Rheinischer Esel: Naturschutzbeirat Dortmund stellt sich quer

Angeblich wollen BUND und NABU ja mehr Radverkehr. Dafür könnten sie sich auch im Beirat bei der unteren Naturschutzbehörde stark machen. Machen Sie sich aber nicht, wie der diese Woche einstimmig gefallene Beschluss zeigt, bei der Asphaltierung des Rheinischen Esels zu widersprechen.  Ob es sich bei der Asphaltierung eines bestehenden Weges auf einer alten Bahntrasse um einen Eingriff in die Landschaft handelt, kann nicht beurteilen und wenn,  würde mich interessieren, auf welcher wissenschaftlich validen Grundlage man dazu kommt und wie groß die Wirkung ist.

Am Ende ist die unbeantwortete Frage, bei welcher Lösung mehr kleine Tiere sterben. Die Naturschützer meinen, der durch Bäume beschatte asphaltierte Weg würde dazu führen, dass junge Amphibien angelockt werden und somit überfahren werden könnten. Jedoch müssen bei wassergebundenen Decken (auch wenn der Name es nahelegt, sind dass keine wasserdurchlässige Decken) regelmäßig schwere Wartungsfahrzeuge da lang fahren, die ganz sicher keinem Lurch ausweichen können. Hinzu kommen die toten Tiere auf umliegenden Straßen aufgrund von mit dem Auto statt dem Rad durchgeführten Fahrten in unbekannter Größe. Wer saut sich außer dem Ratsvertreter Münch, glühender Verfechter des Status-Quo,  auf dem Weg zur Arbeit schon gerne ein?

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

4 Gedanken zu „Rheinischer Esel: Naturschutzbeirat Dortmund stellt sich quer

  • 08.09.2018 um 8:35
    Permalink

    Neben der grundsätzlichen Ambivalenz der Naturschutzorganisationen bei diesem Thema erstaunt mich ja immer wieder, wie vehement über bzw. gegen sinnvolle Radverkehrsinfrastruktur gestritten und wie laut beim Bau neuer Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete geschwiegen wird.

    Sinnvollere Breiten als schon heute zu schmaler 3m werden heute bisher häufig gar nicht erst angegangen, weil dann umfangreichere Naturschutzgutachten erstellt werden müssten, die dann von den Naturschutzbeiräten abgesegnet werden müssten. Also bauen wir wissentlich konfliktfördernde Infrastruktur anstatt zukunftsgerichteter komfortabler Alternativen zu den vom motorisierten Verkehr dominierten Straßen.

    Es gibt ja durchaus einige Menschen in Politik und Verwaltungen, die gerne mehr täten – die Angst vor kritischen und auch mal grundsätzlichen aber auf Dauer unausweichlichen Auseinandersetzungen wiegt bisher doch noch schwerer als der gesunde Menschenverstand.

    Antwort
    • 08.09.2018 um 18:43
      Permalink

      Zwei kleine Anmerkungen:
      – Ich tue mich immer schwerer mit dem Begriff des gesunden Menschenverstandes. Damit kann man alles begründen wie mit „Evangelium“ in der Kirche. Meist erscheint mir das nichts anderes als die Verabsolutierung und Verobjektivierung des eigenen subjektivem Empfinden. In der Sache gebe ich dir aber Recht, dass man viel zu häufig notwendigen Diskussionen ausweicht. Deren Notwendigkeit erschließt sich, wenn man hochrechnet, wo man landet, wenn die Entwicklungen weiter gegen wie bisher. Das meintest du sicherlich hier.
      – Der Beirat bei der Unteren Landschaftsbehörde spricht zwar Empfehlungen aus, aber politische Mehrheiten gibt es dafür in der Regel nicht, daher verstehe ich die Angst vor den Beiräten nicht.

      Antwort
      • 08.09.2018 um 23:25
        Permalink

        Ja, „gesunder Menschenverstand“ ist verallgemeinernd. Das schreibt und sagt sich eben leichter als „aufgrund empririsch belegter bisheriger und mit hoher Validität zu prognosdizierender künftiger Entwicklungen [bei/hinsichtlich/in Bezug auf …] sowie wissenschaftlich belegter Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen […]“

        Mein letzter Absatz sollte sich eigentlich nicht nur auf den Naturschutzbeirat beziehen. Insgesamt scheint es mir so zu sein, dass man sich jetzt einmal auf z.B. 3 Meter Breite festgelegt hat und davon nicht mehr abrücken möchte, weil dadurch größere Flächen zu asphaltieren wären, ggf. mehr Bäume (wieder) entfernt werden müssten und weil dadurch teilweise über die bisherige Verkehrsfläche von ehemaligen Bahntrassen hinaus und damit außerhalb des „Natur auf Zeit“-Gebietes tätig geworden werden müsste. Klar, jeder zusätzliche Meter macht mehr Arbeit und zieht weitere Fragen nach sich. Bei den einmal festgelegten Flächen zu bleiben, ist dagegen bequem.

        Unbequem wäre es vielleicht, wenn Berichte über Konflikte auf Geh- und Radwegen häufiger sachlich neutral ausfielen und häufiger darauf hingewiesen würde, dass einer der Gründe für diese Konflikte inbesondere in zu gering bemessenen Flächen zu suchen ist.

        Antwort
        • 09.09.2018 um 2:29
          Permalink

          Breiten für Geh- und Radwege in Richtlinien kann man sich nicht herleiten, die stehen halt einfach so im Raum. Keine Ahnung wie man da auf 1,85 Breite für einen Schutzstreifen kommt. Was verändert sich beim konkreten Überholvorgang wenn ich wenig Radverkehr habe, sodass ein Radweg 0,40 m schmaler sein darf? Genauso willkürlich fallen auch die 3 Meter vom Himmel.

          Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.