Jahresrück- und ausblick Bochum

Im letzten Jahr haben wir immer wieder positiv – aber nicht nur – über Bochum berichtet. Das nehmen wir zum Anlass die Stadt Bochum um einen Rückblick und einen Ausblick auf das begonnene Jahr zu bitten. Der Bochumer Nahmobilitätsbeauftragter Matthias Olschowy hat mich dafür mit umfassenden Infos versorgt. Auf seinen Ausführungen basiert der Großteil des Artikels.

Substanzielle infrastrukturelle Fortschritte 2017

 

Im Jahr 2017 konnten einige der vorgesehenen Arbeiten zur Verbesserung der Radverkehrssituation umgesetzt werden, andere mussten aufgrund verschiedener Umstände verschoben werden. Gründe hierfür liegen einerseits in problematischen Grundstückskonstellationen, erforderlichen Abstimmungen mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW, nur geringer Verfügbarkeit von ausführenden Firmen und andererseits an limitierten Personalkapazitäten in den Bereichen der Ausschreibung und der Instandhaltung.

Dennoch konnten einige Baumaßnahmen umgesetzt und abgeschlossen werden:

  • Kreuzung Wittener Straße/Ostring/Massenbergstraße umgestaltet
    In der Nord-Süd-Beziehung konnte die Fahrbahn teils neu aufgeteilt werden, wodurch Radfahrstreifen, und eine separate Fahrradsignalisierung installiert werden konnten.
  • Radfahrstreifen auf dem Werner Hellweg verlängert
    Die bisherigen Radfahrstreifen zwischen Havkenscheider- und Laerfeldstraße wurden über den Anschluss zur A43 hinweg bis zur Straße Am Koppstück verlängert.
  • Unterstraße vollständig mit Radverkehrsanlagen versehen
    Die Unterstraße wurde im Zuge von Kanalbauarbeiten und der Installation einer Straßenbahnverbindung vollständig umgestaltet, es konnten bis zur Overlacker Straße hin Radverkehrsanlagen angelegt werden.
  • Umlaufsperren um- und abgebaut
    Im ganzen Stadtgebiet konnten an 21 Stellen Umlauf- und Wegesperren entweder ganz oder teilweise entfernt bzw. fahrradfreundlich umgestaltet werden.
  • Schloßstraße asphaltiert
    Die Schloßstraße zwischen Springorumtrasse und Hattinger Straße konnte auf dem bisher nur mit schlechter wassergebundener Decke versehenen Teilstück asphaltiert werden.
  • Geh- und Radwegeberbindung Im Lottental bis Eichenweg asphaltiert
    Die Geh- und Radwegeverbindung zwischen Im Lottental und Eichenweg konnte durchgehend asphaltiert werden. Hier ist dadurch eine qualitativ hochwertige Verbindung mit moderater Steigung zwischen dem Ruhrtal und Weitmar Mark entstanden.
  • Geh- und Radweg zwischen Bahnhof Dahlhausen und Eisenbahnmuseum fertiggestellt
    Der neue Geh- und Radweg zwischen dem Bahnhof Dahlhausen und dem Eisenbahnmuseum konnte fertiggestellt werden. Hierüber wird auch das Neubaugebiet südlich der Dr.-C.-Otto-Straße bzw. nördlich des neuen Weges für den Rad- und Fußverkehr erschlossen. Am Bahnhof Dahlhausen befinden sich auch das lokale Nahversorgungszentrum sowie die Endhaltestelle der zum Bochumer Zentrum fahrenden Straßenbahn.
  • Zusätzliche Anlehnbügel
    Es konnten neue Anlehnbügel im Westpark (zum Gerard-Mortier-Platz hin), am Haupteingang des Tierparks, am Eisenbahnmuseum und an der Wittener Straße zwischen ZOB und Technischer Beruflicher Schule installiert werden. Weitere Anlehnbügel wurden bei niederflurgerechten Umbauten von Haltestellen aufgebaut.
  • Neugestaltung Mitarbeiterparkplatz
    Für die Personen, die im Technischen Rathaus arbeiten, konnte der bereits bestehende Fahrradparkplatz sinnvoll nutzbar gemacht werden: Das Tor schließt nun selbständig, der Zugang in das Gebäude ist für Mitarbeitende möglich, die Zeiterfassung kann jetzt direkt an diesem Eingang erfolgen und die bisherigen Felgenklemmer konnten gegen stabile Anlehnbügel ausgetauscht werden.

Begonnen, aber noch nicht abgeschlossen wurden drei weitere Maßnahmen:

  • Schützenstraße, Anlage von Schutzstreifen zwischen Am Thie und Engelsburger Straße
  • Bochumer Straße, Anlage von Radverkehrsanlagen im Rahmen von Straßensanierung und Haltestellenumbau
  • Alte Wittener Straße, Anlage von Radfahrstreifen

Daneben wurde als 3. Bauabschnitt Springorumtrasse der Lückenschluss zwischen altem Bestand der Neveltaltrasse zwischen Dahlhausen und Schloßpark Haus Weitmar auf der südlichen und den bereits ausgebauten Teilen nördlich der Hattinger Straße konnte durch den RVR fertiggestellt.

 

Substanzielle infrastrukturelle Fortschritte 2018

Die endgültige Jahresplanung erfolgt Anfang Februar, Wir werden dann berichten.

Baubeginn Radschnellweg Ruhr (RS 1 in Bochum)

In Bochum wird mit dem Bau des RS1 im Jahr 2018 im Bereich „Grüner Rahmen“ begonnen. Der Abschnitt beginnt am bestehenden Geh- und Radweg, der unter der Alleestraße hindurchführt und an die Stahlhauser Straße anschließt und endet an der Bessemerstraße.

Hier wird der RS1 zunächst über die bestehende und dann sanierte / umgebaute Windhauser Straße geführt, bevor er auf die bisherige Brachfläche verschwenkt. Dort erhält der RS1 seine eigenständig geführte Trasse, über die die Bessemerstraße erreicht wird.

Auf den Abschnitten zwischen Gelsenkirchen und Gahlensche Straße sind Rodungsarbeiten für den Herbst 2018 geplant.

Wittener Straße

Im letzten Jahr kritisierten wir den Umgang mit dem Radverkehr im Verlauf der Wittener Straße. Die Stadtverwaltung sieht weiterhin unter den aktuellen Gegebenheiten hinsichtlich des Verkehres auf der Wittener Straße derzeit keine Möglichkeit gegeben, Radverkehrsanlagen zu installieren. Würde die Fahrbahn neu aufgeteilt, ergäben sich hieraus teils erhebliche Leistungsfähigkeitseinbußen für den motorisierten Verkehr. Solche Veränderungen seien unter den gegebenen rechtlichen und politischen Voraussetzungen nicht denkbar.

Schlussfolgerungen aus dem Abschneiden beim Fahrradklimatest

Der Fahrradklimatest stellt eine Momentaufnahme und ein subjektives Stimmungsbild der sich an der Umfrage beteiligenden Radfahrenden dar. Da sich die Befragung jeweils auf das gesamte Stadtgebiet bezieht und jeweils nur pauschale Aussagen getroffen werden können, können auch die Ergebnisse zunächst als Indikatoren dafür dienen, welche Probleme insgesamt in der Stadt gesehen werden bzw. in welchen Bereichen die Stadt insgesamt (relativ) gut positioniert ist.

In Bochum wurden insbesondere das Angebot an Leihrädern, die Wegweisung sowie die Öffnung von Einbahnstraßen als relativ positiv bewertet. Schlechte Noten wurden für die Führung an Baustellen, die Kontrolle vom Falschparken auf Radwegen und den Winterdienst bzw. die Reinigung von Radwegen vergeben. In der Bewertung der Ergebnisse ist interessant, dass das Leihradangebot bisher insbesondere im Bereich der Innenstadt und an der Ruhr-Universität gut ausgebaut ist. In anderen Bochumer Stadtteilen existieren allerdings auch weiterhin Lücken im Netz des Anbieters. Die Wegweisung umfasst bisher hauptsächlich das Landesradwegenetz, Unterzentren werden in der Regel noch nicht ausgewiesen. Auf der anderen Seite wird bei der Einrichtung von Baustellen sowohl durch das Tiefbauamt (für die stadteigenen Baustellen) als auch durch das Straßenverkehrsamt (für die Baustellen von externen Firmen und Privatpersonen) darauf geachtet, dass der Radverkehr möglichst sicher und gut an den Baufeldern vorbei geführt wird. Dass das Falschparken auf Radwegen sowie ein fehlender Winterdienst bemängelt werden, ist aber wiederum nachvollziehbar. Für die gezielte Kontrolle von beparkten Radwegen steht bisher kein Personal zur Verfügung, ein gezielter Winterdienst auf Radwegen (vermutlich sind hier insbesondere Radwege im Seitenraum sowie auf den ehemaligen Bahntrassen gemeint), ist bisher ebenfalls nicht beauftragt.

Viele der übrigen Kritikpunkte sind Gegenstand der täglichen Bemühungen der Verwaltung, den Radverkehr in der Stadt weiter zu fördern und die Infrastruktur auszubauen. So sollen neue Radverkehrsanlagen nach Möglichkeit mindestens den Regelmaßen der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen. Der Ausbau von Abstellanlagen wird vorangetrieben, die über die satzungsgemäße Reinigung hinausgehenden Sonderreinigungsaufträge für Radverkehrsanlagen an Straßen werden jährlich überprüft und wo nötig ergänzt.

Während die Erreichbarkeit des Stadtzentrums im Vergleich der Bewertungen innerhalb Bochums gut abgeschnitten hat, wurde dasselbe Merkmal im Vergleich zu anderen Städten der gleichen Kategorie vergleichsweise schlecht bewertet. Auch hier liegt ein Schwerpunkt der Arbeit der Verwaltung: Die Radialstraßen direkt am Zentrum sollen aus- bzw. umgebaut und mit Radverkehrsanlagen versehen werden.

Im Wesentlichen ist festzustellen, dass aus Sicht der Ergebnisse des Fahrradklimatestes folgende Punkte in der künftigen Arbeit besonders zu beachten sein sollten:

  • Winterdienst
  • Falschparkerkontrolle
  • Führung an Baustellen
  • Öffnung von Einbahnstraßen
  • Erreichbarkeit des Stadtzentrums

Während drei dieser Punkte bereits dauerhaft Beachtung finden, bestehen beim Winterdienst und den Falschparkerkontrollen noch Verbesserungsbedarfe. Für gezielte Falschparkerkontrollen müsste zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt werden, für eine Ausweitung des Winterdienstes auf die Radwege entlang von Straßen, auf ehemaligen Bahntrassen usw. wären zusätzliche finanzielle Ressourcen vonnöten. Dasselbe gilt für die dauerhafte Kontrolle von Baustelleneinrichtungen über den Aufbau hinaus. Hierzu gibt es bisher noch keinen verwaltungsinternen Konsens bzw. keinen parlamentarischen Auftrag.

Umgang mit Beschwerden

Zum Schluss interessierte uns noch, ob die beim Rad- und Fußverkehrsbeauftragten eingegangen Beschwerden nach thematischen und örtlichen Schwerpunkten ausgewertet werden und wenn ja, welche Ergebnisse ergab das für 2017 und wie wird darauf reagiert?

Die eingegangenen Mängelmeldungen werden bisher nicht gezielt ausgewertet. Während im Jahr 2016 ein Schwerpunkt im Bereich des Freischnittes bzw. der allgemeinen Reinigung von Rad- und Gehwegen lag, wurden im Jahr 2017 kaum Meldungen in diesem Bereich verzeichnet. Stattdessen wurden häufiger beparkte Rad- und Gehwege sowie Probleme an Baustellen gemeldet. Letztere entstanden insbesondere bei längerfristigen Bauprojekten, bei denen die Beschilderungen teils wiederholt geändert oder aber Baken usw. versetzt wurden.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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