Symtombehandlung

Sichere und freie Schulwege kann man in Dortmund nicht erwarten. Mit Segen der Bezirksregierung darf hier legal im Kreuzungsbereich auf dem Gehweg geparkt werden – also da, wo Schulkinder entlang schauen können müssen, wenn sie sicher bei der Grundschule ankommen sollen. Die Straßenverkehrsbehörde hat mir gegenüber schon die Ansicht vertreten, Kinder müssten mit parkenden Autos im Kreuzungsbereich auf dem Überweg zurecht kommen, bevor sie alleine zu Fuß gehen sollen. Wen wundert es da noch, dass Eltern ihr Kind schützen wollen? Mich nicht. Im SUV ist es halt sicher als neben/auf/unter einem SUV – zumindest solange die Eltern mit diesem Koloss aus Metall und Kunststoff umgehen können. Um es mal klar zu sagen: Elterntaxis sind der Eiter, nicht die Entzündung. Solange man die Entzündung der Stadt nicht heilt, bildet sich der Eiter immer wieder neu.

Nun kündigt die Polizei mal wieder eine Aktion zum Thema Eltern-Taxis an, die so erfolglos sein wird, wie alle Aktionen davor, weil man erst einmal die Schulwege, d. h. alle Gehwege in Dortmund von illegalem und formal legalem aber fachlich bedenklichem Parken befreien müsste.

Viele Dortmunderinnen und Dortmunder werden es selber schon beobachtet haben. Die Situationen bei den „Bring- und Holzeiten“ an Dortmunder Schulen, bei denen oft der Eindruck entstehen könnte, dass Mama oder Papa ihr Kind am liebsten mit dem Auto direkt ins Klassenzimmer bringen würden. Feststellungen der Polizei sind dabei oft das Parken in Halteverbotszonen, im Bereich von Bushaltestellen, vor Ein- und Ausfahrten und mitunter gefährliche Wendemanöver beim Wegfahren. Genau diese, mitunter auch gefährlichen, Situationen möchte die Polizei Dortmund mit ihren Beamten der Verkehrsunfallprävention vermeiden. Im Rahmen einer Verkehrskontrolle an einer Dortmunder Grundschule wollen die Polizeibeamten mit Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, ins Gespräch kommen. Eine Geschwindigkeitsmesstafel, der Einsatz eines Radarmesswagens in der Tempo-30-Zone (Schulweg der Schüler) und die entsprechend konsequente Ahndung von Verkehrsverstößen werden weiterer Bestandteil des morgendlichen Einsatzes sein.

Aber wird die Polizei die eingeladenen Medien über die eigentliche Problemlage informieren? Wird die Presse drauf kommen? Vermutlich nicht. Hauptsache schöne Bilder mit Kindern, die eine Kelle in der Hand haben.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

Ein Gedanke zu „Symtombehandlung

  • 29.06.2018 um 11:27
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    Das ist natürlich auch genau der richtige Moment, um mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Im morgendlichen Stress vor der Schule, wenn gerade das eigene Kind, um dessen Sicherheit man sich sorgt, in dem Chaos sicher aufs Schulgelände gelangen soll. Dann kann man hinterher schön von uneinsichtigen Autofahrern sprechen, die die guten Ratschläge der Polizei einfach ablehnen.

    Eltern vor ihrem Kind zu maßregeln ist so ziemlich das Schlechteste, was man machen kann. Der pädagogische Effekt wird im Regelfall nicht vorhanden sein, stattdessen erfolgt eine Solidarisierung von Eltern und Kindern im falschen Verhalten, das dadurch verstärkt wird. Damit wird dem Anliegen ein wahrer Bärendienst erwiesen.

    Entweder ich sorge für Schulwege, die von Kindern gefahrlos bewältigt werden können und auch von den Eltern als sicher empfunden werden und regele dann den Rest-PKW-Verkehr so, dass er geordnet und nicht unmittelbar vor der Schule stattfindet oder ich spare mir das Ganze. Was hier passiert, ist noch nicht einmal Symptombehandlung, sondern eine Verstärkung der Symptome.

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