Radfahrer schwer verletzt: Polizei nimmt Perspektive der Autofahrerin ein

Am Samstag befuhr ein Dortmunder mit einem Kfz in LĂŒnen die Lanstroper Straße Richtung Preußenstraße. Ein LĂŒnener fuhr zur gleichen Zeit mit dem Rad entlang der Querstraße Richtung SĂŒden. Es kam im Kreuzungsbereich zu einem Zusammenstoß, der zu schweren Verletzungen bei dem LĂŒnener fĂŒhrten. Die Kreuzung liegt in einer Tempo 30-Zone; dem Anschein nach beachtete die Dortmunderin Vorfahrt des Radfahrers nicht.

Das mit der Tempo 30-Zone und Rechts-vor-Links musste ich aus dem Kopf ergÀnzen, denn in der Polizei-Meldung fehlten die Angaben. Dieses Foto aus meinem Archiv sollte die Fahrtrichtung der Dortmunderin zeigen.

(Foto: Norbert Paul)

Wer es weniger neutral mag, hier ist der O-Ton der Polizeidirektion Dortmund:

Am Samstag (5.Februar) ist ein 72-jĂ€hriger Fahrradfahrer von einem Auto erfasst und schwer verletzt worden. Ersten Erkenntnissen zufolge befuhr eine 55-jĂ€hrige Dortmunderin mit ihrem Auto die Lanstroper Straße in Richtung Preußenstraße. Gegen 13:00 Uhr ĂŒbersah sie im Kreuzungsbereich der Lanstroper Straße / Querstraße den fĂŒr sie von rechts kommenden 72-jĂ€hrigen Radfahrer. Es kam zum Zusammenstoß bei dem sich der 72-JĂ€hrige LĂŒnener schwer verletzte. Zur stationĂ€ren Behandlung wurde der Radfahrer ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.

Warum nimmt die Polizei auf dem Beifahrersitzplatz und schildert allein die (Selbstverteidigungs-)Sicht der Dortmunderin? Weil man das schon immer so falsch formuliert hat? Weil der Radfahrer im Rettungswagen war und dann im Krankenhaus? Oder beidem?

Update 08.02.2022 17:39

Und die Polizei hat es schon wieder getan und in einer Pressemitteilung kommt wieder nur die Sicht des Autofahrers vor.

Am Dienstagnachmittag (7. Februar) ist es an der Kreuzung „Am Remberg/ Lissaboner Allee“ in Dortmund-SchĂŒren zu einem Zusammenstoß zwischen einem FußgĂ€nger und einem Auto gekommen. Nach ersten Erkenntnissen ĂŒbersah der 59-jĂ€hrige Autofahrer aus Castrop-Rauxel beim Rechts-Abbiegen den 84-jĂ€hrigen Dortmunder. Er stand gegen 16.10 Uhr mit seinem Opel verkehrsbedingt auf der Lissaboner Allee und fuhr anschließend nach rechts auf die Straße Am Remberg, als er plötzlich einen Knall hörte und den FußgĂ€nger bemerkte. GlĂŒcklicherweise ereignete sich der Unfall bei Schrittgeschwindigkeit, dennoch wurde der Senior am Arm verletzt und durch RettungskrĂ€fte in ein Krankenhaus gebracht. FĂŒr die Dauer der Unfallaufnahme kam es zu minimalen VerkehrsbeeintrĂ€chtigungen.

UnerwĂ€hnt bleibt die Perspektive des FußgĂ€ngers und § 9 Absatz 3 Satz 3 StvO: „Auf zu Fuß Gehende ist besondere RĂŒcksicht zu nehmen; wenn nötig, ist zu warten.“ Wieder eine Chance fĂŒr AufklĂ€rung vertan.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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