Dialogdisplays und mehr richtige Geschwindigkeitskontrollen

„Daumen hoch“ f├╝rs Rasen… (Foto: Peter Maier)
… und die seltsame Botschaft, dass die Einhaltung des Tempolimits so ungew├Âhnlich ist, dass man daf├╝r ausdr├╝cklich „Danke!“ sagen muss: Die Wirkung der Displays wird durch diese nicht ganz optimalen Details vermutlich nicht gest├Ârt. (Foto: Peter Maier)

Die Stadt Dortmund hat in den letzten Wochen 28 dynamische R├╝ckmeldesysteme installiert, mit denen die Verkehrsteilnehmer „an besonders sch├╝tzenswerten Stellen“ zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung bewegt werden sollen. Die Investitionskosten lagen bei 140.000 ÔéČ.

Die Stadt Dortmund schreibt:

Das R├╝ckmeldesystem misst die Geschwindigkeit der herannahenden Verkehrsteilnehmer. Wenn die zul├Ąssige Geschwindigkeit eingehalten wird, zeigt das Display in gr├╝ner Schrift den Anzeigetext ÔÇ×Danke!ÔÇť. Wird die zul├Ąssige Geschwindigkeit ├╝berschritten, zeigt die Anzeige rotblinkend den warnenden Hinweis ÔÇ×Langsam!ÔÇť. […] Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass nach der Installation der Geschwindigkeitsdisplays eine messbare Senkung der durchschnittlichen Geschwindigkeit stattfand.

Besonders wichtig ist es der Stadt, darauf hinzuweisen, dass bei Geschwindigkeits├╝berschreitungen keine Bu├čgelder drohen: „Die Messung der Geschwindigkeit sowie die Anzahl der Messungen werden zwar im Datenspeicher des Geschwindigkeitsdisplays abgelegt und k├Ânnen ausgelesen werden, es werden aber keine Fotos aufgenommen und auch keine Kennzeichen von Fahrzeugen erfasst.“

Die Technik funktioniert im Normalbetrieb gut. (Foto: Peter Maier)

Damit passen die Displays sehr gut zu dem, was wir bisher von Politik und Verwaltung kennen: Keine nennenswerten Einschr├Ąnkungen f├╝r den Kfz-Verkehr und bu├čgeldbewehrte Kontrollen nur in hom├Âopathischer Dosis. Die Displays lenken also vom eigentlich N├Âtigen ab: Weniger Kfz-Verkehr, selbsterkl├Ąrende Stra├čen, deren Erscheinungsbild zum Tempolimit passt, vom Durchgangsverkehr befreite Nebenstra├čen und konsequente Kontrollen.
Trotzdem: Wenn k├╝nftig an 28 Stellen ein wenig langsamer gefahren wird, ist das immerhin eine kleine Verbesserung. Und da die Stadt 2017 die Zahl der mobilen Geschwindigkeitmessanlagen von sechs auf acht erh├Âht hat, gibt es auch im Bereich der echten Kontrollen eine gewisse Bewegung in die richtige Richtung.

Die Aufstellung der Displays ├╝berzeugt allerdings in einigen F├Ąllen noch nicht ganz: Das Display in der Kreuzstra├če (westliche Fahrtrichtung H├Âhe S├╝dwestfriedhof, vor den Schulen) steht unmittelbar hinter einer schlecht einsehbaren Rechts-vor-Links-Kreuzung. Die Geschwindigkeit wird also genau in dem Bereich gemessen, in dem das Tempo gering ist. Ich k├Ânnte mir zwar vorstellen, dass der geschwindigkeitsd├Ąmpfende Effekt des Displays durch diesen Mangel gar nicht wesentlich reduziert wird, aber die Daten im Datenspeicher sollte man mit Vorsicht genie├čen.

Stimmt zwar, aber f├╝r den Fahrer nicht sichtbar. Weil der Lieferwagen direkt vor dem Display parkte, wurde auch Verkehr in Gegenrichtung erfasst (reflektierte Wellen?) und seltsame Ergebnisse produziert. (Foto: Peter Maier)

Im Normalbetrieb funktionieren die Displays gut. Als einmal ein Lieferwagen direkt vor einem Display parkte, wurde auch die Geschwindigkeit des Gegenverkehrs gemessen (m├Âglicherweise durch reflektierte Wellen), was zu unsinnigen Anzeigen f├╝hrte. Der Fall d├╝rfte aber so selten sein, dass er ohne praktische Relevanz ist. Die Reaktionen der zu schnell fahrenden Autofahrer sind unterschiedlich. In einigen F├Ąllen sieht man die Bremslichter aufleuchten oder h├Ârt, dass Gas weggenommen wird. In anderen F├Ąllen wird trotz klar ├╝berh├Âhten Tempos mit unverminderter Geschwindigkeit weiter gefahren. Diese Gruppe der beratungsresistenten Fahrer zeigt, dass Displays echte Kontrollen nicht ersetzen k├Ânnen.

„Danke“ f├╝rs Radfahren? Weil der Lieferwagen direkt vor dem Display parkte, wurde auch Verkehr in Gegenrichtung erfasst (reflektierte Wellen?) und seltsame Ergebnisse produziert. Ein Fr├╝hst├╝ck auf der Br├╝cke ist ohnehin die bessere Art, „Danke“ zu sagen. (Foto: Peter Maier)

Standorte


Folgende Standorte wurden gemeinsam mit den Bezirksvertretungen festgelegt:

Innenstadt-Nord:
Gut-Heil-Stra├če 32
L├╝nener Stra├če 16

Innenstadt-Ost:
Prinz-Friedrich-Karl-Stra├če 67
Berliner Stra├če 40

Innenstadt-West:
Kreuzstra├če 136
Arminiusstra├če (gegen├╝ber Haus-Nr. 11)

Aplerbeck:
Wittbr├Ąucker Stra├če 84
S├Âlder Stra├če 69
Aplerbecker Stra├če 498
Wittbr├Ąucker Stra├če 213

Brackel:
Flughafenstra├če 71 (Tankstelle)
Asselburgstra├če 14

Eving:
Evinger Stra├če (├Âstl. Haus-Nr. 626 ÔÇô Ecke Rauher Kamp)
Deutsche Stra├če (gegen├╝ber Haus-Nr. 84)

H├Ârde:
Preinstra├če 85
Am Remberg 15

Hombruch:
Olpketalstra├če (gegen├╝ber Haus-Nr. 96)
Baroper Stra├če 380

Huckarde:
Arminiusstra├če (Einm├╝ndung Huckarder Heide)
Hangeneystra├če 48

L├╝tgendortmund:
Kleybredde 42 (Einfahrt Schulparkplatz)
Schulte-Heuthaus-Stra├če 35 (gegen├╝ber Haus-Nr. 38)
Menglinghauser Stra├če 355

Mengede:
Schlossstra├če (40 Meter s├╝dlich Einm├╝ndung Kr├Ąutergarten)
Dr├Âwerstra├če (gegen├╝ber Einm├╝ndung Butzstra├če)
Groppenbruger Stra├če 7

Scharnhorst:
Hostedder Stra├če 51
Husener Eichwaldstra├če 281 b

Peter

Peter aus Dortmund schreibt mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich f├╝r Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel f├╝r die gro├če Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen. Per E-Mail erreichbar unter peter-bike, dann folgt das ├╝bliche Zeichen f├╝r E-Mails, und dann web.de.

5 Gedanken zu „Dialogdisplays und mehr richtige Geschwindigkeitskontrollen

  • 19.08.2017 um 1:40
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    Diese Woche habe ich mich mal an das Display an der Kreuzstra├če gestellt (Viele Fahrzeuge waren zu schnell inkl. dem grau-blauen Dienstwagen einer staatlichen Stelle) und mich auch dar├╝ber gewundert, dass Fahrzeuge in die Gegenrichtung gemessen werden.

    V├Âllig r├Ątselhaft ist mir, warum man keine bew├Ąhrte Form mit Anzeige der Geschwindigkeit gew├Ąhlt hat sondern ein x-beliebiges Stock-Foto mit dem Hashtag Sch├╝ler ÔÇô oder ein Foto, dass aussieht wie so ein Foto. Die bew├Ąhrten Dialogdisplays in anderen Kommunen sind eindeutiger und auch ohne Deutschkenntnisse gut zu verstehen, indem diese Smilies im Wechsel mit der gefahren Geschwindigkeit anzeigen. In Dortmund wird dann auch noch „Langsam!“ was man auch als „Du bist zu langsam“ verstehen k├Ânnte.

    s. Bild unter http://velocityruhr.net/blog/2015/08/02/dortmund-dialogdisplays/

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    • 19.08.2017 um 20:01
      Permalink

      „und mich auch dar├╝ber gewundert, dass Fahrzeuge in die Gegenrichtung
      gemessen werden.“

      Wahrscheinlich stand auch bei dir der Lieferwagen da (z.B. Donnerstag). Freitag war er abends weg, da wurde auch kein Gegenverkehr mehr erfasst. Im Normalbetrieb funktionieren die Dinger gut, und dass unter ung├╝nstigen Bedingungen auch mal was an technischen Systemen klemmen kann, geht in Ordnung.

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      • 19.08.2017 um 23:03
        Permalink

        Es war glaub ich tats├Ąchlich Donnerstag. Muss man mal beobachten.

        Komisch finde ich, dass die Dortmunder Variante Radfahrer*innen nicht erkennt wie sonst ├╝blich.

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