Dein Freund und Helfer

(Foto: Peter Maier)
(Foto: Peter Maier)

Die B235 ist eine schnelle, direkte und holperfreie Nord-SĂŒd-Verbindung im östlichen Ruhrgebiet. Zwar macht Bochum im SĂŒden (dort unter dem Namen Hauptstraße) seine Haltung zum Radverkehr mit Zeichen 254 (Verbot fĂŒr Radverkehr ) unmissverstĂ€ndlich deutlich, aber in Dortmund (Provinzialstraße) und Castrop-Rauxel (Wittener Straße) ist die stark kfz-belastete Strecke trotz einiger MĂ€ngel auf (zumindest abschnittsweise ausreichend breiten) Radfahrstreifen fĂŒr Radler mit Blechtoleranz gut zu befahren.1

Wenn da nur nicht diese Falschparker wÀren.

Besonders schön ist es natĂŒrlich, wenn ein Einsatzfahrzeug der Polizei seelenruhig vorbeizieht, obwohl rechts drei besonders dreiste Exemplare den Radfahrstreifen vollstĂ€ndig versperren. Aber so richtig toll wird es erst, wenn genau dieses Einsatzfahrzeug dann ein paar hundert Meter spĂ€ter dem schlechten Beispiel folgt.

Klar, es war sicher „zur ErfĂŒllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten“ (§35 Abs. 1 StVO).

Pommes holen oder so. Oder doch ein großer Döner? Schließlich ist § 35 als Ausnahmevorschrift eng auszulegen, fĂŒr eine Pommes ohne Mayo reicht das möglicherweise nicht ganz. Pommes Schranke dĂŒrfte aber rechtlich gedeckt sein, das zeigt ja schon die Alltagspraxis. Und bei einem großen Döner wird natĂŒrlich niemand den dringenden hoheitlichen Bedarf ernstlich in Abrede stellen wollen. Besonders dann nicht, wenn er mit SchafskĂ€se ist. Oder war es gar ein drĂ€ngender Einsatz wegen Ruhestörung (Gefahr im Verzug!), der legales Parken völlig unmöglich machte?

Man weiß es nicht, und doch man kann sich sicher sein, dass unsere Freunde und Helfer nur in dringenden, rechtlich gedeckten AusnahmefĂ€llen FußgĂ€nger und Radfahrer gefĂ€hrden und belĂ€stigen.

Und natĂŒrlich kann man sich auch sicher sein, dass sie sich völlig im Klaren darĂŒber sind, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf andere Autofahrer hat.

Update

(Foto: Peter Maier)
(Foto: Peter Maier)

Und gleich der NĂ€chste. Gehweg am SĂŒdwall komplett zugeparkt. Die Fahrbahn hat an der Stelle sieben (!) Fahrstreifen, reicht offenbar immer noch nicht. Was ist an §12 Abs. 4 StVO eigentlich so schwer zu verstehen? „Zum Parken ist der rechte Seitenstreifen, dazu gehören auch entlang der Fahrbahn angelegte Parkstreifen, zu benutzen, wenn er dazu ausreichend befestigt ist, sonst ist an den rechten Fahrbahnrand heranzufahren. Das gilt in der Regel auch, wenn man nur halten will[…].“

Ob wir den Tag noch erleben werden, an dem unsere Freunde und Helfer endlich verstehen, dass Gehwege und Radverkehrsanlagen keine KurzparkflÀchen sind (und auch keine LangparkflÀchen!) und dass ihr Verhalten sich auch auf andere Autofahrer auswirkt?

1 Klaus Kuliga hat 2012 mit einem sehr interessanten Ansatz die B235 unter der Überschrift „Eine Straße, drei StĂ€dte“ analysiert. Seitdem hat Castrop-Rauxel seinen sĂŒdlichen Abschnitt mit MĂ€ngeln, aber befahrbar umgesetzt, Dortmund das Interesse verloren und den dritten Bauabschnitt verschleppt (Planung derzeit: 2018/2019) und Bochum mit Zeichen 254 den Vogel abgeschossen.

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich fĂŒr Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel fĂŒr die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das ĂŒbliche Zeichen fĂŒr E-Mails, und dann web.de.

3 Gedanken zu „Dein Freund und Helfer

  • 07.08.2016 um 22:35
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    Das ist eine Sache, die Bochum gut macht. Dort parkt niemand auf Gehwegen. Die schleppen sogar regelmĂ€ĂŸig Falschparker ab. Dadurch ist dort zwar ein Großteil der Straßen nur einspurig benutzbar, aber das ist nicht mein Problem.

    Die Provinzialstraße ist ĂŒbrigens sehr gut befahrbar mit dem Rad. Ich wohne 500 m von dem Foto entfernt. Man sieht dort auch inzwischen alle Altersgruppen auf den neuen Streifen fahren. Es ist einfach nur insgesamt sehr wenig Radverkehr, dadurch kann es dann so aussehen, als wĂŒrde man sich nicht trauen. Ist aber nicht der Fall.

    Im Vorort wird noch weit weniger Rad gefahren als in den Innenstadtbereichen. Das Auto dominiert hier noch sehr stark, auch in den Köpfen. Ich habe im Mai mal auf einer tĂ€glich gefahrenen Strecke gezĂ€hlt, von LĂŒtgendortmund bis Huckarde. Da hatte ich dann z.B. werktags an einem der ersten warmen Tage 12 andere Radfahrer getroffen und am Sonntag darauf 51. Auf Hauptstraßen mit Radstreifen und Schutzstreifen, also „mitten“ im Verkehr. Es geht hier nicht um Infrastruktur. Die Leute wollen einfach (im Alltag) nicht Rad fahren.

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