InfrastrukturVereine

ADFC begrüßt Radverkehrsplanung auf unbrauchbarer Grundlage

Der ADFC begrüßt die App DB Rad+ der Deutschen Bahn (DB).

Die Politische ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt: „Aus dem ADFC-Fahrradklima-Test wissen wir, dass die Deutschen recht unzufrieden mit den Infrastrukturen fürs Radfahren sind. An vielen Stellen fehlen jedoch Daten, um den Ausbau von Radwegen und Fahrradparkplätzen zielgerichtet anzugehen. Hier kann die Fahrrad-App der DB gute Dienste leisten. Frische Nutzungsdaten sind für eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung viel wert.“

Aus der Erhebung der Ist-Wege kann man allerhöchstens mit magischem Denken ableiten, wo es Radwege und Fahrradparkplätze bräuchte, da sich aus der Streckenerhebung selbst nicht erkennen lässt, inwieweit diese eine aus welchem Grund auch immer gewählte nicht optimale Strecke ist, zumal man aus den Daten die persönliche Präferenzen nicht erkenn kann. Warum „Frische“ für die mittel- bis langfristig ausgerichtete Planung von besonderem Wert sind, erschließt sich aus der Sache selbst nicht.

Die App soll nicht nur das Leben der Planung besser machen sondern auch das Leben der Nutzenden, weiß der ADFC zu berichten:

Radfahrende können jetzt bundesweit ihre anonymisierten Mobilitätsdaten spenden und ihre Kommunen bei der Verbesserung der Radinfrastruktur unterstützen. Für die gesammelten Kilometer gibt es Prämien, wie Gutscheine. Die Deutsche Bahn will so Menschen davon überzeugen, nachhaltig unterwegs zu sein. Dafür bieten sich Bahn und Fahrrad besonders an. Die Prämien der App sollen dabei Anreiz sein, dass Fahrrad mehr zu nutzen. Die anonymisierten Daten soll u. a. dabei helfen, Fahrradparkplätze und Radinfrastruktur dort zu schaffen, wo besonders hoher Bedarf oder Dringlichkeit besteht.

Wenn zwei Sachen, die nichts miteinander zu tun haben dem Wesen nach,  vermengt werden, ist immer Vorsicht geboten. Da fällt dann auch auf, dass aus Ist-Wegen, bei denen komplett unbekannt ist, wie zufrieden die Spender damit sind, kein Bedarf abgeleitet werden kann. Hinzukommt, dass völlig unklar ist, wie repräsentativ die Daten sind. Wer bei anderer Infrastruktur fahren würde, ist z. B. gar nicht im Datensatz erfasst. Das läuft also auf eine Planung für den aktuellen Verkehr hinaus bei Unbeachtung von unrealisierten Fahrten aufgrund der Infrastruktur, die vermutlich mit dieser Planung zu realisierten Fahrten werden sollen.

Norbert Paul

Bin ohne Warnweste und unzulässigen sowie unsinnigen Blinklichtern unfallfrei mit dem Rad im Alltag unterwegs – auch in dunklen Sachen. Nach einschlägigem Studium folgten mehrere berufliche Stationen in der Verkehrsverwaltung. Dabei heute vor allem mit Rechtsfragen befasst. Mit meinem PGP-Schlüssel kann man mir an norbert.paul@velocityruhr.net verschlüsselte E-Mails schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert