Aufbruch Fahrrad Dortmund und Naturfreunde nehmen Einsicht in das Geheimgutachten der DEKRA zum Westfalenhallenweg

Bei der Diskussion um die Sperrung des Wegs an den Westfalenhallen spielte die Zusammenfassung des Gutachtens der DEKRA eine wichtige Rolle, in dem eine GefĂ€hrdung von Fuß- und Radverkehr durch ladende Lkw behauptet und die Sperrung als einzige Lösungsmöglichkeit vorgeschlagen wurde.

Das vollstĂ€ndige Originalgutachten wollte die Verwaltung geheim halten und niemandem zeigen, noch nicht einmal den Menschen im Rat, die letztlich die Entscheidung ĂŒber die Sperrung treffen mussten. Aufbruch Fahrrad Dortmund und Naturfreunde Kreuzviertel wollten Transparenz schaffen und haben versucht, das Informationsfreiheitsgesetz zu nutzen, um das Gutachten zu erhalten. Dreimal hat die Verwaltung unseren Antrag abgelehnt, dreimal haben wir nachgewiesen, dass die vorgebrachte BegrĂŒndung der Ablehnung nicht zutreffend war. Beim vierten Mal fielen der Verwaltung keine AusflĂŒchte mehr ein. Darum durften wir nun tun, was die Verwaltung dem fĂŒr die Entscheidung zustĂ€ndigen Rat verweigert hat: Wir konnten Einsicht in das DEKRA-“Gutachten“ zum Westfalenhallenweg nehmen.

Und nun fragen wir uns: Sollen wir lachen oder weinen? Das „Gutachten“ ist eine „arbeitssicherheitstechnische Stellungnahme“ und enthĂ€lt dĂŒrftige 2,5 Seiten Text und praktisch keine Substanz ĂŒber das bisher Bekannte hinaus. DafĂŒr disqualifiziert die Gutachterin der „DEKRA Automobil GmbH“ sich konsequent, indem sie in einer fachlichen Stellungnahme (!) ĂŒber „rĂŒcksichtslose FußgĂ€nger“ und „unbelehrbare Radfahrer“ fantasiert. Alternativen zu einer Sperrung wie Markierungen fĂŒr geordnetes Parken oder die Begrenzung der Anzahl gleichzeitig ladender Lkw wurden erst gar nicht geprĂŒft. Wegen der fehlenden NeutralitĂ€t und QualitĂ€t ist diese Stellungnahme völlig ungeeignet als Grundlage einer Entscheidung ĂŒber die Sperrung einer wichtigen Wegeverbindung. Aber zumindest wird nun verstĂ€ndlich, warum die Stadt die Veröffentlichung dieses Dokuments so hartnĂ€ckig verhindern wollte: Es ist einfach zu peinlich.

Eine Entscheidung auf dieser Grundlage kann keinen Bestand haben. Stattdessen muss eine neue Entscheidung auf Grundlage eines seriösen, unabhĂ€ngigen, neutralen und öffentlichen Gutachtens mit QualitĂ€t herbeigefĂŒhrt werden.

Besonders schön ist der Satz: „Unbelehrbare Fuß- und Radfahrer gefĂ€hrden nicht nur sich selbst, sondern auch teilweise die Mitarbeiter“. Fußfahrer? Dass Radfahrer suspekt sind, ist natĂŒrlich klar. Dass sie sich nie an Regeln halten und unbedingt Nummernschilder brauchen, haben unzĂ€hlige Stammtische bereits zweifelsfrei nachgewiesen. Aber Fußfahrer? Soll etwa der Fußverkehr durch diese kreative Formulierung in die NĂ€he von Radfahrern gerĂŒckt werden und damit ebenfalls verdĂ€chtig aussehen? Ist alles, was nicht Brumm-brumm macht, suspekt, liebe DEKRA Automobil GmbH?

Immerhin wurde in der „arbeitssicherheitstechnischen Stellungnahme“, die wir einsehen konnten, nur wenig geschwĂ€rzt. Nur zwei sehr kurze AbsĂ€tze und eine Grafik fielen der Zensur zum Opfer. Aber auch das SchwĂ€rzen will gelernt sein. Ein noch erkennbares schrĂ€ges Rechteck am rechten unteren Rand der „geschwĂ€rzten“ Grafik erinnert verdĂ€chtig an eine Grafik aus der Beschlussvorlage fĂŒr den Rat, wenn man diese um 90 Grad im Uhrzeigersinn dreht. Warum eine öffentliche Grafik geschwĂ€rzt wird, bleibt ein Geheimnis der Verwaltung. Vielleicht wollte sie am Ende wenigstens ein kleines StĂŒcken des Originalgutachtens, das sie so hartnĂ€ckig unter Verschluss halten wollte, tatsĂ€chlich „geheim“ halten.

Peter Fricke

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich fĂŒr Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel fĂŒr die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter.fricke, dann folgt das ĂŒbliche Zeichen fĂŒr E-Mails, und dann velocityruhr.net.