Haben Autos Vorrang vor Kindern in Dortmund? – Themen in der BV Innenstadt West

In der nächsten Sitzung der BV Innenstadt-West ist eine Eingabe aus der Bevölkerung Thema:

Mir ist klar, dass in einer Großstadt der Interessenausgleich zwischen den Verkehrsteilnehmer*innen nicht immer ohne Probleme abläuft; anderseits gewinne ich leider immer mehr das Gefühl, dass die Interessen der Autofahrer*innen in Dortmund deutlich höher gewichtet werden, als die der unmotorisierten Personen.

Sie schildert die Probleme, die VeloCityRuhr.net so auch beobachtet im Kreuzviertel:

Da vielerorts die Parkmarkierungen fehlen oder Stellen, an denen das Parken eigentlich nicht erlaubt ist, unmarkiert sind, wird überall und ungeordnet, z. B. auf beiden Seiten schräg auf dem Gehweg geparkt. Dies führt im Bereich der Schillingstraße 1-27A sehr oft dazu, dass der Gehweg viel zu eng wird. Mit Fahrrad oder Kinderwagen wird es oft schwer, aus der Haustür zu kommen. Nicht selten muss man mit dem Kinderwagen in der Schillingstraße ganz auf die Straße ausweichen, denn es ist zu eng zum Durchkommen auf dem Gehweg.

An anderer Stelle fordern SPD und Grüne einen verkehrsberuhigten Bereich.

Auch in der nächsten BV-Sitzung: Es bleibt offen, ob der Weg entlang der Emscher in Schönau geöffnet werden soll. Die Emschergenossenschaft hat für ihren Abschnitt nichts einzuwenden. SPD und Grüne wollen das. Außerdem setzt die Verwaltung ein Halteverbot nicht um, was SPD und Grüne nicht gefällt. Und die Anlieger der Großen Heimstraße, die weiterhin überall Auto fahren wollen, (wir berichteten) finden bei der Politik und Verwaltung wohl Gehör.

Ergänzung 08.05.2017 02.48

Dann war da noch der Antrag der CDU in der vorherigen BV-Sitzung. Entsprechend bewanderte Theologen können sich stundenlang darüber auslassen, welche Teile einer biblischen Schrift den gleichen Ursprung haben können und welche anderen Teile später aus andern Quellen stammten und wie man so inhaltliche Brüche erklären könne. Genauso in sich spannungsgeladen ist dieser Antrag.

Die Verwaltung wird gebeten, im Unionviertel das bestehende Recht bezüglich der Parkraumnutzung durchzusetzen.

Diese Forderung könnte glatt von mir sein. Aber das würde massenhaftes Abschleppen bedeuten. Insgesamt bleibt der Antrag dahingehend interessant, dass die CDU einerseits die Probleme für den Rad- und Fußverkehr sieht, aber hofft, dass Problem durch noch mehr Parkplätze (wo auch immer) in den Griff zu bekommen.

Die Verwaltung wird gebeten, im Unionsviertel ein Konzept zur Schaffung von mehr Parkraum zu erstellen und hierbei das Schrägparken dort, wo es möglich ist, zu legalisieren.

Für den Radverkehr ist der viele ruhende Verkehr ein Problem. Irgendwie wird in dem Problem aber auch die Lösung des Problems gesehen:

Die CDU bietet mit Ihrem Antrag eine Möglichkeit an, im Unionviertel eine dem Viertel angemessene Parkraumsituation zu schaffen. Hierdurch werden insbesondere Radfahrer und Fußgänger geschützt. Diese leiden besonders unter dem derzeitig pratizierten „Wildparken“, bei dem insbesondere Fahrzeuge schräg geparkt werden. Hierbei wird aber oft der Gehweg zugeparkt, was Fußgänger aber auch Radfahrer behindert. Insbesondere ältere Menschen und Mütter mit Kinderwagen können die Gehwege nicht nutzen. Dies wäre zukünftig wieder gefahrlos möglich.

So richtig viel gewonnen ist damit nicht, wenn die Gehwege legal statt illegal zugeparkt werden. Aber die CDU ist bereit Opfer zu bringen:

Die Verwaltung wird gebeten, hierbei zu überprüfen, ob durch die Umgestaltung des Verkehrsflusses z.B. durch die Schaffung von Einbahnstraßen mehr Parkraum gewonnen werden kann.

 

Ich weiß nicht so recht, was ich von dem Antrag halten soll.

Update 17. 09. 2017 17:25

Die  Große Heimstraße beschäftigt Politik und Verwaltung weiterhin: Drucksache Nr. 03850-16-E5.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung.

Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

6 Gedanken zu „Haben Autos Vorrang vor Kindern in Dortmund? – Themen in der BV Innenstadt West

    • 08.05.2017 um 19:06
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      Eventuell ist das Privatgelände des Spar- und Bauvereins. Dann entscheidet der, was da passiert.

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      • 09.05.2017 um 11:25
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        Selbst wenn es dem Spar- und Bauverein gehört (ich habe dort mal nachgefragt) zeigt es die Priorität in Dortmund. Der Platz wird für Autos gebraucht, nicht für Kinder. Vorher war dort übrigens das Geschäftslokals eines Sanitärhandwerkers. Da parkten keine Fahrzeuge vor dem Schaufenster.

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        • 09.05.2017 um 13:22
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          Klar, das mit der Priorität ist nicht nur eine Sache der Stadtverwaltung sondern vor allem von allen Büger*innen, die das so gut finden und mittragen.

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          • 17.05.2017 um 9:58
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            Nach Angaben des Spar- und Bauvereins ist die Stadt Dortmund dafür zuständig. Müßig zu erwähnen, dass bisher nichts passiert ist.

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            • 17.05.2017 um 10:37
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              Danke für die Info.

              Antwort

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