Baubeginn Radschnellweg: Anstoßen mit Zitronensaft

Foto: Thorsten

Heute war Baubeginn für den ersten Abschnitt des Radschnellwegs in Dortmund. Nach endlosen Verzögerungen und unzähligen nicht eingehaltenen Zusagen bekommt Dortmund nun also doch noch ein kleines Stückchen Schnellweg. Da die Länge des Abschnitts halbiert wurde, ist es allerdings eher ein Schnellwegstummel. Nach 900 m und je nach Tempo gut 120 Sekunden ist der Spaß auch schon von wieder vorbei.

Trotzdem: Der Baubeginn ist natürlich ein Grund zum Anstoßen – aber die Freude ist leider nicht ungetrübt. Noch im November 2019 hat die Verwaltung öffentlich zugesagt, den Weg bis 2024 fertigzustellen, und der zuständige Ratsausschuss hat im Dezember 2019 einstimmig den Beschluss gefasst, den Schnellweg bis 2024 bis zur Stadtgrenze Wickede zu bauen. Nach der Wahl sollte das alles plötzlich nicht mehr gelten: Die Stadt wollte sich sechs zusätzliche Jahre Zeit lassen und den Schnellweg erst im Jahr 2030 fertigstellen. Mittlerweile soll selbst das nicht mehr gelten und der Weg soll im Jahr 2030 nicht etwa fertig, sondern nur „befahrbar“ sein – mit allerlei Provisorien.

Darum lassen wir Sekt und Champagner stehen und stoßen am 20. April mit Zitronensaft auf den Baubeginn an.

Wer zusammen mit Aufbruch Fahrrad Dortmund anstoßen möchte, kommt um 18 Uhr zu einer kleinen Demonstration für einen schnelleren Schnellweg auf den Sonnenplatz. Wegen Corona ist alles eine Nummer kleiner. Außer Zitronensaft gibt es Forderungen an die Stadt: Die Verwaltung soll benennen, wie viel zusätzliches Personal für die Fertigstellung bis 2024 erforderlich ist, und die Politik soll die Einrichtung der Stellen zügig beschließen. Solange der Personalbestand unzureichend ist, sollen möglichst viele Aufträge extern vergeben werden. Aber auch der Einsatz der vorhandenen Mitarbeiter*innen soll besser fokussiert werden. Es ist schließlich schwer nachvollziehbar, dass sich einerseits bedeutende Projekte wegen des Personalmangels immer weiter verzögern, während andererseits Zeit für fragwürdige Fahrrad-Apps oder Plakat-Aktionen ohne erkennbaren Nutzen vorhanden ist.

Bitte bringt neben einer Maske auch ein Trinkgefäß mit, um unnötigen Müll zu vermeiden. Und gerne auch eine Zitrone.
Wegen Corona halten wir die Demo klein und verzichten auf eine Radtour nach dem Anstoßen.

Foto: André Karwath aka Aka – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59992

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das übliche Zeichen für E-Mails, und dann web.de.