Mehr Visionen und weniger Ärzte!

Ein Audimax für Aufbruch Fahrrad (Foto: Mara)

Um 20 Uhr sollte der Poetry-Slam im Audimax der TU Dortmund beginnen. Eigentlich sollten wir zu Beginn der Veranstaltung kurz die Bühne bekommen, um vor 700 Zuschauern Aufbruch Fahrrad zu erklären und dann die Unterschriftenbögen durch die Reihen zu lassen. Alles war vorbereitet: 114 Päckchen mit je 10 Unterschriftenbögen und einem angebundenen Stift, um alles blitzschnell abwickeln zu können, und dazu über 700 mintgrüne Infopostkarten über Aufbruch Fahrrad.

Aber wegen einigem Hin und Her im Vorfeld waren wir um 19.20 Uhr immer noch nicht ganz sicher, ob es mit der Bühne auch wirklich klappen würde.

Erst beim Treffen mit Jason und Chris von WortLautRuhr war endgültig klar: klappt. Ganz entspannt.

Ein wenig erleichtert waren wir schon.

Dann lief alles rund: Lukas hat Aufbruch Fahrrad mit einem tollen Text im Stil des Abends erklärt und es entstanden schöne Fotos. Es gab einen dicken Stapel Unterschriften ganz ohne kalte Füße und eingefrorene Finger und die Schnüre der Stifte verhedderten sich erst nach dem Ende der Aktion hoffnungslos.

Und so waren am Ende alle zufrieden.
Max hatte vier Stunden lang Stifte an Klemmbretter geknotet und fand: „Dafür hat es sich gelohnt“.
Sven findet es fantastisch wie es gerade in Dortmund läuft und will schon den Einsatz beim nächsten Poetry-Slam planen. Und Mariana vom Kulturteam des AStA konnte die Aufbruch-Fahrrad-Leute ganz leicht erkennen. Weil sie alle so strahlten.

Vielen Dank an den AStA und WortLautRuhr für die Unterstützung!

Lukas fordert mehr Visionen und weniger Ärzte. (Foto: Daniel Tiessen)

Die Ansage von Lukas Michel

Auch wenn es den Anschein haben mag, dies ist kein Slam-Beitrag. Ich, wir werben hier nur für eine Sache, die uns am Herzen liegt… wir machen idealistische Werbung – für schönere Städte.

Wir sind es alle gewohnt, dass Straßen überfüllt sind und haben früh gelernt, dass wir sie lieber nicht betreten sollten, wenn uns unser Leben lieb ist.

Wenn du zu Fuß gehst oder Rad fährst, hast du keinen Platz – und mit dem Auto keinen Parkplatz. Busse und Bahnen sind keine verlässlichen Partner im Alltag, dafür aber maßlos überteuert – auch wenn unser Semesterticket uns das hier nicht spüren lässt. Aber einmal Münster und zurück in der Eurobahn kosten 27 Euro und es läuft alles irgendwie darauf hinaus, dass keine Alternative die angenehmere ist.

Was also tun? Wo ist der Fehler?

Helmut Schmidt, ein stilvoller Kettenraucher, als diese Kombination noch möglich war, hat einmal erklärt, wer Visionen habe, der solle zum Arzt gehen.

Das ist Bullshit.

Wir brauchen mehr Visionen und weniger Ärzte!

Wir brauchen Visionen, damit wir Lust auf die Zukunft bekommen. Damit wir nicht warten wollen, bis morgen ist. Damit morgen alles besser wird und nicht früher alles besser war. Wir brauchen Utopien, um darüber
nachzudenken, wie wir in 10, 20 oder 50 Jahren einmal leben wollen. Denn das ist das Ding: Wir haben die Wahl. In einem gewissen Maße können wir – als junge Menschen – entscheiden, wie diese Welt in Zukunft aussehen soll.

Wir können weitermachen wie bisher. Uns mit dem Geld, dass unser hoffentlich gutbezahlter Job in ein paar Jahren einmal abwerfen wird, ein Auto kaufen und selbst die Straßen verstopfen und zuparken.

Wir können aber auch dafür sorgen, dass die Dinge sich verändern! Und zwar so, wie wir das für richtig halten.

Der Name Aufbruch Fahrrad beschreibt die Idee, dass wir alle davon profitieren werden, wenn mehr für den Radverkehr getan wird.

Mehr Fahrräder fahren schneller auf besseren Radwegen und nehmen dabei weniger Fläche weg. Die Straßen sind auf einmal wieder groß genug und die Luft spürbar sauberer. Der Grund, weshalb wir Auto fahren, besteht oft nur darin, dass es keine vernünftige Alternative gibt.

Mit dieser Unterschriftensammlung fordern wir den Landtag NRWs dazu auf, solche Alternativen zu schaffen.

… wenn ihr jetzt eure Unterschrift auf diesen Zettel setzt, unterstützt ihr eine Vision. Eine, von der wir und tausende andere Menschen glauben, dass sie unser aller Leben besser machen kann.

Und das nicht, weil wir nur Kampfradler sind, die ohne Hindernis heizen wollen, sondern weil wir der Meinung sind, dass wirklich alle Menschen im Straßenverkehr Platz finden sollten.

Vielen Dank.

Fotos

(Foto: Daniel Tiessen)
Mara, Lukas, Sven, Sebastian, Max und Maria waren für Aufbruch Fahrrad dabei.(Foto: Daniel Tiessen)
Beute sichten. Über die Schnüre für die Stifte müssen wir nochmal nachdenken. (Foto: Peter)
Fette Beute. (Foto: Peter)
(Foto: Daniel Tiessen)
1140 Unterschriftenbögen, 130 Stifte und über 700 Postkarten: kein Problem dank Rudi. (Foto: Max)

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.

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