Zum realen Stellenwert des Radverkehrs in Essen: Legales Parken auf Radfahrstreifen

In einem der ĂŒblichen waz.de-Artikel, in denen Menschen meinen, jedem BedĂŒrfnis zu parken habe die Stadt ein kostenloses Angebot bereitzustellen, finden sich spannende Infos.

Dass auf der Lerchenstraße in Fahrtrichtung Stadtwald auf dem Fahrradstreifen geparkt werden darf, auf der gegenĂŒberliegenden Seite aber nicht, sorgt immer wieder fĂŒr eine „Knöllchenflut“. […] Dabei ist fĂŒr die Stadt auch hier die Situation ganz klar: „Der Fahrradstreifen wird von Radfahrern vor allem in der freundlichen Jahreszeit intensiv genutzt – und nur bei zwei, drei Großveranstaltungen mit sehr, sehr hohem Besucheraufkommen zum Beparken freigegeben. Es handelt sich stets um Einzelfallentscheidungen.“ Und nur in einem einzigen Fall sei die Stadt bislang davon abgerĂŒckt: Beim WDR-4-Konzert am „Seaside Beach“ im Juli vergangenen Jahres wurden tatsĂ€chlich beide Seiten zum Parken freigegeben, bei einem gleichzeitigen Tempo-30-Limit. An dieser Linie will die Stadt festhalten: „Wir mĂŒssen an die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer denken.“

Mit anderen Worten: Wenn viel Verkehr los ist, verringert die Stadt die KapazitĂ€t durch Reduzierung der Spuren, wo viel los ist. Das ist komplett gegenteilig zu allen verkehrspolitischen AnsĂ€tze, die mehrheitsfĂ€hig sind (auch wenn sie die Versprechen nicht einlösen können). Das wĂ€re sinnvoll, wenn es um Einfallstraßen gehen wĂŒrde, damit gar nicht so viele Leute mit dem Auto rein kommen. Aber Radverkehr ist in Essen wohl kein Verkehr, den man gleich behandeln muss.

Welche Botschaft will die Stadt Essen damit aussenden, wenn sie Radfahrstreifen fĂŒr sinnvoll erachtet, aber wenn der Bedarf am grĂ¶ĂŸten ist, die Radfahrstreifen fĂŒr entbehrlich erachtet?

Welche Botschaft will die Stadt Essen damit aussenden, dass Radfahrstreifen zum Parken nicht tabu sind?

Welche Botschaft will die Stadt Essen damit aussenden, dass das Abstellen einzelner PKW ihr wichtiger ist, als die FlĂŒssigkeit und Sicherheit des Radverkehrs?

Falls mal jemand vor Ort ist, wenn so ein Fall eintritt: Ich wĂŒrde mich ĂŒber Fotos freuen, die dokumentieren, dass alle Radsymbole auf der Fahrbahn und VZ 237 sachgerecht aufgehoben wurden. Die Symbole wĂ€re durch ein gelbes X aufzuheben. Die VZ können abgedeckt werden oder durch rote X aufgehoben werden. Den Aufwand kann man sich machen. Einfach nur das Parken durch ein weiteres VZ zu erlauben ist meines Erachtens rechtlich nicht möglich, da dann widersprĂŒchliche Anordnungen nebeneinander bestehen wĂŒrden.

Norbert Paul

Norbert Paul ist per PGP-SchlĂŒssel erreichbar (Testphase) ĂŒber die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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