmen zu können, die Asphalt wollte. Weil aber alles etwas durcheinander gegangen war, wusste nach der Ratssitzung niemand so recht, was denn nun genau beschlossen worden war.
Zwischendurch gab es Auftritte eines schillernden Einzelvertreters im Rat, der im Themendreieck „kriminelle Ausländer“, frei laufende Hunde und Radfahren umherhüpfte, sowie einer virtuellen sogenannten Bürgerinitiative, die unter dem Vorwand des Naturschutzes Partikularinteressen einer Handvoll Anwohner vertritt.

Grafik: Stadt Dortmund

Das Ergebnis

Die Verwaltung interpretierte den unklaren Ratsbeschluss so: Ein Streifen von 450 m Asphalt ab Hellerstraße, dann ein Streifen von 450 m Schotterpiste, dann wieder ein Streifen Asphalt bis Stadtgrenze Witten. Dort folgt dann ein Streifen Schotter bis etwa Höhe Innenstadt, dem wiederum ein Streifen Asphalt bis Bochum-Langendreer anschließt. Jede Menge Streifen: Der Esel wird zum Zebra.

Durch die jetzt erfolgte Bestätigung der Bezirksregierung Arnsberg als höherer Naturschutzbehörde (mit einigen Auflagen) ist klar, dass es so umgesetzt wird. Diese letzte Bestätigung ist positiv zu bewerten, denn es ging nur noch um die Frage, ob es bei 450 m Schotter bleibt oder schlimmer kommt. Insgesamt ist das Ergebnis unbefriedigend.

Die ausführliche Dokumentation

Das Umweltamt war so freundlich, das ganze Drama einmal Schritt für Schritt aufzuschreiben. Über den Verkauf der Filmrechte wurde noch nicht entschieden.

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.

Ein Gedanke zu „Der Esel wird zum Zebra

  • 15.09.2019 um 23:49
    Permalink

    Danke für den Hinweis aus die Drucksache. Der amtliche Naturschutz teilt also die Argumente des lokalen Naturschutzes also weitgehend nicht, einer vollständigen Asphaltierung steht also nichts im Wege. So richtig klar wird mir warum überhaupt noch ein Eingriff angenommen wird.

    Antwort

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