19 % Umweg in Bochum

Die Wittener Straße in Bochum ist noch nicht fĂŒr Radfahrer*innen aller Typen fit gemacht sondern noch sehr autoaffin gestaltet. Daher soll man ein TeilstĂŒck umfahren, wenn man der vorhandenen bzw. geplanten Wegweisung folgt. Beide Alternativen sind etwa 19 % lĂ€nger als die direkte FĂŒhrung, wie die Verwaltung in einer Stellungnahme schreibt. Das hĂ€tte noch ein bisschen expliziter herausgestellt werden können, finde ich, damit es der Politik leichter fĂ€llt den richtigen Schluss zu ziehen und die Wittener Straße aufzuwerten fĂŒr den Radverkehr. Aber das soll nicht darĂŒber hinweg tĂ€uschen, dass die Verwaltung das ĂŒberhaupt erfasst hat und es der Politik mitteilt. Knapp 20 % Umweg sind nur akzeptabel, wenn wegfallende Wartezeiten an Ampeln das kompensieren und die Höhenmeter nicht mehr werden. Mit Umfahrungen löst man aber nicht die mangelhafte Erreichbarkeit von Zielen entlang der Wittener Straße.

(Abbildung: Stadt Bochum)

Im Ausschuss fĂŒr Infrastruktur und MobilitĂ€t der Stadt Bochum am 11. 07. gab es weitere Themen mit Bezug zum Radverkehr.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

2 Gedanken zu „19 % Umweg in Bochum

  • 17.07.2017 um 0:20
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    FĂŒhrungen ĂŒber Nebenstraßen & Co können immer nur eine sehr wichtige ErgĂ€nzung, aber nie Ersatz fĂŒr fahrradtaugliche Hauptstraßen sein. An den Hauptstraßen liegen Quellen und Ziele des Radverkehrs, sie vereinfachen die Orientierung (die NRW-Beschilderung mit ihrem Schnitzeljagdcharakter ist kein gleichwertiger Ersatz – Bochum mit seinen riesigen BeschilderungslĂŒcken zeigt deutlich, warum), sie sind meist direkter und bieten ein wesentlich höheres Maß an sozialer Sicherheit als Nebenstraßen, anbaufreie Bereiche (wie auf der Nordroute: Felder und Friedhof) oder eigenstĂ€ndige gefĂŒhrte Radwege (mehr zur sozialen Sicherheit hier und hier).

    Besonders Ă€rgerlich ist die Weigerung der Stadt Bochum, die Wittener Straße zu zivilisieren, wenn man den weiteren Verlauf Richtung Innenstadt ansieht: Nachdem man zunĂ€chst die 90 oder 95% der Radfahrenden vertrieben hat, die nicht auf stark befahrenen, vierstreifigen Straßen radeln wollen, versucht man die verbliebenen Reste mit einer völlig unhaltbaren Gehwegbenutzungspflicht auch noch zu verjagen. Ein völlig inkonsistente Haltung: Über Kilometer hĂ€lt man Radinfrastruktur fĂŒr verzichtbar, aber wenn an einer Stelle zufĂ€llig schon ein unbenutzbares StĂŒck vorhanden ist, hĂ€lt man es plötzlich fĂŒr so wichtig, dass eine Benutzungspflicht angeordnet wird.

    Hintergrund ist natĂŒrlich, dass man meint, wegen der Benutzungspflicht die RĂ€umzeiten der Ampel am Lohring nicht fĂŒr den Radverkehr Ă€ndern zu mĂŒssen. Das ist aber gleich doppelt falsch. Nicht die RĂ€umzeit, sondern nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko kann eine Benutzungspflicht rechtfertigen.

    Und die RĂ€umzeiten mĂŒssen den Radverkehr ohnehin berĂŒcksichtigen. Denn erstens muss immer mit Nutzern zweispuriger FahrrĂ€der gerechnet werden, deren Fahrbahnbenutzung in solchen FĂ€llen laut Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO: Rn. 23 zu §2 StVO) nicht beanstandet werden soll (und ich weiß aus sicherer Quelle, dass davon an dieser Stelle rege Gebrauch gemacht wird). Und zweitens mĂŒssen auch die Nutzer von einspurigen FahrrĂ€dern dort regelmĂ€ĂŸig auf die Fahrbahn ausweichen, weil die Kontrolle von Falschparkern in Bochum so ist, wie sie in Bochum eben ist.

    Die Stadt Bochum verweigert an der abgebildeten Stelle mit dem Ampelmast die Aufhebung der (erkennbar rechtswidrigen) Benutzungspflicht. Die BegrĂŒndung lĂ€ĂŸt Zweifel aufkommen, ob sich in Bochum irgend etwas geĂ€ndert hat: Eine geĂ€nderte FĂŒhrung des Radverkehrs sei nicht erforderlich, weil an der Engstelle an der Ampel bisher keine AuffĂ€lligkeiten festgestellt worden seien.

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    • 17.07.2017 um 1:20
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      Nur kurz weiterfĂŒhrend: Wo ist denn der Gehweg hin bei der Ampel? (Von der Kombination mit dem Ausgang eines Hauses reden wir besser mal gar nicht.) Und wo ist die klare visuelle und haptische Trennung von Geh- und Radweg auf dem Abschnitt, den das zweite Bild zeigt? Selbst wenn die Voraussetzungen fĂŒr eine Benutzungspflicht gegeben sind, fehlt es an einem Radweg, der hinreichend qualifiziert ist fĂŒr eine Benutzungspflicht.

      Eine geĂ€nderte FĂŒhrung des Radverkehrs sei nicht erforderlich, weil an der Engstelle an der Ampel bisher keine AuffĂ€lligkeiten festgestellt worden seien.

      Eine Logik, die wir von der dortmunder Verwaltung kennen.

      Antwort

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