Naturschutz setzt Schlaglochpiste durch

Einer der seltenen Erfolge des Naturschutzbeirates der Stadt Dortmund geht zu Lasten des Rad- und Fußverkehrs. Der Protest gegen einen asphaltierten Rheinischen Esel, geführt auch mit dem falschen Argument, es handle sich beim Rheinischen Esel um ein Naturschutzgebiet, konnte den Stadtrat überzeugen, berichtet Radio 91.2. In der einstündigen Debatte konnten die Grünen, in Dortmund bisher nicht als engagierte und sachkundige Förderer des Rad- und Fußverkehrs aufgefallen, durchsetzen das auf 600 Metern in Zukunft eine Schlaglochpiste bleibt. Welche Deckschicht bei einer ökologischen Gesamtbetrachtung besser abschneidet, weiß ich nicht. Asphalt ergibt am Lebensende Sondermüll, während eine wassergebundenen Decke eine Sandflatrate braucht und geeigneter Sand ist nicht unendlich verfügbar usw. usf. Das ist sicherlich schwer in Beziehung zu setzen. Aus meiner Sicht muss es auch nicht Asphalt sein. Andere Oberflächen werden aber gar nicht erst diskutiert. Damit wurde in der Debatte aber gar nicht wirklich argumentiert. Soweit ich das überblicken kann, ging es vor allem um Reibungswiederstände für Radfahrer*innen und die Barriere- und Fallenwirkung für kleine Tiere. Eine Studie, die dass für verschattete Wege näher betrachtet in Abhängigkeit von der Oberfläche konnte ich bisher nicht finden. Besonnter Asphalt (aber welcher genau?) scheint sich wohl etwas stärker aufzuwärmen, sodass dies ein Indiz ist, dass es hier auch sein könnte, aber noch lange kein Beleg. Außerdem fehlte das Thema Barrierefreiheit in der wahrnehmbaren Debatte.

Update 16. 11. 2018 20:13

Wie die Ruhr Nachrichten in der morgigen Ausgabe berichten, konnte sich die SPD nicht durchsetzen, die eine helle Asphaltdecke im entsprechenden Bereich vorschlug.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

5 Gedanken zu „Naturschutz setzt Schlaglochpiste durch

  • 18.11.2018 um 10:12
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    Das ist fatal. Die Aussage der Grünen Fraktionssprecherin auf der Seite von Radio 91.2 ist nicht ganz schlüssig: Sie spricht von einem Kompromiss und davon, dass sie anerkennt, dass der Rheinische Esel eine wichtige Radverkehrsverbindung sei. Einen wichtigen Radweg nicht zu asphaltieren, ist aber überhaupt kein Kompromiss.

    Wenn es zumindest in Richtung Kompromiss gehen soll, dann muss die Verwaltung mindestens verpflichtet werden, die wassergebundene Decke intensiv – also über das übliche Maß hinausgehend – zu pflegen. Dazu muss die Kommunalpolitik dann aber auch zusätzliche finanzielle und ggf. personelle Ressourcen zur Verfügung stellen. Das wäre vielleich ein „Immerhin“ wert. Mir dünkt aber, dass das nicht geschehen ist und nicht geschehen wird.

    Wer sehen will, wie wassergebundene Decken in aller Regel aussehen, wenn die Städte sie mit den heutigen Kapazitäten „pflegen“, sollte jetzt noch schnell die Springorumtrasse in Bochum oder die ehemalige Bahntrasse in Hattingen entlangfahren. Die Trasse in Bochum wird jetzt bis zum kommenden Mai asphaltiert, für die Hattinger Trasse hat die Verwaltung finanzielle Mittel für eine Asphaltierung in die Haushaltsberatungen eingebracht. Dort wurde verstanden, dass die Qualität der wassergebundenen Decken miserabel und nicht geeignet ist um ein Umsteigen auf’s Rad zu begünstigen.

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    • 18.11.2018 um 14:22
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      Es braucht eine glatte Oberfläche, die winterdiensttauglich ist – ob Asphalt oder was anderes, ist mir ziemlich egal.

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      • 21.11.2018 um 8:55
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        Was für andere „glatten“ Oberflächen außer Asphalt gibt es denn überhaupt?

        Da bliebe wohl nur Pflaster – und das ist m. E. für Radverkehr nicht minder ungeeignet.

        Man müsste den Leuten mal diese Mentalität austreiben, dass „nur“ für Radfahrer eine Schotterpiste ausreichend wäre. Würde man sich beim motorisierten Verkehr eher nicht trauen.

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        • 21.11.2018 um 23:56
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          Pflaster fände ich deutlicher besser. Es gibt verschiedenen andere Oberflächen, die vor ein paar Jahren in Würzburg getestet wurden neben den Klassikern. Wassergebundene schnitt nicht gut ab damals.

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          • 24.11.2018 um 10:49
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            Nä, Pflaster ist auch doof. Mit dem Rennrad spürste da quasi jede Rille. Führt zu bad vibrations. Einziger Vorteil von Pflaster: Es trocknet in aller Regel deutlich schneller ab als Asphalt.

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