Wissenschaftler zu Kopenhagen

Im aktuellen Newsletter seines Fachgebietes schreibt der Dortmunder Mobilitätsforscher Christian Holz-Rau:

Im März haben wir uns […] die Radverkehrsinfrastruktur der Stadt Kopenhagen angeschaut, als Maßstab einer konsequenten Radverkehrsförderung, aber auch erschwerter Bedingungen für Fußgänger. Die Konsequenz der einheitlichen und komfortable Radverkehrsführung, die Vollständigkeit des Netzes, gute Sichtbeziehungen zwischen Kfz- und Radverkehr, kein Falschparken auf den Radwegen, fast keine Parkstände entlang der Hauptverkehrsstraßen und keine Radweverkehrsführungen in Mittellage. […] Trotzdem ist auch Kopenhagen bei Weitem nicht autofrei. Und die Fußwege entlang der Hauptverkehrsstraßen sind für hiesige Verhältnisse, die wir wahrlich nicht für ein Fußgängerparadies halten, schmal. Straßenbäume sind selten.

Damit bestätigt er meine Marginalie zur Radförderdebatte, dass man die negativen Auswirkungen auf den Fußverkehr bei der Schaffung von getrennter Radinfrastruktur ebenso wie den weitesgehenden Verzicht auf Straßenbäume nicht unter den Tisch kehren darf.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

3 Gedanken zu „Wissenschaftler zu Kopenhagen

  • 13.08.2019 um 1:17
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    Verkehrsarten hängen immer zusammen.
    Auch in DK sollten wir heutzutage vertärkt auf den klimaschädlichen Autoverkehr achten, und das gute Zusammenspiel der Umweltverbundverkehsmittel, statt nur wieder und wieder das stereotype Radwegmarketing wiederzukauen, wie z.B. hier:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/zehn-ideen-fuer-einen-besseren-radverkehr-was-sich-deutsche-staedte-von-kopenhagen-abschauen-koennen/24273930.html
    Das ist ja nicht alles schlecht, und in der Tat lässt sich das ein oder andere auf andere Städte übertragen. Das taugt aber keinesfalls als zukunftstaugliches ‚Rezept‘ als welches uns das seit Jahren von den Radwege Marketing Agenturen verkauft wird.
    Die von der Radwegeszene komplett ignorierte empirische Realität sieht ein wenig anders aus:
    https://www.nordschleswiger.dk/de/daenemark-gesellschaft/rasantes-wachstum-beim-strassenverkehr
    Siehts in der Region Kopenhagen besser aus?
    Zitat:
    „Die am stärksten belasteten Straßen liegen in Dänemark im Bereich der Ballungsgebiete Kopenhagen und Aarhus, wo die Zahl der Autos in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen hat.“
    aus:
    https://www.nordschleswiger.dk/de/nordschleswig-daenemark-wirtschaft/deutsch-daenische-grenze-mehr-verkehr

    Es wird dringend Zeit, dass die Umweltbewegung und die an einer tatsächlich ökologischen Verkehrswende Interessierten realisieren, dass der berüchtigte „Radverkehrsanteil“ oder womöglich (wie in Kopenhagen) der „Radverkehrsanteil in der Innenstadt“ ein völlig ungeeigneter Messwert ist.
    Was wir stattdessen fragen müssen:
    „führt das zu weniger Autoverkehr im Gesamtverkehr?“ !

    Ansonsten kriegen wir (lets go dutch) den fatalen Dreiklang von Radwegebau, immer teureren Innenstädten und weiterhin stark steigendem Autoverkehr.

    Wir können ja ruhig schaun, was in NL und DK übernehmenswert ist, die zentrale Frage muss aber lauten:
    WAS MACHEN DIE FALSCH?

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    • 13.08.2019 um 10:15
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      Häufig wird auch nur der Berufsverkehr beim Modal Split betrachtet – ich meine, auch bei Kopenhagen ist meist die Rede davon das X % mit dem Rad zur Arbeit fahren. Damit klammert man den ganzen zunehmenden Wirtschaftsverkehr aus. Da regt man sich dann doch lieber bei Twitter über DHL-Laster auf Radwegen auf. Aber: Jeder DHL-Laster kann gerade einem Radaktivisten die in der Online-Druckerei bestellten Flyer, die im Online-Handel bestellten Ersatzteile liefern. Online-Handel ist toll, wenn es um Nischen-Produkte geht, von denen vor Ort kein Händler leben kann oder wenn es darum geht, gebrauchtes los zu werden. Aber mehr Radverkehr braucht eine lokal vorhandene Einzelhandelsstruktur. Wer alles beim Rose bestellt, trägt zu Wirtschaftsstrukturen bei, die viel Autoverkehr bedeuten. Zurück zum Thema. Es wird immer so getan, als wäre alles gut, wenn nur alle den Umweltverbund nutzen. Alles was über barfuß auf natürlichen Untergrund hinausgeht, hat negative ökologische Auswirkungen. Einfach mal drüber nachdenken, was das für Materialschlachten sind, wenn alle 20 bis 30 Jahre die hoch ausgelasteten Eisenbahnstrecken grunderneuert werden mit hohem Energieaufwand.

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    • 13.08.2019 um 10:47
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      Die ADFC-treue Zeit-Online-Kolumnisten singt heute wieder das Lied, dass einst in den Nachkriegsjahrzehnten autofokussierte Männer der Mittel- und Oberschicht sangen: Mit Ausbau der Infrastruktur lösen wir alle Probleme – lasst die Ingenieure nur mal machen. Sie ersetzt nur Autoverkehr durch Radverkehr.

      https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-08/bicycle-architecture-biennale-radfahren-ausstellung-fahrradarchitektur/komplettansicht

      Das Ergebnis der Visionen von damals kann man um uns herum besichtigen.

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