3D-Zebrastreifen: Weder sinnvoll noch zulässig

Seit ein paar Monaten geistern Bilder von einem 3D-Zebrastreifen durch das Internet und werden positiv aufgegriffen. Künstlerisch ist das sicherlich eine nette Idee für außerhalb des Straßenraums, nur blieb für mich immer unklar, was die Begeisterung rechtfertigt. Wie lange sieht man graue Farbe auf grauem Boden? Wie wirkt das aus anderen Richtungen? Wie wirkt das im Regen oder bei Dunkelheit?Es drängten sich viele Fragen auf, spätestens wenn einem auffällt, dass immer die gleiche Perspektive bei Sonnenschein gezeigt wird.

In einem Artikel erläutert Uli Korsch nun, warum nicht nur rechtlich, sondern auch technisch vieles gegen die 3D-Zebrastreifen spricht. Er hat auch Bilder aus verschiedenen Perspektiven veröffentlicht, die zeigen, wie uneindeutig die Markierung aus vielen Richtungen aussieht.

Grundsätzlich entspricht ein 3D-Zebrastreifen nicht der StVO und ist folglich nicht anordnungsfähig. Sein Einsatz kann haftungsrechtlich Folgen haben, da es sich genau genommen nicht um ein amtliches Verkehrszeichen handelt. Zudem ist eine derartige Abwandlung gemäß §33 Absatz 2 StVO sogar verboten. […] Lässt man die Paragraphenreiterei weg, so ist ein 3D-Fußgängerüberweg grundsätzlich nur für eine Fahrtrichtung wirksam und sollte daher nicht auf Fahrbahnen mit Gegenverkehr eingesetzt werden. Wenn man ihn an einer geeigneten Stelle einsetzt, dann ist der Fixpunkt für die 3D-Ansicht sorgsam zu wählen und insbesondere auf die Position des Fahrzeugführers abzustimmen.

Wenn man das Problem noch ein bisschen weiter denkt, erkennt man, dass dann der 3D-Effekt für Lenker*innen eines Kfz deutlich besser zu erkenne ist als z. B. für Radfahrer*innen. Diese sehen aufgrund des Rechtsfahrgebots keine 3D-Zebrastreifen sondern etwas Unförmiges. Auch wenn geübte Radfahrer*innen Erfahrung  im Umgang mit fragwürdiger Markierung haben, spricht das nicht für eine Verfestigung dieser Praxis.

Daher hat die hier regelmäßig kritisierte Dortmunder Straßenverkehrsbehörde vollkommen zu Recht 3D-Zebrastreifen abgelehnt, da das zuständige Ministerium in Berlin diese Markierung längst als unzulässig qualifiziert hat. Straßenverkehrsbehörden, die soetwas zulassen, sind also nicht innovativ, sondern schlicht rechtlich nicht informiert.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

2 Gedanken zu „3D-Zebrastreifen: Weder sinnvoll noch zulässig

  • 11.05.2018 um 5:54
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    Danke für den Beitrag. Ich hatte bisher immer bei den Bildern dieses 3D-Zebrastreifens und des daraus resultierenden Jubels Bauchgrimmen. Jetzt weiß ich wieso.

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  • 11.05.2018 um 15:13
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    Ich finde es noch immer erschreckend, wie schnell sich diese Schnappsidee vom 3D-Zebrastreifen verbreitet hat. Hier in Wuppertal gab es auch schon zahlreiche Anträge an bestimmten Stellen im Stadtgebiet diese unzulässige Bodenbemalung umzusetzen.

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