Benzinmotor ist für Verwaltungsvorstand Dortmund emissionsfreie Mobilität und wird statt preiswerterem Umweltverbund gewählt

Mit dem BMW 530e fährt der Verwaltungsvorstand dynamisch-sportlich zu Veranstaltungen zur Verkehrswende (Bild BMW Group)

Ein nicht unerheblicher Teil des Energieverbrauches ein Kfz fällt bei der Produktion an, weswegen es sinnvoll ist, das Kfz möglichst lange zu nutzen, damit der Anteil an Produktionsenergieverbrauch je gefahrenen Kilometer möglichst gering ist (wobei das im Widerstreit dazu steht, möglichst wenige km zu fahren). Die Stadt Dortmund hingegen tauscht Dienstwagen regelmäßig aus, da das eben ökonomischer sei – jeder hat halt seine Prioritäten. Diese Wegwerf-Mentalität (nichts anderes ist der turnusmäßige Austausch gegen Neufahrzeuge) verklärt die Stadt in einer Pressemitteilung nun als gutes Beispiel, mit dem der Verwaltungsvorstand voran gehe.

Das letzte Fahrzeug des Verwaltungsvorstandes mit einem Verbrennungsmotor wird nun durch ein Fahrzeug ersetzt, das nicht nur einen Verbrennungsmotor hat, sondern dessen Gewicht durch einen weiteren Antrieb erhöht wird. Das nennt sich dann Plug-In-Hybriden. Je größer ein Kraftfahrzeug, desto höher der Materialverbrauch und die nötige Kraftaufwand für die Fortbewegung. In Dortmund fährt man – so die Pressemitteilung – repräsentativ. Das gewählte Modell ist kein Kleinwagen für einzelnd reisende Dezernenten, sondern eine Limousine. Das Modell BMW 530e preist der Hersteller auf seine Webseite als Inbegriff einer sportlichen Business-Limousine, die bereits auf den ersten Blick stilsichere Sportlichkeit vermittelt und der Inbegriff einer sportlichen Business-Limousine sei. Beeindruckender Fahrdynamik und Fahrfreude auf höchstem Niveau werden versprochen. Alles Eigenschaften, die ein Teil der Bevölkerung schätz, der sich zur Zeit jedes Wochenende zum Rasen auf dem Wall trifft und mit massivem ordnungsbehördlichem Engagement begegnet wird.

Der Einbau eines zusätzlichen Antriebs reicht der Stadt Dortmund, um die Umstellung auf emissionsfreie Dienstfahrzeuge als abgeschlossen zu verkünden. Dabei reicht der E-Motor gerade mal für bis zu 60 km. (Ein aktueller Bosch-Akku für’s Pedlec hält je nach Fahrweise ein Vielfaches.) Aber selbst wenn es reine e-Autos wären, ginge es nur um Abgasfreiheit am Fahrzeug. Abgas-Emissionen bei der Stromgewinnung und Produktion gibt es weiterhin. Ganz am Ende der Pressemitteilung heißt es dann doch korrekt “ Beitrag zur Reduktion der lokalen Schadstoffemissionen“. Die Emission durch Reifenabrieb etc. bleibt ebenfalls erhalten (Ja, alles außer Barfußlaufen geht mit Emissionen einher (außer man rechnet bereits Hautschuppen zu Emissionen …)). Daher sind Tenor und Überschrift der Pressemitteilung irreführend.

Für 8 Dezernenten und einen Obernbürgermeister, die zusammen nach § 70 GO NRW den Verwaltungsvorstand bilden, und die ehrenamtlichen zwei Bürgermeister gibt es insgesamt 9 Fahrzeuge, für die die Stadt jährlich rund 75.500 Euro Fahrzeugvollkosten ausgibt. In den Worten der Stadt ist das eine in Poolstrukturen effizient angelegte Nutzung der Fahrzeuge.

Ein wirklicher Fortschritt wäre es, wenn der Verwaltungsvorstand das Geld in BahnCard 100 investieren würde. 11 Exemplare für die erste Klasse würden 74.932 Euro kosten. 11 mal eine BahnCard 100 2. Klasse und ein Ticket 2000 Preisstufe D würden nur 68.401,52 Euro kosten. Das wäre deutlich wirtschaftlicher. Bleiben noch 7.000 Euro + den Kosten für eingespartes Benzin und eingesparten Strom übrig für Taxi-Fahrten, wenn es mit dem ÖPNV nicht passt, für Falträder für die letzte Meile, für Lastenräder zur Mitnahme von Gepäck und für einen noch auszuhandelnden Pauschaljahresvertrag mit Metropolrad Ruhr.

Das unwirtschaftliche Konzept kollidiert auch mit den Zielen der Dortmunder Politik. So fordern die verbürgerlichten Grünen  aktuell im Rat: „Um den CO2-Ausstoß in der Stadt zu senken, müssen wir deutlich mehr Menschen davon überzeugen, vom Auto aufs Rad umzusteigen.“ Die eigenen Vertretern in diesem Kreis gehen nicht mit gutem Beispiel voran, und haben für sich BahnCard 100 + Ticket 2000 + Faltrad + Taxibudget durchgesetzt, und landen damit in der Unglaubwürdigkeitsfalle von Wasser predigen und Wein saufen. Auch ein öffentlicher Verzicht auf die Nutzung der Dienstwagenflotte ist bisher nicht publik geworden.

Update 11.02.2021:

Seit heute gibt es eine weitere Bürgermeisterin.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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