Kronprinzenviertel: Planung eines Geh- und Radweges bleibt problematisch [mit Update]

Eine meiner ersten Eingaben nach der GO NRW bezog sich auf den in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan Kronprinzenviertel. In den vor zwei Jahren bekannten Planungen gab es zwei Varianten zur Überwindung der Höhenunterschiede.

(Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund)
Variante 1 (Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund)
(Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund)
Variante 2 (Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund)

Ich hatte eine deutlich andere Wegeführung für denn Rad- und Gehweg vorgeschlagen und ausführlich dargelegt, warum rechtwinklige Kehren nachteilig gegenüber Kurven sind. Insbesondere verwies ich darauf, dass die vorgesehene Form ungeeignet ist für z. B. für Lastenräder, deren gewerblichen Einsatz die Stadt Dortmund fördert, und insbesondere meines Wissens nach auch für Adaptiv- oder Handliegerad. Weiterhin legte ich dar, dass bei der Fahrt aufwärts der individuellen Tretrhythmus nicht beibehalten werden kann und dass entgegen kommende Radfahrer*innen und Fußgänger*innen nicht ungehindert aneinander vorbei kommen. Auch stellte ich Überlegungen zu den Entwurfparametern an. Für die Planung von Radverkehrsanlagen sind gemäß VwV StVO Rn. 13 die ERA 2010 maßgeblich. Bei freier Trassierung sind gemäß den ERA 2010 bei einer Entwurfsgeschwindigkeit von 20 km/h (als niedrigster Entwurfsgeschwindigkeit) bei asphaltierter Decke Mindestkurvenradien von 10 Metern vorgesehen. Zeichnerisch stellte ich da, dass dies problemlos möglich ist, wenn man ein Grundstück verschiebt.

Skizze: Konstruktion der Rampe nach ERA 2010 für asphaltierter Decke und 20 km/h als Entwurfsgeschwindigkeit (Hintergrund: Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund; Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von ComputerWorks GmbH (Vectorworks Deutschland): Norbert Paul)
Skizze: Konstruktion der Rampe nach ERA 2010 für asphaltierter Decke und 20 km/h als Entwurfsgeschwindigkeit (Hintergrund: Auszug Drucksache Nr. 00479-15 der Stadt Dortmund; Zeichnung mit freundlicher Genehmigung von ComputerWorks GmbH (Vectorworks Deutschland): Norbert Paul)

Heute würde ich noch ergänzend darauf hinweisen, dass möglichst kurze Wege die Anzahl erreichbarer Ziele für Nutzer*innen von Rollstühlen und Rollatoren erhöhen. Die Verwaltung sagte eine Prüfung zu. Nun liegt der beschlussreife Entwurf vor (Drucksache Nr. 09277-17). Dort heißt es:

Fußweg zur Kronprinzenstraße ist zentral
Für die o. g. Verknüpfung ist der Fußweg in die Kronprinzenstraße ganz zentral. Es wird gebeten sicherzustellen, dass dieser ausreichend dimensioniert, gut einsehbar und noch besser zugänglich (Stichworte: Barrierefreiheit/Befahrbarkeit auch für den Radverkehr) ist!

Stellungnahme der Verwaltung
Die zentral gelegene öffentliche Wegeanbindung des Wohnquartiers an die Kronprinzenstraße sowie das entsprechende Rampenbauwerk wird nicht nur Fußgängern, sondern auch Radfahrern zugänglich sein. Die Belange dieser beiden vorgesehenen Nutzergruppen sowie die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen an die Barrierefreiheit sind bei der bisherigen Entwurfsplanung berücksichtigt worden. Die Belange werden auch weiterhin bei der noch folgenden und mit dem städtischen Tiefbauamt abzustimmenden Ausführungsplanung berücksichtigt, bevor sie im Rahmen eines zwischen dem Vorhabenträger und dem Tiefbauamt abzuschließenden Erschließungsvertrages fixiert werden. Der Anregung wird – soweit es auf der Ebene des Bebauungsplanes möglich ist – entsprochen.

Also ich erkenne meine Vorschlag in der aktuellen Fassung nicht wirklich wieder. Es wurde sogar die Variante mit den meisten Kehren vorgesehen. Hier wird auf Jahrzehnte oder Jahrhunderte ohne Not eine suboptimale Lösung planerisch festgelegt. Da kann auch eine Konkretisierung im Rahmen der Ausführungsplanung nichts mehr ändern. Gesetzlich mag das alles stimmen, aber es gibt einen Unterschied hin zu einer gelungenen Planung.

(Auszug aus dem Entwurf für den Bebauungsplanes In O 225 – Kronprinzenviertel –)

Am 7 .11. wird die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost ihre Empfehlung dazu aussprechen und einen Tag später der Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen den Beschluss fassen.

12. 11. 2017 20:18

Aus der Bezirksvertretung war zu erfahren, dass aufgrund der substanziellen Änderungen kein Beschluss über den B-Plan gefasst wurde und es einen Termin zwischen Verwaltung und BV geben soll.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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