Anstatt die Situation zu verbessern, sollen Apps in Dortmund helfen, mit dem Ist-Zustand umzugehen

Die Bändigung des Kfz-Verkehrs wäre die für Umwelt, Klima, Lebensqualität und den städtischen Haushalt sinnvollste verkehrsplanerische Maßnahme. In so einer Stadt gäbe es kaum noch Lichtzeichenanlagen. Dortmund versucht es aber lieber mit einer App (velocityruhr.net berichtete). Das ist nun gerade nicht innovativ, sondern das altbackene Konzept, mit noch mehr Technik zu versuchen, die Verkehrsprobleme zu lösen.  Das hat noch nie geklappt, aber bestimmt jetzt in Dortmund. Anstatt das man einfach los fahren kann, was man sicherlich vom Kopenhagens Westfalens erwarten kann, braucht es nach Ansicht der Stadtverwaltung und der Lokalpolitik noch eine weitere, parallel laufende App, so eine Pressemitteilung der Stadt Dortmund, um sicher, stressfrei und über fahrradfreundliche Strecken zu führen. Dass die Stadt ein weitverzweigtes Netz an Wegweisung hat, verschweigt man in dem Zusammenhang lieber, vielleicht, weil diese durch mangelnde Pflege und durch tätige Mithilfe des RVR, inzwischen komplett unnutzbar ist. Wenn man schon das eine System nicht gepflegt bekommt, macht es bekanntlich viel Sinn, noch eins in die Welt zu setzen. Vor dem Hintergrund, dass es für Neues meist mehr Förderung gibt als für den Unterhalt, so es dafür überhaupt was gibt, macht es vor realen Förderkulissen Sinn, immer wieder Neues zu beginnen und dann versanden zu lassen.  Nun soll also die App Bike Citizens, Dortmund votanbringen ohne das sich dadurch was ändert. Entsprechend behauptet die Stadt, mit der App könnte Bedarfe ermittelt werden, indem Nutzer*innen ihre Strecken tracken. Wenn man Planung auf Daten aufbaut, die man nicht versteht, kann nichts bei rauskommen. Die App kann nicht den Bedarf ermitteln, sondern die tatsächliche Nutzung und das ist was grundlegend anderes und enthält z. B. Ausweichrouten vom eigentlichen Bedarf. Wenn man das aber vertauscht, zielt Planung am Ende auf die Qualifizierung der Ausweichroute ab und nicht auf die Ertüchtigung der Bedarfsstrecke. Anstatt auf gute Routen, setzt die Stadt Dortmund auf einen s. g. „Mehrwert“ durch Datenerfassung. Wer daran Interesse hat, konnte auch bisher schon genug Lösungen unabhängig von kommunalen Grenzen nutzen. Aus den Augen geht dabei verloren, dass es darum gehen muss, dass man den Leuten die Möglichkeit schafft, einfach von A nach B zu kommen und zwar heile und ohne Schnickschnack.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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