Verkehrsunfallbericht 2016 der Polizei Dortmund veröffentlicht

Die Polizei Dortmund hat ihren Bericht zum Unfallgeschehen in Dortmund und Lünen veröffentlicht. Darin finden sich auch wenig hilfreiche Aussagen:

Das steigende Interesse an dieser umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Fortbewegungsmethode [Fahrrad], spiegelt sich auch bei den Verunglücktenzahlen wider. In Lünen kamen 103 (+19,8%) Radfahrer im Straßenverkehr zu Schaden, darunter waren 12 Kinder, 4 Jugendliche, 19 junge Erwachsene, 50 Erwachsene und 18 Senioren.

Ohne Bezugsgröße kann man daraus leider gar nichts erkennen. Sind z. B. Erwachsene oder Jugendliche mehr gefährdet? Auch gewisse Sympathien für bestimmte Verkehrsarten kann die Polizei sich nicht verkneifen.

Mit Beginn der Motorradsaison im April und Mai werden wieder viele Motorräder aus ihren Winterschlaf geweckt, auf Hochglanz poliert und bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein auf die Straße gebracht. Das Motorradfahren ist für viele Männer und Frauen aller Altersklassen nicht nur ein Hobby, sondern ein Lebensgefühl, welches weit über das Bewusstsein eines einfachen Verkehrs- und Transportmittels hinausgeht. Eine gemütliche Ausfahrt mit Freunden und
Gleichgesinnten, die spontane Fahrt allein oder die lang ersehnte Motorradtour kann aber leider auch in Sekundenschnelle zu einem verhängnisvollen Ende führen.

Bei den Motorradfahren kommt dann ein Begriff auch in Anführungszeichen.

Dennoch werden sie immer wieder von anderen Verkehrsteilnehmern „übersehen“.

In Zusammenhang mit übersehenen Radfahrer*innen werden in Pressemitteilungen hingegen die Anführungszeichen nicht verwendet.

Ein breiten Raum nimmt das Thema Sicherheit und Radverkehr in dem Bericht ein. Die Polizei stellt selber fest:

Analysen im Zusammenhang mit der Verursacherfrage kommen zu dem Ergebnis, dass etwa jeder vierte Fahrradfahrer einen Unfall mit Personenschaden selbst verursacht hat, indem er die Vorfahrt missachtete oder fehlerhaft abgebog. In den mehrheitlichen Fällen jedoch setzen Kraftfahrzeugfahrer die Ursache .

Dennoch richten die Aktivitäten in dem Bereich sich hauptsächlich an die Radfahrer*innen. So gibt es Fahrtrainings für Senior*innen und – warum auch immer – wird unter Zweiradverkehr auch Aufklärungskampagnen für Senioren behandelt obwohl das im Zusammenhang mit dem Kfz viel wichtiger ist. Immerhin heißt es:

Helme verhindern zwar keine Unfälle, sie minimieren aber die Folgen.

Wobei bis heute strittig ist wie groß die Schutzwirkung wirklich ist. Dennoch scheint Helmtragen ein wichtiges Thema zu sein für die Polizei. Die Jugendverkehrsschule Lünen rühmt sich einer Helmtragequote von fast 100 %.  Für Fünftklässler gibt es ein Stück in der Verkehrspuppenbühne Dortmund, dass im Unterricht vor- und nachbereitet wird.

Neu für mich war, dass die Polizei Brückenfotografien macht um  unerlaubtes Telefonieren, Überholen und Verstößen gegen die
Gurtanlegepflicht zu ahnen. Gegenüber VeloCityRuhr.Net erläutert Polizeipressesprecherin Dana Seketa:

Brückenfotografie bietet sich natürlich am besten an höher gelegenen Stellen an, auch wegen der besseren Übersicht. Allerdings ist diese Art der Kontrolle deswegen nicht auf Brücken und auch nicht auf Autobahnen beschränkt, sondern kann ebenso an anderen Stellen – auch an ebenerdigen – durchgeführt werden.

Hier die wichtigsten Fakten zur Unfalllage beim Rad- und Fußverkehr in Dortmund und Lünen

  • 360 Radfahrer*innen sind in Dortmund verunglückt. Das sind 3,2% mehr als 2015. Insgesamt bleibt die Zahl in den letzten Jahren eher konstant (2012: 358; 2013: 313; 2014: 317; 2015: 349). Als Fußgänger*in sind 407 Menschen verunglückt. Auch hier sind die Zahlen eher konstant (2012: 344; 2013: 335; 2014: 337; 2015: 301)
    In Lünen sind 103 Radfahrer*innen verunglückt. Auch hier bleibt die Zahl in den letzten Jahren eher konstant (2012: 90; 2013: 78; 2014: 98; 2015: 86). Als Fußgänger*in sind hier 41 Personen verunglückt und auch hier gibt es keine klare Tendenz (2012: 33; 2013: 50; 2014: 47; 2015: 49).
  • 15,6 % der Verunglückten waren Radfahrer*innen. Im, Vergleich zum Modal-Split-Anteil ist das überdurchschnittlich viel, sagt aber nichts über die Unfallschwere aus. Der Anteil der Fußgänger*innen liegt bei 17,7 %. Der Anteil liegt also unter dem Modal-Split-Anteil.
    In Lünen waren 25,2 % der Verunglückten mit dem Rad und 10,0 % zu Fuß unterwegs.
  • Die Polizei kann zu verschiedenen Maßnahmen greifen wie Strafanzeigen, Ordnungswidrigkeitenanzeigen, Blutproben und Betäubungsmittelfunde. Wenn eine Maßnahme ergriffen wurde, fließt die aber nicht zwingend in die Statistik der Hauptunfallursachen ein. Das ist z. B. dann der Fall wenn es sich auch um andere Verstöße gehandelt hat, die eine Anzeige nach sich zogen und daher nicht als Hauptunfallursache erfasst wurden, erläutert Seketa. Im Bereich der Polizeidirektion waren Radfahrer*innen 2.276 mal von Maßnahmen betroffen aufgrund Fehlverhalten beim Radfahren, was nicht als Hauptunfallursache erfasst wird im Gegensatz zum Fehlverhalten von Fußgänger*innen. Allein aufgrund Ablenkungen durch das Mobiltelefon waren es ansonsten schon 5.577 Maßnahmen. Allein 47.249 Maßnahmen waren wegen Geschwindigkeitsverstöße nötig.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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