Essen: Erste Zählungen des Radverkehrs auf Bahntrassen sind online

Nutzerdaten sind ein wichtiger Bestandteil in der Planung. Wenn man belastbare Aussagen treffen will, dann braucht man entsprechende Daten. Das gilt für die Politik ganz besonders, hier wird oft nach dem Nutzen einer Investition gefragt. Die Stadt Essen hat, wie neulich schon einmal berichtet, jetzt auf den Bahntrassen angefangen die Radfahrer zu zu zählen. Bisher mit einer mobilen Zählstelle, die an vier Orten aufgestellt wurde. Aufgrund der Nachfrage wurden die Daten jetzt aufgearbeitet und auf der Stadtseite veröffentlicht. Die Stadtspitze hatte dem RVR bei der RS1-Plandung zugesagt die weitere Planung mit eigenen Daten zu unterstützen. Dem Angebot kommt sie aktiv nach und hat  diese flexiblen Zählstellen eingerichtet. Feste Dauerzählstellen wie in Düsseldorf am Rhein gibt es bisher noch nicht, genauso wie keine Daten aus dem Straßenraum und den innenstadtrouten vorliegen.

Die diese Woche vorgestellten „Heatmaps“ von Bikecitizens lassen aber vermuten, dass es im Essener Süden weitere intensiv genutzt Wege gibt. Die Hyssenallee und die Rüttenscheider Straße dürften sehr starkt genutzt sein, obwohl sie auf weiten Teilen sichere Infrastrukturen vermissen lassen und eine moderne sichere eigene Wegeführung an den Stadtkern und den HBF weiterhin fehlt. Auf den Strecken ist man weiterhin zahlenmäßig blind. Spannend ist immer das Profil der Nutzer, ob es eher „unerschrockene Männer“ sind, die immer fahren oder es sich um Familien mit Kindern handelt, die nur unterwegs sind, wenn die Radwege als sicher empfunden werden. Sichere vollständige Routen fehlen in der Stadt Essen abseits der Bahntrassen weiterhin, Daten zu den Nutzern sind ein erster Schritt besser zu planen.  Attraktive Nord-Süd-Routen fehlen in der Stadt genauso, wie eine gute Ost-West-Route durch die Innenstadt. Weltweit hat sich Erkenntnis längst durchgesetzt, dass Fahrrad fahrende Senioren und Frauen mit Kindern die Königsklasse im Radverkehr sind, da Mütter bei Sicherheitsfragen  im Straßenverkehr einen deutlich höheren Anspruch haben, als z.B. Rennradfahrer die man auf jeder halbwegs ordentlich asphaltierten Straße antreffen kann. Die vorliegenden Daten sind bisher quantitativer Art für die besten Strecken, die die Stadt Essen bisher zu bieten hat.

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Wenig überraschend ist der Freizeitverkehr an den Wochenenden und an den Feiertagen, da die Bahntrassen als sicherer Ausflugsort kinderfreundlicher sind, als weite Teile der restlichen Stadt. Die Schwankung zwischen den Werktagen und Feiertagen sind mit 10-25% eher geringer als ich persönlich erwartet hätte. Die Rheinische Bahn hat somit schon im ersten Jahr an den Zählstellen  rund 30-50% der in der Machbarkeitsstudie zum Radschnellweg Ruhr erwarteten Auslastung erreicht worden. Und das, obwohl in den Herbst- und Wintermonaten von September bis Januar gezählt wurde.

Bei der Diskussion um Freizeitradwege zeigt die Zählstelle „Brücke Helenenstraße“ auf, das Wochentags mehr Betrieb ist als am Wochende. Bei 1durchschnittlich 1092 Radfahrern am Tag und bis zu ca. 1700 Radfahrern in der Spitze sollte die Diskussion über eine Brücke am Bertholt-Beitz-Boulevard definitiv zu den Akten gelegt werden. Rechnet man das durch, dann quert im Schnitt in der aktiven Zeit zwischen 5 Uhr Morgens und 22 Uhr Abends mehr als ein Radfahrer pro Minute den Beitz-Boulevard (ca. 65 Radfahrer/h). Und die Fußgänger, Skater, Longboardfahrer und Jogger sind da noch nicht mit eingerechnet.

Spannend ist der Blick auf die Regenwettertage, wo einen „Grundlast“ an Radfahrern sichtbar wird, die Trotz der „Wassermassen“ weiterfahren. Der Zeitraum zwischen 7-17 Uhr lässt hier vermuten, dass es sich um Pendler handelt, die einfach durchradeln und sich an das schlechte Wetter angepasst haben.

Auf DerWesten wurden das Thema heute auch schon behandelt. Wir sind gespannt, wie sich die weiteren Zählungen an neuen Standorten entwickeln werden. Aktuell liegt die Zählstelle wieder am Grugaradweg.

Simon Knur

Planer, Falt- und Liegeradfahrer aus dem Sauerland, wegen der Liebe und dem Job im Ruhrgebiet. Seit 2012 bei VCR und beruflich unterwegs zu den Themen Infrastruktur, Abwasser, Klimaschutz und Klimaanpassung. Blogge mit dem lokalen Schwerpunkt Essen, Radschnellweg und Radkultur.

3 Gedanken zu „Essen: Erste Zählungen des Radverkehrs auf Bahntrassen sind online

  • 17.01.2016 um 22:25
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    Das in dem Sheet zur Rheinischen Bahn / Helenenstraße der Freitag so hervorsticht liegt wohl am 1. Mai, einem Feiertag mit gutem Wetter in der Verbindung mit dem recht kurzen Erhebungszeitraum…

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    • 19.01.2016 um 19:51
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      Der Ausreißer ist aber kleiner als erwartet. Im Vergleich zum 2. Weihnachtstag ist das ja eher Überschaubar.

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