BV Hombruch bleibt standhaft: Asphalt für den Esel – aber neues Problem

Der Rheinische Esel in Dortmund, noch mit wassergebundener Oberfläche (Foto: Peter Maier).

Die Stadt Dortmund hat mittlerweile verstanden, dass wassergebundene Decken nicht alltagstauglich sind. Noch vor wenigen Jahren lautete die Sprachregelung, Schotterpisten seien „Stand der Technik“. In diesem Punkt hat ein Umdenken stattgefunden. Noch in diesem Jahr sollen drei wichtige eigenständig geführte Geh- und Radwege auf ehemaligen Bahntrassen asphaltiert werden:

  • Der „Bananenweg“ zwischen „Im Defdahl“ und Klönnestraße (Bestand, bisher wassergebunden) mit einer Erweiterung bis zur Weißenburger Straße (Bahntrasse: ehemalige Verbindungskurve zwischen Süd- und Ostbahnhof),
  • der „Hundeweg“ zwischen Kapitelwiese und „Im Defdahl“ (Bahntrasse: ehemalige Bahnstrecke Düsseldorf Derendorf – Dortmund Süd, in Wuppertal bekannt als Nordbahntrasse), saniert wird nur der völlig verschlissene Asphalt im Teil nördlich der B1, der Bereich südlich der B1 (Asphalt/Pflaster) ist noch in einem ausreichenden Zustand,
  • und der „Rheinische Esel“ zwischen Hellerstraße und Stadtgrenze Witten (bisher wassergebunden, Bahntrasse: Seitenarm der „Rheinischen Bahn“ von Bochum-Langendreer über Witten-Ost nach Dortmund-Löttringhausen)

Die zuständigen Bezirksvertretungen haben bereits zugestimmt, so dass den Sanierungen eigentlich nichts mehr im Weg stand. Nur in Hombruch gab es Probleme. Nachdem die Bezirksvertretung der Sanierung des Rheinischen Esels im Februar mit klarer Mehrheit zugestimmt hatte, meldeten sich die Betreiber einer Facebook-Seite, die sich als „Bürgerinitiative“ bezeichnen, und forderten in einer Onlinepetition die Rücknahme des Beschlusses zur Asphaltierung. Die Argumente waren die üblichen, längst widerlegten Argumente gegen Asphalt:

  • starke Aufheizung (tatsächlich im Wald ohne direkte Sonneneinstrahlung kein Problem)
  • Bodenversiegelung (tatsächlich ist die Versiegelungswirkung nicht höher als bei wassergebundener Decke)
  • Beschädigung der Pflanzen durch die Baumaßnahmen (spricht tatsächlich für Asphalt, denn der hält dreißig Jahre, während wassergebundene Decken alle zwei Jahre saniert werden müssen)
  • Unfall- und Rutschgefahr durch Schnee oder Laub auf Asphalt (besonders dürftiges Argument, denn Laub und Schnee sind auf wassergebundenen Decken viel gefährlicher, weil sie Schlaglöcher und Spurrillen verdecken)

Sitzung der Bezirksvertretung Hombruch

Der Ratsherr Detlef Münch (Freie Bürger Initiative, FBI) stellte dann im März bei der Bezirksvertretung den Antrag, in der heutigen Sitzung den Beschluss zur Asphaltierung entweder aufzuheben oder zumindest die Umsetzung vorläufig auszusetzen. Dazu forderte er die Gegner einer alltagstauglichen Oberfläche auf, möglichst zahlreich zur öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung zu erscheinen, und zwar „am besten mit dem Fahrrad“, denn Herr Münch fällt in seiner politischen Arbeit vor allem durch sein Interesse an drei Themengebieten auf: freilaufende Hunde, „kriminelle Flüchtlinge“ und Radfahren.

Nach dem Klatschverhalten schätze ich, dass maximal fünf Personen dem Aufruf gefolgt sind, davon keiner mit dem Fahrrad.

In der Bürgerfragestunde vor der Sitzung stellte die Betreiberin der Facebook-Seite ihre Position noch einmal dar. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Wiederholungen der bekannten Argumente und Fragen zu den Kosten von Asphalt gegenüber wassergebundener Decke. Die Bezirksvertretung leitet die Fragen zur Beantwortung an die Verwaltung weiter.

Konfliktpotenzial durch fehlenden Asphalt: Fußgänger und Radfahrer müssen um die schmalen benutzbaren Stege zwischen Pfützen und Schlaglöchern konkurrieren und können den Weg nicht in der gesamten Breite nutzen (Foto: Peter Maier. Das Bild zeigt einen Abschnitt des Esels in Witten).

Der Antrag von Herrn Münch wurde nur kurz diskutiert. Dabei wies Bezirksbürgermeister Semmler darauf hin, dass unter den E-Mails und Briefen, die die Bezirksvertretung aus der Bürgerschaft erhalten hat, sehr viele waren, die sich für eine Asphaltierung aussprachen: „Es gibt so viele Bürgerinnen und Bürger, die uns geschrieben haben und die dafür sind.“ Die folgende Abstimmung fiel eindeutig aus: Der Antrag von Herrn Münch wurde mit 16 zu 3 Stimmen abgelehnt, daher bleibt es bei dem Beschluss der BV aus dem Februar, den Esel zu asphaltieren. Eine Gegenstimme kam von der Linken, bei den beiden anderen bin ich mir nicht sicher. Ich glaube, es waren die beiden parteilosen Mitglieder der BV, sicher kann ich es erst sagen, wenn das Protokoll vorliegt.

In der Diskussion wurde ziemlich schnell deutlich, dass es den Gegnern einer alltagstauglichen Oberfläche eigentlich gar nicht um Natur, Pflanzen, Bodenversiegelung und Uhus geht, sondern um „rasende Radfahrer“. Mehrfach wurde davor gewarnt, dass nun ein „Radschnellweg“ entstehen würde, auf dem unzählige Kampfradler zur Gefahr für Fußgänger würden. Frage: Wenn ein Geh- und Radweg durch ein wenig Asphalt zum Radschnellweg wird, sind dann die unzähligen asphaltierten Sackgassen im Stadtgebiet Schnellsackgassen? Tatsächlich zeigt der asphaltierte westliche Teil des Esels zwischen Langendreer und Witten, dass diese Befürchtungen unbegründet sind. Wahrscheinlich wird es sogar weniger Konflikte geben, weil Fußgänger und Radfahrer nicht mehr um die schmalen benutzbaren Stege zwischen Pfützen und Schlaglöchern konkurrieren müssen, sondern den Weg in der gesamten Breite nutzen können.

Neues Problem: Verfahrensfehler?

Allerdings hat sich ein neues Problem ergeben.

Der Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde hat der Bezirksvertretung am 22.4. ein Schreiben geschickt, in dem er die BV bittet, den Beschluss vom Februar dahingehend zu „präzisieren“, dass für einen 600m langen Teilabschnitt (von insgesamt ca. 2500m), der in einem Bereich liegt, in dem möglicherweise ein Naturschutzgebiet („Großholthauser Mark“) eingerichtet werden soll, auf Asphalt zu verzichten. In dem Schreiben vertritt der Beirat die Ansicht, dass die fehlende Berücksichtigung des Beirats und des Umweltamts beim Erstellen der Vorlage zur Asphaltierung durch das Tiefbauamt ein Formfehler sein könnte. Der Beirat ist allerdings auch der Auffassung, dass der Beschluss nicht grundsätzlich aufgehoben werden muss, sondern bittet nur um die genannte „Präzisierung“.

Der Bezirksbürgermeister hat daraufhin beim Umweltamt nachgefragt und auch dort sieht man keine Notwenigkeit, den Beschluss vom Februar grundsätzlich aufzuheben.

Die Bezirksvertretung hat aber beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, bis zur nächsten BV-Sitzung rechtlich zu prüfen, ob die Bedenken des Beirats wegen der Nichtbeteiligung des Umweltamts und des Beirats berechtigt sind. Solange sollen alle Vorarbeiten der Verwaltung, Ausschreibungen und Auftragsvergaben ruhen.

Bezirksbürgermeister Semmler betonte aber, dass diese Prüfung an der jetzigen Beschlusslage zur Asphaltierung nichts ändere und dies auch von allen Fraktionen so gesehen werde.

Wegen der Prüfung könnte es also zu Verzögerungen bei der Asphaltierung kommen.

Von Herrn Münch war zu hören, dass er sich noch nicht geschlagen geben will und diese Zeit nutzen will. Wegen der sehr deutlichen Mehrheit in der Bezirksvertretung ist die Gefahr, dass er Erfolg haben wird, aber nicht sehr groß. Auch außerhalb der Bezirksvertretung Hombruch scheint es Unterstützung aus der Politik für eine alltagstaugliche Oberfläche zu geben.

Nicht alltagstauglich: Schlammpiste dank wassergebundener Decke (Foto: Peter Maier. Das Bild zeigt einen Abschnitt des Esels in Witten).

Peter Maier

Peter Maier aus Dortmund, schreibt unter Pseudonym und mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.

3 Gedanken zu „BV Hombruch bleibt standhaft: Asphalt für den Esel – aber neues Problem

  • 24.04.2018 um 17:13
    Permalink

    Vielen Dank an alle, die sich bei der Bezirksvertretung oder über die Lokalpresse für eine alltagstaugliche Oberfläche eingesetzt haben.

    Antwort
  • 25.04.2018 um 3:07
    Permalink

    Warum setzen die sich dann nicht für wassergebundene Decken auf dem Schnee ein? Da gibt es Fahrzeuge die noch größer und schneller sind als Radfahrer*innen. Oder hat man Angst davor und muss in seiner knappen Zeit möglichst Rasch zum Rheinischen Esel kommen, um da den Hund auszuführen.

    Die Bezirksvertretung hat aber beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, bis zur nächsten BV-Sitzung rechtlich zu prüfen, ob die Bedenken des Beirats wegen der Nichtbeteiligung des Umweltamts und des Beirats berechtigt sind. Solange sollen alle Vorarbeiten der Verwaltung, Ausschreibungen und Auftragsvergaben ruhen.

    Nächste Sitzung wird kaum nächste Sitzung sein und gegen welchen Paragrafen soll der Verstoß sein? Wird dann wohl nichts mehr dieses Jahr, es sei denn der oder die Zuständige findet das wichtig und macht Tempo.

    Antwort
  • 27.04.2018 um 8:23
    Permalink

    Wow, was für eine Nimby-Realsatire…! :(

    Ich hab ja letztens in den Planungsunterlagen für einen Radwegstummel-Bau sogar eine amtliche Bestätigung dafür gefunden, dass wassergebundene Decken für Radverkehrsanlagen im Prinzip vollkommen untauglich sind. Wie ernst man die Interessen von Radfahrern nimmt, kann man grade am Thema „Oberfläche“ am besten erkennen: „Für Radfahrer reicht schließlich auch eine Schotterpiste“!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.