Unnötige Umlaufschranke am Friedrich-Henkel-Weg bleibt II – So skurril denkt die Stadtverwaltung wirklich

Vorgestern habe ich hier am Beispiel der Grünanlage am Friedrich-Henkel-Weg berichtet, wie wenig offen die Stadt Dortmund für Belange des Radverkehrs ist und wie schwierig es ist, Verschlechterungen rückgängig zu machen, die ohne Notwendigkeit geschaffen werden. Wie in Dortmund üblich, muss man da weiter dran bleiben. Daher werfen wir nun einen Blick auf die zugehörige Infotafel.

(Foto: Norbert Paul)

Die Gerätschaften richten sich, wie man sieht, an Erwachsende.

Gerät ist für Personen ab 14 Jahre vorgesehen. Benutzung durch Kinder nur unter Aufsicht von Erwachsenen.

Wir erinnern uns an die Begründung der Stadtverwaltung:

Der gesamte Bereich ist mit Erlebniselementen für Kinder ausgestattet und die Umlaufschranken wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit angebracht, um das direkte Betreten der Fahrbahn zu verhindern.

Die Stadt Dortmund meint also allen Ernstes, dass von Erwachsenen beaufsichtigte Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren durch Umlaufsperren vom Betreten einer wenig befahrenen Tempo-30-Zonen-Anlieger-Straße ohne Durchgangsverkehr geschützt werden müssen.

Wenn nun unsere Jugendlichen Richtung Straße stürmen, nehmen sie sicherlich den direktesten Weg. auch da kann man problemlos an den Umlaufsperren vorbei laufen, wenn man es eilig hat.

(Foto: Norbert Paul)

Im Geoportal der Stadt Dortmund gemessen, sind das etwa 70 Meter. Natürlich können unsere beaufsichtigten Jugendlichen auch so laufen, wie die Stadt sich das so denkt.

(Foto: Norbert Paul)

Der offizielle Ausgang aus der Grünanlage, um den es hier geht, ist von hier so gut zu sehen, dass unsere Jugendlichen gar nicht auf die Idee kommen können, schräg über die Wiese zu laufen, wenn sie in die Richtung möchten. Das machen Kinder und Jugendliche ja bekanntlich nie.

(Foto: Norbert Paul)

In der Welt der Stadtverwaltung laufen unsere Protagonisten erst einmal bis zum Punkt 1 am Rastplatz und dann wieder leicht zurück bis Punkt 2 um den es hier geht. Das sind etwa 440 Meter. Die direkte Luftlinie ist etwa 230 Meter, also etwa halb so lang. Wie schrecklich unattraktiv das doch ist im Vergleich zum staubigen offiziellen Weg.

#ZumKopfschütteln

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

8 Gedanken zu „Unnötige Umlaufschranke am Friedrich-Henkel-Weg bleibt II – So skurril denkt die Stadtverwaltung wirklich

  • 06.05.2018 um 22:23
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    Bei der Stadtverwaltung geht es wahrscheinlich garnicht um die fehlende Einsicht eines offensichtlichen Planungsfehlers! Das wir man da schon festgestellt haben und auch so sehen. Das Problem ist, das wurde so geplant, genehmigt, die Geldmittel sind an den Errichtet gefloßen, die Bauleistung wurde von der Stadtverwaltung abgenommen. Eine Änderung würde somit Geld kosten, und brächte jenen der das genehmigt und abgenommen hat in Erklärungsnot. Deshalb besser solange wie möglich aussitzen.

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    • 06.05.2018 um 22:39
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      Dann könnte man in Aussicht stellen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Macht man aber nicht.

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  • 07.05.2018 um 21:32
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    Vielleicht müsste der Nahmobilitäts Beirat der Stadtverwaltung Standards hinsichtlich der Radverkehrsplanung abverlangen, ein Konzept zur Nahverkehrswende mit groben Maßnahmenkatalog und Priorisierung, Investitions Abschätzung in die Radverkehrsinfrastruktur bis 2022 abverlangen mit den geplanten Maßnahmen. Gibt es ein solches Konzept oder solche Forderungen in den Sitzungsprotokollen des Nahmobilitäts Beirats im RIS?

    Antwort
    • 07.05.2018 um 22:23
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      Der Beirat ist nicht öffentlich, daher sind die Protokolle nicht öffentlich einsehbar. Über ein IFG-Antrag sollte man m. E. aber an Protokolle mit geschwärzten Namen kommen. Das kann aber ein paar Euro kosten, wenn die Stadt dafür Stunden braucht.

      Um dir ein Bild zu machen, kannst du dir natürlich auch angucken, was der Rat z. B. auf Empfehlung des Beirates beschlossen hat (um es abzukürzen: nix) oder was über durch Öffentlichkeitsarbeit bekannt wurde. Das war bisher bei einem Thema der Fall und das Ergebnis ist Leser*innen dieser Seite bekannt.

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  • 09.05.2018 um 19:54
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    Aber warum gibt es im RIS die Protokolle des Seniorenbeirats, Integrationsbeirat oder des Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde? Nur der Nahmobilitätsbeirat ist nicht zu finden. Den Bürger mit dem hohen Nahmobilätsanteil interessieren doch ggf. die Arbeit oder Arbeitsverweigerung der Mitglieder des Beirats.

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    • 10.05.2018 um 3:17
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      Soweit ich das verstanden habe, hat es damit zu tun, dass die anderen Beiräte gesetzliche Pflichten entspringen. Die sind entsprechend in den Geschäftsordnungen genannt, die man im Ortsrecht abrufen kann. Ich sehe auch die Geschäftsordnung des Gestaltungsbeirates dort gerade nicht. Damit erfüllen die ja auch keine gesetzliche Pflicht zur Beteiligung. Meine Bitte, die Geschäftsordnung, es bleibt ja trotzdem ein formeller Ausschuss der Stadt, ins Ortsrecht aufzunehmen bleibt einfach unbeantwortet. Vielleicht magst du dich an Ausschuss für Bürgerdienste, öffentliche Ordnung, Anregungen und Beschwerden wenden?

      Damit man offenen reden kann, ist der Nahmobilitätsbeirat halt nicht öffentlich, so die Idee der Stadt.

      Nur so viel: Die Redeanteile sind sehr unterschiedlich und der Vertreter der Partei, die alles besser machen möchte und die gerne über faule Politiker schimpft, bekommt man nicht zu Gesicht. Wenn das so mancher Wähler erfahren würde, würde er blaues Wunder erleben.

      Mir jetzt Arbeitsverweigerung zu unterstellen …

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  • 10.05.2018 um 7:16
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    Persönlich möchte ich dies niemandem unterstellen, jedoch wenn es keine Ergebnisse/Ratsempfehlungen gibt oder diese nicht kommuniziert werden muss man zumindest die Sinnhaftigkeit dieses Beirat in frage stellen.

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    • 10.05.2018 um 17:34
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      Wenn nicht der OB höchstpersönlich das verhindert hätte, gäbe es inzwischen ein Ergebnis in der Form eines Pilotversuchs, dass Parken zu überdenken in den Innenstadtvierteln. An das Thema ran zu gehen, ist zwingend notwendig, um die Situation für den Fußverkehr zu verbessern.

      Also ich stecke – geschätzt – 1 bis 2 Stunden in die Arbeit für den Beirat. Unentgeldlich. Dazu gehören die Sitzungen, die Vorbereitungen innerhalb von FUSS, die Abstimmungen mit anderen Mitgliedern z. B. dem Vertreter von VeloCityRuhr.

      Antwort

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