Kommunalwahl 2014 in Essen: Radverkehr im Wahlprogramm… (1/3)

… fĂŒr die BĂŒrger der Stadt Essen. Da wir ja ein Wahljahr haben und aktuell die Weichen gestellt werden fĂŒr die nĂ€chsten Jahre, hab ich mir mal fĂŒr meine Heimatstadt das Wahlprogramm der grĂ¶ĂŸeren Parteien vorgenommen. Ob und wie die den Radverkehr fördern wollen. Einige Parteien gestalten aktiv, andere wĂŒrden gerne mitregieren.

Gesucht hab ich unter dem Stichwort „Fahrrad“ in den PDF-Dateien der Programme auf den jeweiligen Internetauftritten der einzelnen Parteien. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen bei der Entscheidungsfindung. Geplant sind fĂŒr den Anfang SPD, GrĂŒne, CDU, Linke, FDP und die Piraten. Fehlt noch wer?

Fangen wir mal an mit der aktuellen Mehrheit im Essener Stadtrat: Rot-GrĂŒn:

———————————————————————————————————————————————————

SPD Essen – Auzug aus dem Wahlprogramm:

Außerdem wollen wir langfristig den ÖPNV, das Carsharing, LeihfahrrĂ€der und Taxen so verknĂŒpfen, dass sie eine attraktive und umweltschonende Alternative zum Privatauto bieten. Dies kann z. B. ein Fahrradverleih in der NĂ€he einer Bus- oder Bahnhaltestelle sein, oder abschließbare Fahrradboxen neben Ladestationen fĂŒr Carsharing-Elektroautos. Eine derartige Mobilstation muss fĂŒr FußgĂ€nger sehr gut erreichbar sein und sich stĂ€dtebaulich in die Umgebung einfĂŒgen. Auch eine einheitliche MobilitĂ€tskarte, mit der im öffentlichen Nahverkehr ebenso wie beim Fahrrad-Verleih oder im Taxi elektronisch bezahlt werden kann, ist vorstellbar. Nicht zuletzt schreiben wir uns im Interesse der Umwelt die UnterstĂŒtzung der ElektromobilitĂ€t auf unsere Fahnen – sowohl beim Carsharing als auch im ÖPNV.

Der Radverkehr

Wir setzen uns fĂŒr den weiteren Ausbau des Radwegenetzes, die Realisierung des Radwegs Krupp-Bahn in unserer Stadt sowie die Vernetzung bestehender und neuer Radwege ein. Auch die Vorbehalts- und Angebotsstreifen mĂŒssen weiter ausgebaut werden, um das Radfahren in dieser Stadt sicherer und attraktiver zu gestalten. Die Schaffung von FahrradstellplĂ€tzen und eine Systemausweitung des Fahrradverleihsystems sind hierbei weitere wichtige Aspekte.

Auf regionaler Ebene plĂ€dieren wir fĂŒr den Radschnellweg im Ruhrgebiet und möchten zudem mittels einer Machbarkeitsstudie einen Radschnellweg zwischen Gladbeck und Essen prĂŒfen. Wir hoffen dabei auf eine Förderung durch das Land fĂŒr Radverkehrsprojekte in der Region. Uns ist bewusst, dass Konflikte mit dem motorisierten Individualverkehr nicht vermeidbar sind. Hier möchten wir ein Zeichen in Richtung Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Umwelt setzen. 

Der Fußverkehr

Der Fußverkehr liegt bei der Wahl der Verkehrsmittel mit rund 25 Prozent auf Platz zwei der Verkehrsarten. Diese Bedeutung spiegelt sich kaum in der Wichtigkeit der Planungen. Wir fordern daher, dass der Fußverkehr nicht mit „RestflĂ€chen“ abgespeist wir d, sondern angemessen dimensioniert ist. Denn: Der Raum fĂŒr FußgĂ€nger hat auch soziale Funktion und sollte dementsprechend FlĂ€chen zum Verweilen und zum Aufenthalt bereithalten. Wir fordern nicht zuletzt aus SicherheitsgrĂŒnden eine Trennung von Fuß- und Radwegen und möchten zudem das an vielen Stellen zugelassene halbseitige Parken im Fußverkehrsraum allmĂ€hlich rĂŒckgĂ€ngig machen.

FußgĂ€nger mĂŒssen Straßen mit grĂ¶ĂŸtmöglicher Sicherheit ĂŒberqueren können – wir plĂ€dieren auf der kleinteiligen Quartiersebene sogar dafĂŒr, dass der FußgĂ€nger nach Möglichkeit Vorrang hat. Wir begrĂŒĂŸen Überlegungen, in kleinteiligen VerkehrsrĂ€umen so genannte Begegnungszonen einzurichten, in dem auf Verkehrszeichen u. Ă€. verzichtet wird und somit gegenseitige RĂŒcksichtnahme Vorfahrt hat. Zudem machen

wir uns stark dafĂŒr, auf innerörtlichen Hauptverkehrs- und Kreisstraßen in Einkaufs- und Wohngebieten Tempo 30 anstatt des aktuell geltenden Tempo 50 einzufĂŒhren.

———————————————————————————————————————————————————

Auszug aus dem Wahlprogramm der GrĂŒnen:

Bei kurzen und mittleren Entfernungen ist das Fahrrad das Verkehrsmittel der Zukunft . Es ist nicht nur leise, sauber und preiswert, sondern fördert auch die Gesundheit jedes einzelnen Radlers und jeder einzelnen Radlerin. Dank des Booms bei den ElektrorĂ€dern (E-Bikes, Pedelecs) wird Radfahren auch in bergigen Gebieten und fĂŒr Ă€ltere Menschen immer beliebter. Die GRÜNEN haben sich daher in den letzten Jahren intensiv fĂŒr ein funktionelles und sicheres stadtweites Radwegenetz eingesetzt. Wir fordern eine konsequente Umsetzung des lange geplanten Hauptroutennetzes und des ErgĂ€nzungsnetzes sowie die Nutzung von Straßenbaumaßnahmen zur Optimierung des Radverkehrs.

GRÜNE unterstĂŒtzen den Neu- und Ausbau von stĂ€dteĂŒbergreifenden Radschnellwegen. Dazu gehört vor allem die Realisierung des Radschnellwegs Ruhr zwischen Duisburg und Dortmund. Auf Essener Stadtgebiet muss dazu die fehlende BrĂŒcke der Rheinischen Bahntrasse ĂŒber den Bertold-Beitz-Boulevard ergĂ€nzt werden. Die VerlĂ€ngerung nach Osten ermöglicht den Anschluss an die Kray-Wanner-Bahn nach Gelsenkirchen, Wattenscheid und Wanne-Eickel. Im Norden von Essen unterstĂŒtzen wir einen Radschnellweg nach Gladbeck, wie von Verkehrsminister Groschek im Maßnahmenpaket zum A52-Ersatz vorgeschlagen. Nach Bottrop soll ein

Weg entstehen unter Einbindung des vorhandenen Berne-Radwegs mit BrĂŒckenschlag ĂŒber Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Dieser soll auf Essener Stadtgebiet an die Rheinische Bahntrasse anschließen. Bisher konnten hunderte Einbahnstraßen fĂŒr den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet werden.

Dies soll in allen Stadtbezirken durchgehend umgesetzt werden. Dazu gehört auch eine konsequente Ausschilderung von Sackgassen, die fĂŒr den Radverkehr durchlĂ€ssig sind. GRÜNE setzen sich ein fĂŒr die systematische ÜberprĂŒfung der Markierung, Beschilderung und Verkehrssicherheit von Radwegen sowie die Beseitigung der Probleme bei Schnee- und LaubrĂ€umung. Die QualitĂ€t vorhandener Radwege soll verbessert werden, insbesondere durch Verwendung von Asphalt statt wassergebundener OberflĂ€chen.

Wir möchten diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten fĂŒr FahrrĂ€der an Verkehrsknotenpunkten schaffen und verbesserte Mitnahmemöglichkeiten im ÖPNV ermöglichen, z.B. mit AnhĂ€ngern fĂŒr FahrrĂ€der im Freizeitverkehr.

FĂŒr FußgĂ€ngerinnen und FußgĂ€nger möchten wir die vorhandene Infrastruktur barrierefrei ausbauen, insbesondere an Kreuzungen – Hindernisse fĂŒr Menschen mit Kinderwagen, RollstĂŒhlen, Rollatoren oder einfach nur Koffern sind vermeidbar. Abseits der Gehwege setzen wir uns dafĂŒr ein, Trampelpfade zu erhalten und zu sichern, auf denen FußgĂ€nger ihre Ziele direkt erreichen. Besonderes Augenmerk verdienen die Schulwege, auf denen Kinder konsequent vor Gefahren geschĂŒtzt werden mĂŒssen: Hier sollen Konzepte fĂŒr einen „Schulweg ohne Auto“ die oft angespannte Lage vor Schulen entspannen, indem die sichere Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem Rad, wie Abstellmöglichkeiten an den Schulen, geprĂŒft werden.

———————————————————————————————————————————————————

Falls jemand Interesse hat Ă€hnliches  fĂŒr die NachbarstĂ€dte aufzubereiten, einfach hier melden….

———————————————————————————————————————————————————

Teil 2: http://velocityruhr.net/2014/05/03/kommunalwahl-2014-in-essen-radverkehr-im-wahlprogramm-23/

Teil 3: http://velocityruhr.net/2014/05/03/kommunalwahl-2014-in-essen-radverkehr-im-wahlprogramm-33/

Simon Knur

Planer, Falt- und Liegeradfahrer aus dem Sauerland, wegen der Liebe und dem Job im Ruhrgebiet. Seit 2012 bei VCR und beruflich unterwegs zu den Themen Infrastruktur, Abwasser, Klimaschutz und Klimaanpassung. Blogge mit dem lokalen Schwerpunkt Essen, Radschnellweg und Radkultur.