Der RS 1-Vorläufer in den 60ern
In den 50er-Jahren war der Ruhrschnellweg noch eine Stadtstraße, schilderte der Sozialdemokratische Pressedienst 1953 den Ruhrschnellweg.
Der Fahrer am Steuer erlebt noch eine andere Skala von Abwechslung. Bald lässt ihn die geschmeidige Teerdecke fester auf den Gashebel treten, bald aber kurvt er ängstlich im leichten Sprühregen über das vermaledeite blaue Kopfsteinpflaster. […] Alle Nase lang mündet eine andere Verkehrsstraße ein, schneidet ein Verkehrsstrang den Fluss der Ruhrschnellweg-Kolonnen, zieht eine Straßenbahn ihre beiden Gleise nach links oder rechts.
Ein Bild von der B 1 mit Straßenbahn in Essen aus der damaligen Zeit findet man bei Drehscheibe Online. In nur 9,5 Jahren wurde der Ruhrschnellweg von 1954-1963 ausgebaut. Das wird man beim Radschnellweg Ruhr nicht schaffen.
Auch nach dem Ausbau des Ruhrschnellweges gab es abschnittsweise Radwege, wie VeloCityRuhr.Net berichtet hat. Ein weiteres Bild von 1962 findet sich hier. Vollständig ausgebaut wurde dieser jedoch nicht. Nach dem Ausbau der ersten Abschnitte hatte man den Eindruck, dass der 2 Meter breite Radweg nicht in erwartetem Maße angenommen wurde, schreiben das Bundesministerium für Verkehr und der Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten des Landes Nordrhein-Westfalen in einer vermutlich 1963 oder 1964 erschienen Publikation (Cohen et. al. o. J.: 13). Die ersten Bauabschnitte waren Essen-Kray – Stadtgrenze Bochum, Stadtgrenze Wattenscheid – B226 (Dorstener Straße) und in Dortmund Schnettkerbrücke – Borussiastraße (Cohen et. al. o. J.: 14). Erstgenannter wurde 1955, letztgenannter 1957 eröffnet (Cohen et. al. o. J.: 14-15).
In einer textlichen Wiedergabe der Publikation heißt es:
Während in den ersten Bauabschnitten im Bereich von Dortmund und Wattenscheid noch Radwege mit einer Breite von 2,00 m angelegt wurden, ist bei den weiteren Ausbauabschnitten auf die Anlage von Radwegen verzichtet worden, da sich nach Inbetriebnahme dieser Teilstrecken herausstellte, daß die Radwege vom Verkehr nicht im erwarteten Umfang angenommen wurden.
Welche Erwartungen man hatte, bleibt unerwähnt, ebenso, wieviel Zeit man abgewartet hat. Der Rückbau soll 1967 erfolgt sein.
Literatur:
Cohen, Hans; Eglau, Karl; Friedrichs, Karl; Funcke, Joseph; Hakleberg, Fritz; Hohmann, Hans et al. (o. J.): Ruhrschnellweg. Bundesstraße 1. o. O.
