Planung und Nutzererfahrung – Drängelgitter
Radfahrer wissen es schon länger: Nichts ist nutzloser und lästiger als Drängelgitter. Es ist die stahlgewordene Unterstellung, dass Radfahrer an einer in der Regel fiktiven Gefahrenstelle vorsorglich den KFZ-Verkehr nicht durch Unfälle stören sollen. Der Bund der Steuerzahler sollte diese Art der Geldverschwendung dringend sanktionieren. In Bochum sieht man die planerische Ignoranz an dieser Stelle an einem Geh-und Radweg perfekt: Sämtliche Nutzer, egal ob zu Fuß, mit dem Hund oder auf dem Rad, umgehen den Stahlschrott der autogerechten Stadt. Statt organischer Wege hat man einmal rechtwinklige Zugänge angelegt. Die Folge sind klassische „Trampelfpade“, das entstehen der echten benötigten Wege. Die Stadt Kopenhagen nutzt diese „Desire lines“ übrigens an vielen Stellen als Möglichkeit zur Optimierung. Die dümmliche Reaktion von deutschen Verwaltung zur „Gefahrenabwehr“ erfolgt dann meistens in Form unbeleuchteter Felsen, die als neue Blokade aufgebaut werden und eben nicht durch bessere Wegeverbindungen. Dabei nutzt kein Mensch nutzt gerne 90° Grad Winkel in Wegen.
Das Gitter steht frei auf dem Weg und sorgt nur dafür, dass NutzerInnen von Kinderwagen sich die Füße dreckig machen. Wann werden diese Gitter in den AGFS-Städten eigentlich endlich verboten?
Wo steht diese Sperre? Es wurde schonmal ein Großteil der noch vorhandenen Sperren geprüft, die meisten sollen abgebaut oder so umgebaut werden, dass sie nur noch Indikatorwirkung haben. Wenn die hier nicht sowieso schon auf der Liste steht, kommt sie mit drauf.
Ich tippe auf Darpestraße Abfahrt Erzbahntrasse.
Was meinst du mit Indikatorwirkung?
Vorbildlich!
Mit „Indikatorwirkung“ (hm, habe ich mir das Wort jetzt selber ausgedacht?) meine ich, dass z.B. durch nur noch ein verbleibendes Element nur noch ersichtlich wird, dass irgendeine besondere Situation auf den Radfahrenden zukommt. In Hattingen gibt es auf dem Ruhrtalradweg z.B. eine vollständige Umlaufsperre, die aber mittlerweile so sehr verbreitert ist, dass man – wenn man das kennt und kann – sehr zügig durchfahren kann. Für alle Neuen ist das der Hinweis, dass hier irgendwas passiert. An der beschriebenen Stelle fängt ein Campingplatz an.
Teils bleibt wohl auch ein Element stehen um Konfliktpunkte von Fuß- und Radverkehr zu entschärfen. Also beispielsweise an uneinsehbaren Ecken.
Ich muss ja auch nicht alle Begriffe kennen … Also am Ende die gleiche Funktion wie Blumenkübel und Baumscheiben in Tempo 30-Zonen. Fände ich natürlich schöner als Umlaufschranken.
Schon vor Jahren hatte ich schon mal über die Möglichkeit geschrieben, die Probleme zu entschärfen:
https://adfc-blog.de/2014/04/umlaufschranken/
Nix was man durch Gestaltung und Farbe nicht besser lösen könnte. 😉
Ich dachte durch Farbe kann man keinen Auto abhalten, auf die Radinfrastruktur zu kommen^^.
Die Sperren richten sich historisch gesehen meistens gegen Motorräder und Mofas…
… und heute stellen RVR und Emschergenossenschaft die gegen Autos auf.
In Weil am Rhein hat man gegen abkürzende Autos statt einer amtlichem Umlaufschranke es nun erst einmal so probiert:
Der Sockel ist eine grandiose Schnapsidee, nur eine Frage der Zeit, bis da jemand hängen bleibt und sich lang macht. Da ist eine Umlaufsperre ja fast noch die weniger schlechte Lösung, die kann man wenigstens nicht übersehen. Besser: Sockel weg und ggf. Pfosten enger. In vielen Fällen wäre es ohnehin besser, erst einmal abzuwarten, ob es überhaupt zu massenhaftem Kfz-Missbrauch kommt, bevor man Hindernisse aufbaut.
Der Weg ist vor ein paar Jahren gebaut worden. Er ist *googlegoogle* als Lückenschluss für Pendler geplant im Radverkehrskonzept der Stadt. (S. 56)
Ich habe ihn auch schon vor einigen Jahren dort gesehen und zwar ohne die Einschränkungen. Ich meine, dass diese Verengung erst dieses Jahr da war. Die Tage las ich auch in der VeloPost 1/2017 dazu (S. 9):
Den Sockel finde ich auch komisch.
Übrings aus dem Pendlerfond Basel finanziert.
http://www.mobilitaet.bs.ch/gesamtverkehr/verkehrsstrategie/pendlerfonds/bisher-unterstuetzte-projekte-neu.html
http://www.mobilitaet.bs.ch/gesamtverkehr/verkehrsstrategie/pendlerfonds.html
So, nachdem ich sie gefunden habe, hier noch Bilder aus dem Jahre 2015, als das wohl gerade fertig war. Da gab es die Kanten noch nicht.
Und das andere Ende damals:
Norbert hat Recht, Abfahrt Erzbahn Darpestraße…
😉
51.487727 7.1814863,603m
Die Sperre ist nur noch nicht optimiert worden, wie es in anderen Ecken Bochums üblich ist. Das ist auch kein Einzelfall, da steckt System dahinter. 😉
Fortsetzung 2019:
Das gezeigte Drängelgitter an der Darpestraße in Bochum soll wieder aufgestellt werden und die Umfahrung verhindert werden.
Bezirksvertretung Bochum-Mitte (Sitzung am 16.05.2019, Antrag SPD-Grüne)
https://session.bochum.de/bi/to0040.asp?__ksinr=11487
(-> Erzbahntrasse/Darpestraße, Antrag mit Plan und Foto)
„Die Bezirksvertretung Bochum-Mitte beauftragt die Verwaltung, den ordnungsgemäßen Zustand [des Drängelgitters] wiederherzustellen und die Begrenzungen Richtung Westen zu verlängern.“
Grüne Radverkehrsförderung … 🙁