»Die Radfahrer haben an dieser Stelle das kleinere Recht« – alles beim Alten bei der Löttringhauser Straße

Wie die Ruhr Nachrichten in der heutugen Ausgabe berichten, passiert an der Löttringhauser Straße nichts. Die Grünen hatten nun einen Schutzstreifen bergauf – gerade auch für die Kinder auf dem Rückweg vom Freibad – und den Wegfall der Parkens in dem dafür notwendigen Umfang gefordert. Das ist, wie ich vorgestern hier berichtet habe, problemlos möglich. Außer dass ich nichts von Schutzstreifen halte, klingt das nach einer sinnvollen und deutlich bessere Forderung als vor drei Jahren ursprünglich gefordert – wegen der Dortmunder Geheimniskrämerei im Ratsinformationssystem ist der Antrag für uns Bürger*innen (noch) nicht einsehbar. Da hat mein Reden zumindest bei den Grünen Früchte getragen, dass hier ein ausreichend breiter Schutzstreifen/Radfahrstreifen bergauf weit besser ist als zwei Mindestmaßer neben parkenden Autos. Revolutionär ist der Antrag ganz sicher nicht, aber er geht in die richtige Richtung, wie die GRÜNEN in einer Pressemitteilung zu Recht schreiben.

Zu den Zielen des ebenfalls in der Sitzung behandelten Zielkonzepts des Masterplan Mobilität 2030, was einstimmig empfohlen wurde, gehörte die Förderung des Fuß- und Radverkehrs. „An der Löttringhauser Straße wäre ein erster Schritt möglich gewesen“ meint Susanne Lohse.

Wie die Ruhr Nachrichten berichten, wurde gegen Verbesserungen für den Radverkehr u. A. damit argumentiert, dass dort kaum Rad gefahren würde und der Ortstermin hätte bekräftigt, dass alles beim alten bleiben solle. Wie man zu solchen Ergebnissen kommt, hatte ich gestern geschildert. In dieser Stimmung kam aus der Koalition der Unwilligen auch noch das Argument, es sei zu steil zum Fahrradfahren an der Stelle. Oh mein Gott, ich muss übermenschliche Kräfte haben. Und ich fahr noch viel steilere Straßen problemlos rauf.

Es ist leider typisch für Dortmund, dass man mehrheitlich in der Lokalpolitik Veränderungen im Verkehrsbereich nur akzeptiert, solange diese keine Veränderungen im Leben der Lokalpolitiker*innen bedeuten. Deshalb fördert man E-Mobilität und beschließt wage Ziel für die ferne Zukunft, z. B. den Radverkehrsanteil zu verdoppeln. Der Gestaltungswille der Lokalpolitik ist in Dortmund längs abhanden gekommen, womit sich Politik am Ende überflüssig macht. Den Status-quo fortschrieben kann die Verwaltung auch so.

Wie weit von einer Sachpolitik die Lage längst entfernt ist, zeigt die Äußerung des über das Ticket der AfD in die BV gelangte inzwischen parteilose Klaus-Werner Schröter, der den Wegfall von Parkplätzen laut Ruhr Nachrichten für unzumutbar hält. Er sagte dazu:

Die Radfahrer haben an dieser Stelle das kleinere Recht.

Was auch immer ein kleineres Recht sein soll. 4 statt 62 Paragrafen ? Die Rechtsgrundlage für diese These wüsste ich auch mal gerne.  Aber wen interessiert das alles schon, wenn das Grummeln des gesunden Menschenverstandes – eh bekannt als Referenz auf die eigene Weltanschauung, wenn es an Argumenten fehlt – sich als populistische Blähung zu erkenne gibt und den Weg nach draußen sucht?

Ergänzung 14. 02. 2018 16:33

Heure überliefert die Ruhr Nachrichten eine weitere Weisheit aus dem Mund von Klaus-Werner Schröter. Es ging darum, wie man das Verkehrschaos an der Post lösen soll, dass dadurch entsteht, dass man am liebsten in die Post fahren würde und die Straße auch noch eng ist:

Die Leute regeln das schon irgendwie.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

2 Gedanken zu „»Die Radfahrer haben an dieser Stelle das kleinere Recht« – alles beim Alten bei der Löttringhauser Straße

  • 10.02.2018 um 21:11
    Permalink

    Recht hat er, alles über 2% Steigung ist doch für ein Radfahrer geschweige denn für eine Radfahrerin unmenschlich, sowas machen wenn dann mal die Profis auf den großen Rundfahren, aber solche Tatsachen sind in der regulären Verkersplanung zu vernachlässigen. Und wo Radfahrer eh nicht fahren können, da braucht man diese auch nicht zu berücksichtigen, oder gar aktiv etwas für diese möchtegern Gutmenschen tun. Das wäre wie ein Walfangverbot in der Sahara.

    Mal unter uns zwei… so ganz privat… so will Dortmund eine Verkehrswende schaffen?

    Antwort
    • 10.02.2018 um 21:44
      Permalink

      Will das Dortmund? Ich verweise nur auf die emissionsfreie Innenstadt, die gar keine emissionsfreie Innenstadt sein soll und die den Kfz-Verkehr gar nicht erschweren soll und in der dann die Leute durch Geisterhand umsteigen, weil die gepflegten Dortmunder Radwege überzeugen? In der Stadt, in der man lieber Schalkefan wird, als richtliniengerechte Radinfrastruktur zu Lasten des ruhenden Kfz-Verkehrs umzusetzen? In der Stadt, an der die Anzahl an engagierten Radfahrer*innen mit einer regelmäßigen Medienpräsenz ihrer Kritik genau „2“ ist bei 600.000 Einwohner*innen?

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.