Gefährdungsstreifen trotz Protesten markiert

Vor drei Jahren haben wir hier über die Proteste gegen einen geplanten Schutzstreifen auf der De-la-Chevallerie-Straße in Gelsenkirchen-Buer berichtet und zur Demonstration gegen die Pläne aufgerufen.

Geplant war ein 1,5 m schmaler Schutzstreifen neben einer 5 m breiten Kernfahrbahn für den übrigen Verkehr, auf dem die Pkw nebeneinander fahren sollten. Eigentlich sollte jedem klar sein, dass so eine Markierung zu einer massiven Unterschreitung der nötigen Überholabstände zu Radfahrenden von 1,5 m bis 2 m führt.

Das Ganze erinnerte an die Fehlplanung in der Dortmunder Faßstraße. Nur noch etwas schlimmer, denn in Dortmund sollte immerhin ein 1,85 m schmaler Radfahrstreifen und kein 1,5 m schmaler Schutzstreifen markiert werden und außerdem Tempo 30 gelten. Weil auch das nicht funktionierte, muss in Dortmund nachgebessert werden.

Die Stadt Gelsenkirchen hat sich von den Protesten und den Erfahrungen aus Dortmund nicht beirren lassen und den schmalen Streifen jetzt wirklich markiert.

Schlimmer geht immer: Aufforderung an Pkw-Fahrende, alle Sicherheitsabstände beim Überholen auf das Gröbste zu missachten


Nach dem Motto „schlimmer geht immer“ hat sie aber zusätzlich noch ein Schild aufgestellt, das quasi eine Aufforderung an Pkw-Fahrende darstellt, alle Sicherheitsabstände beim Überholen von Radfahrenden auf das Gröbste zu missachten. Im Film des WDR ist das deutlich zu erkennen.

Fehlender Mut den Autos Platz wegzunehmen

„Hat lange gedauert und ist trotzdem nicht so richtig gut geworden,“ meint Maja Tölke, Vorsitzende des ADFC Gelsenkirchen dazu. „Ich hoffe, dass die farbliche Markierung ein paar Menschen ermutigt den kurzen Weg durch Buer zu nehmen. Den Versuch Platz fürs Rad zu schaffen erkenne ich an, sicher und komfortabel ist es nicht geworden. Leider war (wie so oft) nicht der Mut da den Autos gleich eine ganze Fahrspur zu nehmen. Der Schutzstreifen ist also schmal, es ist eine überbreite Fahrspur für Autos geblieben, so dass Konflikte mit mangelndem Mindestabstand vorprogrammiert sind.“

Und noch weitere Probleme benennt die ADFC-Vorsitzende: „In der Cranger Straße und der Königswiese endet der Schutzstreifen auf Höhe des rechts beginnenden gemeinsamen Geh- und Radweges, ohne dass durch die Markierung eine Überleitung von Schutzstreifen auf Radweg vorhanden wäre. Abgesehen davon ist der gemeinsame Geh- und Radweg buckelig.“

Akrobatik beim Linksabbiegen

Akrobatik ist beim Linksabbiegen gefragt: „Besonders schlecht sind die zu kleinen Aufstellflächen vor der Geradeausspur und der Linksabbieger*innenspur“, so Tölke. „Ich habe keine Möglichkeit vor den Autos auf die Aufstellflächen zu fahren. Das heißt ich fahre auf dem Schutzstreifen rechts bis nach vorne, bleibe bei rot kurz stehen, und hebe dann mein Fahrrad an, um es nach links auf die Aufstellfläche zu bringen, so dass ich links abbiegen kann.“

Immerhin gibt es Hoffnung, denn der schmale Streifen soll nur eine Übergangslösung sein. Irgendwann soll aus dem schmalen Streifen ein richtiger Radfahrstreifen werden: „Es ist vorgesehen für den Autoverkehr von der jetzigen überbreiten Fahrspur auf eine Fahrspur zu verkleinern. In Zukunft. Dazu soll der Autoverkehr stärker auf den sog. Ring verlagert werden, so dass weniger Autos auf der De-la-Chevallerie-Straße fahren.“

Wer wird denn kleinlich sein? Was in der Faßstraße in Dortmund nicht funktioniert, klappt auch in Gelsenkirchen nicht. (Foto: Peter)

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.

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