Es geht nur gemeinsam am Radschnellweg…

Weil die Diskussion über Fußgänger vs Radfahrer hier merklich Fahrt aufgenommen hat (was ich persönlich überhaupt nicht gut finde), mal ein paar Anmerkungen von mir (Michael) zum Baufortschritt und zur Rechtslage:

1. Im Bereich Univiertel über Krupp bis Frohnhausen ist der RS Ruhr nicht fertig. Gebaut wurde dort bislang mit den RVR Mitteln das Projekt „rheinische Bahn“. Ein „Upgrade“ auf RS1 Standard ist geplant, aber eben noch nicht erfolgt, wie man an der fehlenden Trennung zwischen Radfahrern und Fußgängern, und der teilweisen wassergebundenen Decke erkennt.

VZ 240

2. Wegen der fehlenden Trennung ist der gesamte Weg mit Verkehrszeichen 240, also gemeinsamer Geh- und Radweg beschildert. Fußgänger und Radfahrer nutzen den Weg daher gleichberechtigt, es gilt der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Schrittgeschwindigkeit für Radfahrer gilt da aber ausdrücklich nicht, wohl aber hat das Tempo stets angepasst zu sein. Dass man, wenn Sonntag Nachmittag viel los ist, an kleinen Kindern nicht mit 30+ km/h vorbeibolzen darf, sollte eigentlich sowas von selbstverständlich sein dass man es nicht erwähnen muss. Gleichzeitig gilt für Fußgänger mit und Hundehalter auch, dass man ausreichend Platz lassen muss und mit Radfahrern rechnen muss.

VZ 241

3. Auf den Bereichen Richtung Mülheim ist mit Z241 beschildert – getrennter Radweg und Fußgängerweg. Das heißt, dass dort Radfahrer auf dem asphaltierten Bereich fahren und die Fußgänger (und Jogger) auf dem wassergebundenen Weg gehen müssen. Soweit die Rechtslage. Inline gelten als Fußgänger und haben daher auf der Fahrbahn formal nichts verloren. Allerdings gilt auch da, was nicht stört, sollte niemanden behelligen. Oberlehrerhaftes „Fußgängerweg ist links!“ Rufen erinnert mich persönlich an Autofahrer, die mit der Hupe an einen Radweg erinnern. Auch ist der Fußgängerweg rein objektiv nicht für Rollstuhlfahrer und Inliner geeignet.

4. Egal ob auf dem bereits ausgebauten Bereich, oder auf Bereich der rheinischen Bahn: Die Bezeichnung Radschnellweg hat keine eigenständige juristische Bedeutung. Insbesondere setzt sie § 1 und die weiteren Vorschriften der StVO NICHT außer Kraft. Es gilt also wie überall – Vorsicht, gegenseitige Rücksichtnahme und an die Verkehrslage angepasste Geschwindigkeit sind zwingende Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr. Und das heißt eben auch, Sonntags Nachmittags sollte man nicht erwarten können, mit 40+ km/h auf der Strecke entlang fahren zu können. Auf einer Autobahn ohne Tempolimit darf man Freitags abend im Berufsverkehr auch keine 400 km/h fahren.

Also nehmt aufeinander Rücksicht.

5. Das beste ist und bleibt aber, wenn Konflikte gar nicht erst entstehen. Eine gute Planung der Trasse, die Fußgänger und Radfahrer möglichst trennt, ist dafür zwingende Voraussetzung. Wo man das nicht, oder sehr schlecht gemacht hat, sieht man die Konflikte sehr deutlich (Baldeneysee, Phoenixsee). In Mülheim an der Ruhr an der Hochpromenade scheint die letzte Nachbesserung der Planung das Problem doch noch minimiert zu haben. Auch an den weiteren Stellen des RS 1 sollten wir hoffen, dass das so wird.

Darüber werden wir weiterhin kritisch berichten.

 

Text: Michael Slöchting (RS1 FB-Team), Redaktion Simon Knur

Simon Knur

Planer, Falt- und Liegeradfahrer aus dem Sauerland, wegen der Liebe und dem Job im Ruhrgebiet. Seit 2012 bei VCR und beruflich unterwegs zu den Themen Infrastruktur, Abwasser, Klimaschutz und Klimaanpassung. Blogge mit dem lokalen Schwerpunkt Essen, Radschnellweg und Radkultur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.