Bochumer Politik findet Radverkehrsnetz nicht so wichtig

Das Adjektiv fahrradfreundlich haben inzwischen wohl die meisten Politiker*innen gerne vor dem Stadtnamen. Im Gegensatz dazu fehlt es hĂ€ufig an der Bereitschaft, auch die Grundlagen dafĂŒr zu schaffen, dass das Adjektiv berechtigt ist. Auch wenn man bei der FDP traditionell eher Radverkehrs-Bashing erwartet, hat die bochumer Fraktion FDP/Die Stadtgestalter einen gut ausgearbeiteten Antrag eingebracht, der die Einrichtung von  Rad-Vorrang-Routen forderte, die alle Siedlungsbereiche primĂ€r mit der Innenstadt und den bereits vorhandenen ĂŒberregionalen Radwegen vernetzen sowie auch an Verkehre zwischen den Stadtteilen und den Nachbarkommunen ausgerichtet werden. Man hat sogar an eine Evaluation gedacht.

Die Einrichtung des Rad-Vorrang-Netzes wird im Verlauf wissenschaftlich begleitet, um die Auswirkungen auf die Anzahl der Radfahrer und die Sicherheit des Radverkehrs nachvollziehen zu können.

Der Antrag ist realistisch und der Situation in Bochum angemessen und weit weg von Maximalforderungen. Mit der BegrĂŒndung, es gĂ€be schon genug Aufgaben fĂŒr die Verwaltung, lehnte die Mehrheit den Antrag ab, obwohl das Anliegen ansich von allen gut befunden wurde. So viel zum Stellenwert des Radverkehrs in der Bochumer Politik. Genau so ein Konzept gehört aber zu den Schritten, die nötig wĂ€ren, um das GefĂ€ĂŸ „fahrradfreundlich“ mit Inhalt zu fĂŒllen.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

6 Gedanken zu „Bochumer Politik findet Radverkehrsnetz nicht so wichtig

  • 19.07.2017 um 21:26
    Permalink

    Nein. Völlig falsch. Ein Radverkehrskonzept braucht Bochum und darin werden auch wichtige LĂŒckenschlĂŒsse enthalten sein und steht auch im Koalitionsvertrag. Das letzte ist von 1999. Das werden wir auch in Angriff nehmen in der zweiten JahreshĂ€lfte. Ihr habt keine Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes beantragt, sondern was ganz anderes. Ihr wolltet die Entwicklung von Radvorrangstraßen. DafĂŒr ist schlicht kein Personal da. Das mĂŒsste dann an abgezogen werden von den Masnahmenplanungen der Maßnahmen der AGFS Bewerbung etc.

    Niemand hat gesagt es sei „nicht so wichtig“ sondern das keine KapazitĂ€ten dafĂŒr derzeit da sind. Die SPD (!) hat in Person von Simone Gottschlich sogar betont das man das ganze in 2 Jahren nochmal beraten sollte, wenn vielleicht mehr Personalressourcen dafĂŒr frei sind. Wie wichtig uns LĂŒckenschlĂŒsse sind kann man derzeit an zwei Anfragen zum Radverkehr in Wattenscheid und Mitte sehen.

    Wie viel Stellenwert Radverkehr in meiner Verkehrspolitik gebießt kann man daran sehen, dass ich wohl von allen Ratsmitglieder die meißten Radkilometer in Bochum im Jahr zurĂŒcklege und stĂ€ndig den Ausbau neuer Radwege fordere und auch durch entsprechende BeschlĂŒsse manifestiere. Die GrĂŒnen in Bochum sind die Radfahrerpartei. Da werden auch ein paar Nebelkerzen der Stadtgestalter und FDP nichts Ă€ndern. Übrigens war es Dennis Rademacher der am lĂ€ngsten und energischten gegen den RS1 im Verkehrsausschuss wetterte. Radverkehrsnetz ja, aber Radschnellweg einmal quer durch die Stadt nein?

    Ernsthaft. Eine seriöse Oppositionspartei hÀtte die Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes von 1999 beantragt anstatt ein ganz neues Fass aufzumachen. Ein paar Beispiele ais Freiburg gepaart mit einem kopierten Websitetext aus Aachen machen noch keine seriöse Radverkehrspolitik!

    Lg aus der Sommerpause.

    Antwort
    • 19.07.2017 um 22:43
      Permalink

      Niemand hat gesagt es sei „nicht so wichtig“ sondern das keine KapazitĂ€ten dafĂŒr derzeit da sind. Die SPD (!) hat in Person von Simone Gottschlich sogar betont das man das ganze in 2 Jahren nochmal beraten sollte, wenn vielleicht mehr Personalressourcen dafĂŒr frei sind.

      Danke fĂŒr die ErgĂ€nzung.

      Auch wenn ich jetzt nicht „ihr“ (=BĂŒrgerliste/FDP) bin 


      Ihr wolltet die Entwicklung von Radvorrangstraßen. DafĂŒr ist schlicht kein Personal da. Das mĂŒsste dann an abgezogen werden von den Masnahmenplanungen der Maßnahmen der AGFS Bewerbung etc.

      Wenn schon fĂŒr Fahrradstraßen (?) kein Geld hat 
 dann wird das nichts, mit einem brauchbaren Radverkehrsnetz. Auch das obere Zitat zeigt doch, dass Radverkehr jetzt nicht den höchsten Stellwert hat fĂŒr die Mehrheit, wenn man das mindestens 2 Jahre schieben will.

      Antwort
  • 20.07.2017 um 15:12
    Permalink

    Der Stellenwert den umweltfreundliche Verkehr in der GrĂŒnen Fraktion in Bochum hat ist leider denkbar gering. Entsprechend fehlt es an Willem wie an RĂŒckgrat die eigenen Positionen ggĂŒ. dem Koalitionspartner durchzusetzen.

    Der bestehende Radverkehrsplan datiert von 1999. Der ist so alt, der ist keine Basis mehr.

    Die Fortschreibung ist 1999 eigentlich bereits mit beschlossen worden. Jedes Jahr sollte darĂŒber berichtet werden Der Radverkehr hat aber Rot-GrĂŒn nie wirklich interessiert. Entsprechend hat nichtmal einer nachgefragt, was aus dem geworden ist… .

    Wenn man dafĂŒr keine KapazitĂ€ten bereit stellen wollte und will, dann ist es nicht wichtig und offenbar anderes wichtiger. Offenbar gibt es seit 1999 keine KapazitĂ€ten fĂŒr eine Fortschreibung.

    Antwort
    • 20.07.2017 um 18:38
      Permalink

      Wurde denn genau beschlossen, wann der fortgeschrieben werden sollte?

      In den knapp 20 Jahren ist sehr viel passiert, sodass ich mich – ohne den damaligen Plan zu kennen – schon frage, was eine Fortschreibung von einer Neuaufstellung unterscheidet.

      Antwort
  • 20.07.2017 um 20:29
    Permalink

    Die Idee der Fahrradstrassen (siehe Essen) ist super, kostet kaum Geld, nur Farbe, und das „Personal“ braucht man nur um einmal die Fahrradstrassen zu markieren, wo liegt also das Problem?
    Ich fahre seit ĂŒber 20 Jahren jeden (Arbeits-)Tag nach Essen-Steele, seit kurzem gibt es dort eine Fahrradstrasse (Hellweg), fĂŒr mich entspannt sich die Situation dadurch sichtlich, das wĂ€re doch auch fĂŒr Bochum mit wenigen Mitteln machbar!? Gerade von den GrĂŒnen verlange ich mehr fĂŒr den Ausbau von Fahrrad-wegen oder -strassen zu tun, vor allem um reine Radwege wie die Erzbahntrasse mit der Innenstadt zu verbinden…Ich bin enttĂ€uscht!

    Antwort
  • 21.07.2017 um 7:27
    Permalink

    Sonst wird immer auf die Verwaltung geschimpft. An diesem Beispiel aus Bochum sieht man aber deutlich, dass es (auch) Kommunalpolitiker jeder Coleur sind, die fahrradfreundliche Maßnahmen nicht wirklich wollen. Leider sind diese Leute in den StadtrĂ€ten des Landes NRW offensichtlich in der Mehrheit.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.