Kaum etwas bewertet die Bevölkerung schlechter als den Ausbau und Zustand der Radwege in Dortmund

Ende letzten Jahres wurde 8000 Dortmunder*innen im Alter zwischen 16 und 80 Jahren von der Stadt befragt. Für Ausbau bzw. Zustand der Radwege gab es nur eine 4,03, die fünft schlechteste Bewertung. Da die Rücklaufqoute nur 37 % betrug, ältere und formal höher Gebildete unter den Antwortenden überrepräsentiert sind und die Befragung nach dem Zufallsprinzip erfolgte,  sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Auch wenn die Zahlen mit zwei Stellen hinter dem Komma also eine große Präzision andeuten, könnte man der Stadt zugute halten, dass eher die antworten, die frustriert sind. Alle möglichen Verzerrungsfaktoren können aber kaum dazu führen, dass die Umfrage komplett entfernt ist von der Wahrnehmung der Gesamtbevölkerung. Anderseits sind schlechte Noten für den Radverkehr in Dortmund der Normalfall, egal ob der ADAC testet, beim Klimatest oder jetzt in der eigenen Befragung.

Daher kann man zumindest das Fazit ziehen, dass die vorhanden Radwege bei der Dortmunder Bevölkerung nicht gut ankommen und zu dem gehören, was sie am negativsten wahrnehmen in ihrer Stadt. Wen wundert es, dass gerade gestern Abend hier eine E-Mail eintraf, in der es um den baulichen Zustand eines neu gebauten Geh- und Radweg ging.

Kommentar: Ein peinliches Ergebnis für eine Stadt, die schon länger in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW Mitglied ist und sich die Radverkehrsförderung auf die Fahnen geschrieben hat. Aber ein Ergebnis, dass nicht überrascht, wenn man regelmäßig in der Stadt unterwegs ist. Wäre der Radverkehr in Dortmund ein Schüler, wäre es ein ständig sitzen bleibender Schüler, dessen Eltern den Kontakt mit der Schule verweigern und sich nicht weiter um das Kind kümmern und dem Sozialarbeiter vom Jugendamt immer groß ankündigen, sich bessern zu wollen. Die Geduld des Sozialarbeiters ist aber langsam Ende. Über 400 Radfahrer*innen haben vor wenigen Tagen ein weiteres Ghost Bike in Dortmund aufgestellt. Aber auch das beeindruckt die Stadt nicht.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

2 Gedanken zu „Kaum etwas bewertet die Bevölkerung schlechter als den Ausbau und Zustand der Radwege in Dortmund

  • 08.09.2018 um 7:28
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    Mag sein, dass Dortmund eine angeblich schlechte Radinfrastruktur hat, aber andere Städte im Ruhrgebiet sind bedeutend schlechter aufgestellt. Ich wohne in Essen und es hat sich bis auf den RS1 in letzten 20 Jahren nichts besonderes getan.
    Ich war einige Male in Dortmund und finde die Situation dort ziemlich gut.

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    • 08.09.2018 um 7:32
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      Interessanterweise gibt es Dortmunder Radfahrer, die behaupten Essen wäre ein bisschen besser (nicht gut!) und die Essener Fahrradstraßen loben.

      Antwort

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