Da hat schon wieder jemand „Radautobahn“ gesagt…

Kommunikation ist eine spannende Sache. Wenn jemand etwas sagt, dann bedeutet dies nicht automatisch, dass der andere es auch genauso versteht. Da gibt es tolle wissenschaftliche Abhandlungen, die man bei jedem Thema oder in FĂŒhrungskrĂ€fteseminar en, auf eine mehr oder weniger komplizierte Art und Weise, mit Powerpoint an die Wand werfen kann. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Begriffsbestimmung sehr stark die Akzeptanz oder das Engagement fĂŒr ein Projekt bestimmen können. Entsprechend verschwenden große Unternehmen viel Geld um den richtigen Namen fĂŒr ihr Produkte zu finden.  Worte können halt sehr schnell positive oder negative Assoziationen auslösen.

Diese Wirkung soll aber hier nicht das zentrale Thema sein, sondern das Unwort „Radautoautobahn“, welches immer wieder bei einer großen Zeitung auftaucht und vermutlich auch durch irgendwelche (angehenden) Journalisten in die Welt gesetzt worden ist. Ich hab keine Ahnung wieso, es macht weder inhaltlich noch technisch Sinn.

Warum? Eigentlich ganz einfach, ich hab das neulich noch mit Freunden diskutiert.  Wobei eigentlich gute Journalisten ja komplexe Sachverhalte erklÀren sollen. So die Theorie.

Schauen wir mal in die Wikipedia zu Thema:  „Autobahn“

Eine Autobahn ist eine Fernverkehrsstraße, die ausschließlich dem Schnellverkehr und dem GĂŒterfernverkehr mit Kraftfahrzeugen dient. Sie besteht im Normalfall aus zwei Richtungsfahrbahnen mit jeweils mehreren Fahrstreifen. FĂŒr die Benutzung von Autobahnen wird in vielen LĂ€ndern eine Maut (StraßennutzungsgebĂŒhr) erhoben. Deutsche Autobahnen sind seit LĂ€ngerem mit mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtungsfahrbahn versehen. In der Regel ist auch ein zusĂ€tzlicher Seitenstreifen (auch Standstreifen oder Pannenstreifen genannt) vorhanden. Bei modernen Autobahnen sind die Fahrbahnen durch einen Mittelstreifen, in dem passive Schutzeinrichtungen wie Stahlschutzplanken oder BetonschutzwĂ€nde errichtet sind, voneinander getrennt. Die Fahrbahnbefestigung erfolgt heutzutage durch Beton– oder Asphaltbelag.

Zusammengesasst erkennt man da schnell sehr viele Eigenschaften, die dem geplanten Radschnellweg Ruhr nicht zugedacht werden sollten. Zwei Fahrstreifen pro Richtung  wÀren echt gewaltig, ein Gehweg ist nicht gelistet. Planer, sonstige Experten, viele Politiker und die Machbarkeitsstudie sprechen aus dem Grund lieber von Radschnellwegen und haben auch eigene Standards entwickelt. Nochmal die Wikipedia, da wird sogar journalistische Arbeit geleistet und vieles gut erklÀrt:

Radschnellwege, in der Schweiz „Velobahnen“ genannt,[1][2] sind Verbindungen im Radverkehrsnetz einer Gemeinde oder einer Stadt-Umland-Region, die wichtige Zielbereiche mit entsprechend hohen Quell- und/oder Zielverkehren ĂŒber grĂ¶ĂŸere Entfernungen verknĂŒpfen und durchgĂ€ngig ein sicheres und attraktives Befahren bei hohen Reisegeschwindigkeiten ermöglichen. Der Begriff Radschnellweg ist in Deutschland bisher weder eine offizielle Bezeichnung im Sinne der Straßenverkehrsordnung noch kommt er in den derzeit gĂŒltigen deutschen Regelwerken zum Straßenbau vor. Es existiert jedoch bereits ein Arbeitspapier „Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen“ [FGSV-Nr. 284/1], welches den gegenwĂ€rtigen Erkenntnisstand zu Radschnellverbindungen im Sinne einer ErgĂ€nzung des bestehenden Regelwerks „Empfehlungen fĂŒr Radverkehrsanlagen“ (ERA – FGSV 284, RIN – FGSV 121) zu systematisieren versucht und so fĂŒr die Praxis verfĂŒgbar machen soll. Es ist vorgesehen, im Zuge einer sich festigenden Praxis und zunehmender Erfahrungen, dieses Arbeitspapier weiterzuentwickeln und in eine zukĂŒnftige Überarbeitung der „Empfehlungen fĂŒr Radverkehrsanlagen“ einfließen zu lassen. Öffentliche Auftraggeber in Deutschland verlangen meist zwingend, dieses Regelwerk fĂŒr die Planung und BauausfĂŒhrung von Radverkehrsanlagen heranzuziehen.[3][4]

Das klingt schon mal ganz anders.  Die Autobahnen im Ruhrgebiet kann man sehr gut mit Stau, Verkehrstoten und niedriger LebensqualitĂ€t durch LĂ€rm und Dreck assoziieren. Alles Probleme, die der Radschnellweg Ruhr ein StĂŒckchen mit lösen helfen soll. WĂ€hrend Autobahnen die angrenzen GrundstĂŒcke entwerten, ist bei Radschnellwegen, wie z.B. der Nordbahntrasse in Wuppertal, das genaue Gegenteil zu beobachten. Dort wird mit den NaherholungsqualitĂ€ten des benachbarten Weges in vielen Immobilienanzeigen bereits aktiv geworben.

Übrigens kommt das Wort  „Radautobahn“ auch nicht in der Machbarkeitsstudie zu RS1 vor. Wenn also liebe Mitmenschen sich fĂŒr den Radschnellweg Ruhr engagieren wollen, dann sollten sie positive Erwartungen fördern. Zum Beispiel die Möglichkeit, dass Kinder sicher ohen Autoverkehr zur Schule kommen und der Arbeitsweg schon stressfrei mit dem Rad passiert, man nebeneinander plauschend Fahrrad fahren kann und der Rennradfahrer trotzdem noch ĂŒberholen kann.

Von daher die Bitte: Nutzt den Begriff „Radschnellweg“ als Beispiel fĂŒr eine positive Entwicklung im Ruhrgebiet. Stau gibt es dann trotzdem noch genug, also lasst den bitte auf der Autobahn.

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Getrennte Wege. Staufrei.

Simon Knur

Planer, Falt- und Liegeradfahrer aus dem Sauerland, wegen der Liebe und dem Job im Ruhrgebiet. Seit 2012 bei VCR und beruflich unterwegs zu den Themen Infrastruktur, Abwasser, Klimaschutz und Klimaanpassung. Blogge mit dem lokalen Schwerpunkt Essen, Radschnellweg und Radkultur.

4 Gedanken zu „Da hat schon wieder jemand „Radautobahn“ gesagt…

  • 07.05.2015 um 20:31
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    Nicht nur, dass die Autobahnen mit Staus, LÀrm, Dreck und hohem Platzverbrauch verbunden sind, sie sind auch ein Ort der AnonymitÀt und des Stresses.
    Anders ist es beim Radschnellweg. Zudem gefĂ€llt mir bei diesem Begriff, dass er das Radfahren nicht mehr in die Freizeit- Schublade drĂŒckt. Dort kann man entspannt, sozial (mit Freunden), gesund und ohne Gefahr pendeln und ist dabei recht fix an seinem Ziel.

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  • 29.01.2016 um 0:03
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    Kann man jemand dem RVR sagen das

    Eine Art „A 40 fĂŒr Fahrradfahrer“

    keine hilfreiche ErklÀrung ist sondern komplexe Transferleistung erfordert? Das hat auf http://www.rs1.ruhr nichts zu suchen. Der Begriff weckt eher Assoziationen an Stau, Dreck, LÀrm, Dauerbaustelle und Autoverkehr.

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  • 07.06.2016 um 9:59
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    In den letzten Wochen begegnet mir immer hĂ€ufiger die ‚Strom-Autobahn‘. Auch eine Art „A40 fĂŒr Strom“. Diese ist natĂŒrlich, wie die Rad-Autobahn, böse und schlecht. Verursacht LĂ€rm (sic!), verschandelt die Landschaft, erzeugt elektromagnetische Felder, emittiert Elektrosmog und ist natĂŒrlich Steuerverschwendung.
    Da Autobahn offensichtlich eine neue Bedeutung hat, sollte man in Zukunft konsequenterweise Auto-Autobahn sagen.

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