Wer baut denn sowas? – Selmer Radfahrer haben wieder mal das Nachsehen

Ein Gastbeitrag von Christian J├Ąnsch

Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)
Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)

N├Ąhert man sich auf dem Fahrrad der Stadt Selm aus den St├Ądten des Nachbarkreis Coesfeld, fallen sofort die gro├čen Hinweisschilder am Stra├čenrand auf, die den Radler im fahrradfreundlichen Kreis Unna begr├╝├čen. Auf dem Schild und auf dem Papier mag das vielleicht ein frommer Wunsch sein; die Realit├Ąt sieht anders aus und gibt immer wieder Anlass zur Kritik. Zwei Beispiele aus Selm sollen das verdeutlichen.
Im August 2015 wurde die Entlastungsstra├če Buddenberg (K44n) feierlich er├Âffnet. Sie soll das Wohngebiet Buddenberg vom Durchgangsverkehr entlasten und verbindet die Kreisstra├če (B 236) und die Werner Stra├če (L507). F├╝r den Radfahrer wurde entlang der Stra├če ein Zweirichtungsradweg gebaut und auch in der Presse lobend erw├Ąhnt. Aber: die neue Stra├če durchschneidet einen beliebten Radweg durch Wiesen und Felder zwischen Bork und Selm. Ein ├ťberf├╝hrungsbauwerk f├╝r den Radverkehr war nicht geplant; stattdessen eine h├Âhengleiche Querung mit entsprechender Querungsinsel. Heute wird der Radfahrer vor dieser Querung schont aus der Ferne von 4 ÔÇ×Vorfahrt achten – SchildernÔÇť begr├╝├čt, die nach Aussage des Kreises Unna f├╝r dessen Sicherheit aufgestellt sind. Also hei├čt es f├╝r den Radfahrer: anhalten! Bei der weiteren Nutzung der Querungsinsel wird es eng: die Breite f├╝r den Radfahrer betr├Ągt 2,00 Meter; die Aufstelll├Ąnge 2,50 Meter; (s. Bild 1). F├╝r Radler-Gruppen, Lastenr├Ąder oder Fahrr├Ąder mit Anh├Ąnger ist kein Platz! Die einschl├Ągigen Bauempfehlungen f├╝r solche Inseln (ÔÇ×ERAÔÇť – Empfehlungen f├╝r Radverkehrsanlagen oder Empfehlungen der ÔÇ×AGFSÔÇť – Arbeitsgemeinschaft fu├čg├Ąnger- und fahrradfreundliche St├Ądte) schlagen eine Breite von 2,50 bis 3,50 Meter und eine Aufstelll├Ąnge von mindestens 4,00 Meter vor; davon ist die Selmer Insel meilenweit entfernt. Bei der Begr├╝ndung des Kreises, ÔÇ×die Planung der Stra├če erfolgte vor 25 Jahren; da gab es diese Empfehlungen noch nichtÔÇť, k├Ânnen die Selmer Radfahrer nur die Stirn runzeln, und m├╝ssen sich mit diesem Missstand zuk├╝nftig abfinden.

Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)
Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)

Das zweite Beispiel betrifft den Ausbau der Werner Stra├če (L507) in Selm. Dieses ist die Verbindungsstra├če zwischen Selm und Werne und k├Ânnte mit einem vern├╝nftigen Radweg auch von den Radfahrern und insbesondere der immer mehr wachsenden Zahl der Pedelec-Fahrer als schnelle Verbindung genutzt werden. Zur Zeit verirrt sich kaum ein Radfahrer auf diese Stra├če, denn die Benutzung mit dem Rad ist lebensgef├Ąhrlich (s. Bild 2). Die Selmer Radfahrer nehmen lieber einen Umweg ├╝ber S├╝dkirchen in Kauf, um sicher nach Werne zu gelangen. In Gespr├Ąchen mit der Stadt Selm und dem Kreis Unna wurden den Radfahrern seit Jahren versprochen, beim geplanten Ausbau der Stra├če einen separaten Zweirichtungsradweg anzulegen. Durch Zufall erfuhr der ADFC Selm k├╝rzlich, dass bei der Erneuerung der Fahrbahndecke nun doch kein Radweg gebaut wird. Dies ist besonders ├Ąrgerlich, da in der ÔÇ×ERAÔÇť genau dieser Fall mit einer passenden Bema├čung empfohlen wird. F├╝r den Radfahrer bleibt wieder nur der Randstreifen der Fahrbahn ├╝brig. Eine Anfrage bei StrassenNRW als Baulasttr├Ąger ergab leider keinen Grund f├╝r die Planungs├Ąnderung; daher bleibt nur die Vermutung, dass ÔÇô wie so oft in solchen F├Ąllen – nicht ausreichend Finanzmittel zur Verf├╝gung stehen. Zum Nachteil der Radfahrer!

Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)
Querungsinsel K44n (Foto: ADFC Kreisverband Unna)

F├╝r beide Beispiele, die so gar nicht in unsere Zeit passen wollen, gilt: fahrradfreundliche Planung und Umsetzung sieht anders aus. Im ganzen Land sprechen wir vom Ausbau der Nahmobilit├Ąt und des Radverkehrs. Der NRW Verkehrsminister schw├Ąrmt von Radschnellwegen und Steigerung des Anteils der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr (Modal Split). Aber was kommt davon im Norden des Kreises Unna an? Kaum etwas, bedauert der ADFC und sieht sich in die fahrradmobile Steinzeit zur├╝ckversetzt.

Dieser Beitrag ist zuerst in FahrRad Herbst 2016 des ADFC KV Unna erschienen. Wie ver├Âffentlichen ihn hier mit freudlicher Genehmigung des Autos.

Ein Gedanke zu „Wer baut denn sowas? – Selmer Radfahrer haben wieder mal das Nachsehen

  • 20.10.2016 um 12:47
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    Die Werner Stra├če bin ich selber auch schon so einige Male gefahren. Toll ist die nicht, aber w├╝rde man den Seitenstreifen mitsamt der Begrenzungbaken maaaaaal vern├╝nftig=befahrbar ausf├╝hren, w├Ąre dort bereits sehr viel gewonnen.
    Die Gefahr geht auf dieser Stra├če ansonsten, wenn man die Schlagl├Âcher mal abhakt, von der Vielzahl der gehetzt gefahrenen Kfz aus, die dort besonders h├Ąufig sehr eng ├╝berholen und dann sind da noch die LKW. Dies gemischt mit der Topographie der Stra├če, macht deren Befahrung sehr unattraktiv.
    Aber es ist halt die k├╝rzestes Verbindung in Richtung Selm.
    Die „mittige“ Ausweichroute f├╝hrt ├╝ber schmale landwirtschaftlich genutzt Stra├čen, auf denen einem dann die dort ├╝blichen Dinge widerfahren: Traktoren, Tiertransporter, Bauernglatteis und hie und da Spazierg├Ąnge mit und ohne Hund, die mit dem PKW ins Gr├╝ne fahren.

    Die unterma├čige Querungshilfe ist vom praktischen Gebrauchswert her eher gar kein wirkliches Problem.
    Wollte man es aber wirklich deutlich besser machen, w├╝rde ich empfehlen wieder einmal ├╝ber die Grenze zu unseren Nachbarn in den Niederlanden zu schauen. Klare Markierungen und f├╝r Tempo runter (evtl. Drempel dazu) und evtl. sogar Vorrang f├╝r Radfahrer, die dann gar keine Querungshilfe ben├Âtigen.
    Sowas ist in Schland mit ewig gestrigen und von der Autolobby fremdgesteuerten CSU-Bundesverkehrsministern nat├╝rlich erst am Sankt Nimmerleintag zu machen, das ist mir klar. Ich meine ja nur, es geht eben auch anders – w e n n man will.

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