Weihnachtsmarkt Dortmund – Das sagt die Stadtverwaltung und der Oberbürgermeister schweigt weiterhin

Vor anderthalb Wochen hatten wir hier über Missstände beim Weihnachtsmarkt aus Sicht des Radverkehrs berichtet. Inzwischen hat die Stadt auf eine Teil der Fragen geantwortet. Der Oberbürgermeister schweigt zu:

Dortmund ist nun seit 10 Jahren Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW. Hält der Oberbürgermeister, der als damaliger Dezernent die Mitgliedschaft eingeleitet hat, es für eine „fuß- und radverkehrsfreundliche Stadt“ für ausreichend, bei einer 1,5-2-monatigen Sperrung der einzigen Radverbindung in Ost-West-Richtung in der City gar nicht an den Radverkehr zu denken? Hält er es für fußverkehrsfreundlich, wenn Radfahrer*innen unbeabsichtigt oder mangels Alternativen zwischen den Fußgänger*innen des Weihnachtsmarktes landen?

Und auch auf

2015 gab es eine Fahrradwache am Rathaus während des Weihnachtsmarktes. Wird es dieses Jahr eine Fahrradwache geben oder wenigstens Wochenend- und Abendöffnungen der Radstation am Bahnhof?

gibt es keine Antwort, die schlicht Nein heißen dürfte. Auf der Webseite der Radstation steht nichts, es gab keine Pressemitteilung dazu und ich habe nichts davon gehört.

Zuerst einmal gibt es dieses Jahr tatsächlich einen Fortschritt. Dieser Anblick bleibt uns dieses Jahr erspart.

22. 12. 2016 (Foto: Norbert Paul)

Stadtsprecherin Heike Thelen gegenüber VeloCityRuhr:

Ein Antrag zur Einrichtung eines Weihnachtsmarktverkaufsstandes lag beim Ordnungsamt vor. Nach einem Ortstermin verzichtete der Antragsteller auf den Standplatz, da nach Abzug der Wegfläche für den Fuß-/Radweg kein ausreichender Platz für den Weihnachtsbaumverkauf verblieb.

Es bleibt schleierhaft, warum es erst jahrelange Proteste braucht bis diese triviale Erkenntnis gewonnen wird. Aber immerhin bewirken diese Proteste irgendwann was.

Wir hatten uns in der Anfrage auf die theoretisch 24/7 verfügbare einzige Ost-West-Verbindung bezogen.  Das heißt nicht, dass die anderen Fahrtbeziehungen ungestört bleiben. Wer z. B. die Hansastraße in Richtung Norden befährt, fährt direkt auf den Weihnachtsmarkt zu.

(Foto: Norbert Paul)

Rechts hinter dem Baum versteckt steht ein Schild.

(Foto: Norbert Paul)

Nach 19 Uhr darf man weiter geradeaus fahren. Ob man das kann und ob das sinnvoll ist, wenn sich Abends dort das halbe Umland und die halbe Stadt treffen um ein komisches Gesöff zu konsumieren, kann man bezweifeln.

Nun sagt die Stadt gegenüber VeloCityRuhr, dass das alles seine Richtigkeit hat, weil durch die erstmalige Umsetzung des Sicherheitskonzeptes  für den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr keine Generalbeschilderung vorgenommen wurde und daher keine Ausnahmebeschilderung z. B. für den Radverkehr erforderlich sei.  Daher ist in der Kampstraße aus Fahrtrichtung Westen kein explizites Durchfahrtverbot mit Einrichtung einer Sackgasse ausgeschildert worden. Thelen erläutert gegenüber der Redaktion die Details:

Durch die Einbringung von baulichen Elementen (Betonsperren) im Bereich Kampstraße/ Hansastraße ist de facto eine neue Verkehrsführung vorgegeben. Für den Kraftfahrzeugverkehr besteht nach Zufahrt über die Nebenfahrbahn der Kampstraße aus Fahrtrichtung Westen eine Wendemöglichkeit im Auslauf des Standortes der dortigen Restaurations-Straßenbahn. Eine Geradeausfahrbeziehung in Fahrtrichtung Osten ist nicht mehr gegeben. Dem Fußgänger- u. Radverkehr ist es weiterhin möglich, sich in Richtung Osten zu bewegen.

Das meint diese Stelle hier.

(Foto: Norbert Paul)

Die einzige Durchfahrtmöglichkeit war diese schmale Stelle im Ausschenkbereich der Bude.

(Foto: Norbert Paul)

Gut, in einer Stadt, in der man den Schutzstreifen zwischen Radfahrstreifen und parkenden Autos in der Uhlandstraße als Radfahrstreifen markiert und den Radfahrstreifen als Spur für den Kfz-Verkehr, mag das als breit gelten, aber das produziert trotzdem Konflikte, weil da die Weihnachtsmaktbesucher*innen stehen.

(Foto: Norbert Paul)

In Höhe der Reinoldikriche könnte man dann den Bordstein hoch auf den Gehweg und stände dann vollkommen in den Besucher*innen und wäre dennoch legal unterwegs. Da sieht man bei der Stadt keinen Handlungsbedarf.

(Foto: Norbert Paul)

In der Realität fahren die Radfahrer nach links. Da steht dann aber VZ 209-10 <Vorgeschriebene Fahrtrichtung links>Dort verstoßen dann alle Radfahrer*innen gegen das Schild und biegen auf die Gegenfahrbahn ein. Dort kommt man häufig auch kaum durch. Da ist nämlich de facto auch Weihnachtsmarkt. Und welcher Ortsunkundige kommt auf die Idee, dass man in Dortmund einfach auf der Gegenfahrbahn fahren muss und mit den rechtlichen Risiken leben muss. Aber immerhin kommt man da halbwegs durch und mit Gegenverkehr ist – von Radfahrer*innen abgesehen – auch nicht zu rechnen, wenn der Weihnachtsmarkt auf hat, da ja dann städtische LKW die Zufahrt verhindern (sollen). In der restlichen Zeit muss man man jederzeit mit Gegenverkehr rechnen.

Auf die Gegenrichtung (in Richtung Westen) geht die Stadt nicht ein.

Auch nächstes Jahr wird es keine brauchbare Alternative entlang des Walls geben. Die seit Jahren aufgeschobene Verbesserung ist ja inzwischen ein Beitrag zur Emissionsfreien Innenstadt. Im Rahmen des Wettbewerbs, bei dem es um EU-Mittel für Investition in Wachstum und Beschäftigung geht, soll ein durchgängiges, attraktives Radwege-Angebot auf [sic!] dem Wall entstehen. Thelen erläutert das weitere Vorgehen:

Die Stadt Dortmund darf dafür bis Mai 2018 einen Förderantrag stellen. Der Beginn der Planungen erfolgt damit frühestens ab Sommer 2018.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung.

Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

Ein Gedanke zu „Weihnachtsmarkt Dortmund – Das sagt die Stadtverwaltung und der Oberbürgermeister schweigt weiterhin

  • 22.12.2017 um 10:07
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    Ich war die Tage in Dortmund mit dem Fahrrad um ein paar letzte Geschenke zu kaufen… und eine neue Lötstation für mich.
    Ich war mit beiden Kindern (3Mon, 4 J.) unterwegs mit dem Lastenrad.
    Ich kam zum Glück von Westen und wusste was mich erwartet.
    Normal fahre ich bis zur St.Reinoldi und schiebe dann das Rad mit den Kindern gemütlich zu den Läden wo ich hin möchte.
    Das habe ich mir diesmal aufgrund der Lage verkniffen. Den Konflikt mit dem Weihnachtsmarktbesuchern wollte ich mir nicht antun.
    Also habe ich lieber mein Fahrrad in der Nebenstraße bei Conrad angestellt und bin los. Mit einem MaxiCosi am Arm und einem 4-jährigen an der Hand noch Geschenke schleppen macht keinen Spaß.

    Für Ortsunkundige die einmal Quer durch die City wollen, oder zum Weihnachtsmarkt wollen ist das klein Vergnügen, zumal der Autoverkehr zur Weihnachtszeit in der City … anstrengend … ist, und sich da dann seinen Weg suchen zu müssen.
    Ich würde Leuten, die sich in Dortmund nicht auskennen zu dieser Zeit eher abraten mit dem Fahrrad nach Dortmund in die City zu fahren.

    Aber wir bekommen ja bald eine super duper tolle Fahrradinfrastruktur am Wall…..

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