Licht und Schatten auf der Unterstraße

Brauchbarer Radfahrstreifen auf der Unterstraße. Ein Sicherheitsstreifen zu den Längsparkern ist zumindest angedeutet. (Foto: Peter Maier)

Meine Friseurin sagt, dass man jetzt auf der Unterstraße Fahrrad fahren kann. Damit ist eigentlich alles Wesentliche gesagt: Der Umbau der ehemals vierstreifigen Hauptstraße mit seiner Mischung aus recht brauchbaren Radfahrstreifen, gemeinsamen Geh- und Radwegen und ein wenig Mischverkehr führt dazu, dass nicht nur Überzeugungstäter, sondern auch ganz normale Leute das Rad benutzen. Also ist der Umbau ein klarer Erfolg und eine deutliche Verbesserung der vorherigen Situation. „Build it and they will come“ gilt also auch hier: Wenn man Alternativen zum Mischverkehr anbietet, wird es angenommen. Sogar dann, wenn es nur „Separierung light“ in Form von Radfahrstreifen ist. Jedenfalls dann, wenn (wie hier) die Breite fast ausreichend ist. Die Strecke ist schon länger Bestandteil des beschilderten NRW-Netzes, aber erst seit dem Umbau des westlichen Teils hat der Radverkehr dort spürbar zugenommen. Nach der jetzt erfolgten Fertigstellung des Ostteils wird er wohl weiter zunehmen, weil die Strecke nun wieder (besser) durchgängig befahrbar ist. Mit etwas Übung klappt es dann hoffentlich auch mit der richtigen Straßenseite.

Insgesamt also ein klarer Fortschritt. Das muss man im Hinterkopf behalten, wenn ich jetzt wieder mit dem traditionellen Gemeckere anfange. Aber es gibt so viele völlig unnötige Mängel, dass ich es mir einfach nicht verkneifen kann. Die wesentlichen Dinge bleiben jetzt wahrscheinlich dreißig oder vierzig Jahre unverändert. Ich verstehe einfach nicht, warum man an manchen Stellen nicht (oder nicht über die richtigen Dinge) nachgedacht hat.

Macht man das Radfahren so für Neueinsteiger atrraktiv? Im östlichen Bereich gibt es keine Radinfrastruktur, „weil man sonst Häuser abreissen müsste.“ Hier sieht man: Der Platz ist durchaus da, aber wird für Abbiegestreifen … (Foto: Peter Maier)
… und Parkplätze verwendet. (Foto: Peter Maier)
Weiter Richtung Westen: Bochum macht dich ratlos. Überleitung des Radfahrstreifens in einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Zwei 90-Grad-Knicke… (Foto: Peter Maier)
… und das Ganze … (Foto: Peter Maier)
… völlig ohne Notwendigkeit. Wenn man unbedingt eine gemeinsame Führung mit dem Fußverkehr will, wäre reichlich Platz für angemessene Kurvenradien. Hier und an vielen anderen Stellen sieht man auch, dass massenhaft Stellpätze am Bedarf vorbei gebaut wurden. (Foto: Peter Maier)
Einfach geradeaus, richtig? Besonders schön bei Dunkelheit. (Foto: Arvid)
Nun ist man vorgewarnt, doch es geht so weiter: Bochum macht dich ratlos. Das Baustellenschild ist irgendwann weg, aber das Problem bleibt. (Foto: Peter Maier)
Auch von der anderen Seite sieht es nicht besser aus. Was soll man dazu sagen? (Foto: Peter Maier)
Auch aus der Nähe wird es nicht besser: Taktile Elemente zwischen die Pfosten gequetscht. (Foto: Peter Maier)
Da ist die schlecht abgesenkte Bordsteinkante für Rechtsabbieger aus der Alten Bahnhofstraße, die im spitzen Winkel genommen werden muss, noch das geringste Problem. An der Ecke der Kreuzung ist einfach kein Platz für Baumscheiben. (Foto: Peter Maier)
Wenn man unbedingt Bäume will: Auf der gegenüberliegenden Seite wäre massenhaft Platz auf den nicht benötigten Stellpätzen. (Foto: Peter Maier)
Gleiche Kreuzung, Zufahrt aus der Alten Bahnhofstraße auf die Unterstraße. Überzeugt mich auch nicht: Macht man so das Radfahren für Neueinsteiger attraktiv? Hier zeigt sich wieder, dass schlechte Infrastruktur schlechter als gar keine Infrastruktur ist, denn nachdem der Radverkehr hier neben den Autoverkehr gelockt wurde (wenn er schlank genug ist)… (Foto: Peter Maier)
… wird spätestens beim Queren der Schienen im spitzen Winkel klar, dass da kein Platz ist und er eben doch vor oder hinter den Autoverkehr gehört. (Foto: Peter Maier)
Weiter Richtung Westen: Fehlende Trennung vom Fußverkehr, ungeeignete Oberfläche, aber immerhin ausreichende Breite und Beleuchtung. (Foto: Peter Maier)
Ergebnis: Hunde und smartphoneglotzende Fußgänger. Zumindest die Sichtbehinderungen durch Stromkasten und Büsche an der Einmündung rechts hätte man entfernen sollen. (Foto: Peter Maier)
Die Führungsform wechselt ständig: Weiter westlich wieder Radfahrstreifen. Die höherwertige Nutzung des Radfahrstreifens… (Foto: Peter Maier)
… hat nach privaten Anzeigen und Kontrollen der Stadt deutlich nachgelassen… (Foto: Peter Maier)
… allerdings mit den üblichen Ausweichreaktionen auf die Gehwege. (Foto: Peter Maier)
Der nächste Wechsel der Führungsform: Konfliktträchtige Führung durch die Haltestelle, obwohl rechts Platz auf privaten Flächen wäre. (Foto: Peter Maier)
… und dann unmittelbar im Kreuzungsbereich zurück auf Fahrbahnniveau und den Rechtsabbiegern zum Fraß vorgeworfen. Hier muss man noch vorsichtiger fahren als sonst, aber selbst das schützt nicht vor Beinahe-Unfällen: Ich fuhr vorsichtig, der Rechtsabbieger auch, wir wurden uns einig, aber sein Hintermann hatte wenig Verständnis fürs Bremsen bei Grün und bremste erst sehr spät. Auf nassen Schienen keine gute Idee, es fehlten nur Zentimeter. (Foto: Peter Maier)
Noch… (Foto: Peter Maier)
… jede Menge Briten in der EU. (Foto: Peter Maier)
Und auf den Gehwegen. (Foto: Peter Maier)
Wie so oft bei gehäuftem Fehlverhalten ist der Grund die Infrastruktur: Damit der Autoverkehr westlich der Unterstraße auf einer hoffnungslos überdimensionierten Fahrbahn in der Stadt 70 fahren kann, müssen Fußgänger und Radfahrer im Seitenraum über extreme Wurzelaufbrüche… (Foto: Peter Maier)
… auf einem benutzungspflichtigen Zweirichtungsradweg herumhoppeln. (Foto: Peter Maier)
Nach dem Queren der Ümminger Straße landen sie auf der falschen Seite der Unterstraße und haben natürlich wenig Lust… (Foto: Peter Maier)
… gleich nochmal bei rot zu warten. (Foto: Peter Maier)
Muss der geradeausfahrende Autoverkehr schließlich auch nicht. (Foto: Peter Maier)
Andere Perspektive: Zweimal rot, obwohl man nur geradeaus will, ist halt doof. (Foto: Peter Maier)
Wieder zurück Richtung Osten: Gehwege als Restflächenverwertung. Hat da jemand Straßenplanung von Außen nach Innen gesagt? Zwischen Stellplätzen, Schildern und Bäumen immer schön im Zickzack…(Foto: Peter Maier)
… damit reichlich kostenlose Stellpätze am Bedarf vorbei gebaut werden konnten. (Foto: Peter Maier)
Nicht mal im Bereich des Kiosks wurde auf Stellplätze verzichtet… (Foto: Peter Maier)
… so dass es zu völlig unnötigen Blockaden kommt. Auch die Zufahrt rechts macht mich ratlos. Statt den Gehweg durchgängig zu bauen und zu färben, um das Auf-und-ab zu vermeiden und den Vorrang zu verdeutlichen, wird genau das falsche Signal gesendet. (Foto: Peter Maier)
Frisch gepflanzt. Ist das wirklich so schwer zu sehen, dass da kein Baum hin passt? Der verbleibende Gehweg ist viel zu schmal, und durch das Quergefälle driften Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren direkt in Richtung Baumscheibe, wo es dann zu Stürzen kommen kann. Wer unbedingt Bäume pflanzen will, kann sich an den unzähligen ungenutzten Stellplätzen austoben. (Foto: Peter Maier)
Wer denkt sich so etwas aus? Wer die Gefahr rechtzeitig erkennt…(Foto: Peter Maier)
… kann hoffentlich noch im richtigen Moment nach links ausweichen. (Foto: Peter Maier)

Fazit:

Es bewegt sich in die richtige Richtung. Aber an der Qualität muss dringend gearbeitet werden.

Peter Maier

Peter Maier aus Dortmund, schreibt unter Pseudonym und mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen.

4 Gedanken zu „Licht und Schatten auf der Unterstraße

  • 05.11.2017 um 20:05
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    Bäume kann man – aus gutem Grund – nicht einfach abholzen. Dennoch hätte man da bessere Lösungen finden müssen. Die Neupflanzung ganz unten ist wirklich fragwürdig und die nachfolgende Engstelle müsste um eine Warnbarke ergänzt werden.

    Bei dem Foto „Gleiche Kreuzung, Zufahrt aus de Alten Bahnhofstraße auf die Unterstraße. …“ frag ich mich, wie das Symbol rechtlich zu bewerten ist. Wenn, hätte ich wenigstens einen gestrichelte Linie ergänzt („Schutzstreifen“).

    Private Flächen kann man nicht einfach nutzen. Wenn der Eigentümer nicht will müsste man enteignen und das geht aus gutem Grund nicht so einfach.

    zu Wieder zurück Richtung Osten: Sinnvoll ist hier die Beschränkung beim Parken durch VZ 314-30 Parken mit VZ1010-58: Personenkraftwagen auf PKW.

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  • 06.11.2017 um 15:01
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    Sind die Vorgaben aus der Politik dem Verfasser bekannt?
    Das insbesondere der Erhalt der Bäume politisch gefordert war? bzw. Neuanpflanzungen
    an gleicher Stelle? Erhaltung bzw. Schaffung von Parkraumß
    das nicht einfach über Baumwurzeln drübergepflastert werden kann, damit der geneigte Radler
    möglichst gerade durchfahren kann?
    Das aus einem vorhandenen Querschnitt möglichst alle Verkehrsteilnehmer ihre Fläche bekommen
    und trotzdem noch Richtlinien und Vorschriften beachtet werden müssen?
    Hier wurde eine Straßenbahn gebaut. Darauf lag der Focus. Die Gleisgeometrie ist ein Zwangspunkt. Radwege, Parkstreifen, Gehwege, usw. wurden unter den schon erwähnten Zwängen mit gebaut.
    Meckern ist immer einfach. aber wer die Zusammenhänge nicht richtig durchschaut, sollte sich vorher mal schlau machen, bevor er sein Halbwissen ausbreitet.

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    • 19.11.2017 um 12:15
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      Aber die Vorgabe war doch nicht durchgängige Stehflächen für KFZ und damit unterbrochene Wege für Radfahrer und Fußgänger (denn nichts anderes sind diese Verschwenckungen)? Oder ist die Politik in Dortmund so dumm so etwas vorzugeben?

      Auch bei uns in Hamburg wird nicht alles richtig gemacht, aber etwas weiter sind wir da schon.

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      • 19.11.2017 um 18:58
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        Oder ist die Politik in Dortmund so dumm so etwas vorzugeben?

        Bochum.

        Antwort

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