Unfall auf Resteinfrastruktur in Dortmund

Eine Radfahrerin befuhrt vor ein paar Tagen bei Tageslicht die Straße Im Spähenfelde Richtung Süden. Hier ist der Gehweg für Radfahrer freigegeben (Polizei: „kombinierten Fußgänger-/Rad-weg). Auf einem längeren Stück ist der Gehweg dafür definitiv zu schmal aber protected. Auch im Abschnitt, der dann breiter ist, ist der Weg protected – also mit gefährlichen Pfosten versehen. Insgesamt wurden nach Festlegung der Fahrbahnen für den Kfz-Verkehr die Reste als Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr definiert, die man auch andersweitig nutzen kann und die nicht durchgängig konzipiert ist, genaugenommen wird das da gar kein Konzept gegeben haben. Resteinfrastruktur halt.

Um die Körnebachstraße zu überqueren, muss man dann nach links fahren auf dem Gehweg, um über eine Absenkung die Fuhrt zum Queren der Straße zu erreichen. Ihr entgegen kam ein Autofahrer, der in eben diese Straße einbiegen wollte. Nach eigenen Angaben hielt der Autofahrer komplett an. Wenn das stimmt, zeigt sich mal wieder, dass Resteinfrastruktur in schlechtem Zustand unnötige Unfälle produziert. Der Autofahrer sieht die Radfahrerin und hält so, dass sie geradeaus weiter fahren kann und er nicht gleichzeitig durch Raser zerlegt wird, während diese aber sich kurz vor der Kreuzung links halten muss und schon kommt es zu einer Kollision unter Beteiligung des stehenden Autofahrers und der Schrittgeschwindigkeit fahrenden Radfahrerin. Richtig plausibel ist der Ausgang der Begegnung aber nicht. Wenn die Radfahrerin im Folgenden Kontakt zu Motorhaube und Windschutzscheibe hatte, spricht doch einiges dafür, dass sie schneller war als erlaubt oder/und das Auto nicht stillstand. Was genau passiert ist, wird nun die Polizei ermitteln. Zu den Aufgaben polizeilicher Pressearbeit gehört auch, präventiv tätig zu sein. Daher preist man direkt und indirekt gerne Fahrradhelme, so auch in der Pressemitteilung zu dem Unfall.

Sie erlitt dabei Schürfwunden an der rechten Schulter. Da sie bei dem Unfall einen Helm trug, erlitt sie augenscheinlich keinerlei Kopfverletzung

So viel wie hier offen ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass bereits feststeht, dass sie mit dem Kopf aufgekommen ist beim Primärkontakt mit dem Auto. Denkbar ist es, aber bei weitem nicht zwingend. Erst vor einigen Wochen hat mir die Pressestelle in einem Telefonat erklärt, dass sie aufpassen müssen, was sie genau schreiben, damit hinterher keine juristischen Probleme entstehen, weil in einer amtlichen Meldung etwas Unbelegtes als Tatsache stand. Daher müsste es eigentlich hier heißen, dass die weiteren Untersuchungen ergeben werden, ob der Helm Unfallfolgen gemildert hat. Was hätte sie sonst schreiben mit präventiver Absicht anstelle das Helmthema aufzugreifen, wenn hier auch indirekt an das Tragen appelliert wird? Dass man Dortmunder Radinfrastruktur besser meidet, wäre zwar ehrlich, aber das gäbe hinter den Kulissen sicherlich Verstimmungen.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er als Kooperationspartner von VeloCityRuhr über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund. Er ist per PGP-Schlüssel erreichbar (Testphase) über die E-Mail-Adresse norbert.paul@velocityruhr.net

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