Grüne Hauptstadt zeigt dem Radverkehr Rot: Ampel falsch montiert

Die Rüttenscheider Straße wäre eine perfekte Fahrradstraße.

Eigentlich wäre die Rüttenscheider Straße in Essen die perfekte Fahrradstraße:
– Sie ist eine schnurgerade, direkte Verbindung für den Radverkehr vom Süden in Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof, die zudem Anschluss an den wichtigen Grugaradweg hat,
– für den Autoverkehr gibt es mit der B224 eine nur wenige Meter entfernte Parallelstrecke, auf der er zumindest etwas weniger stört,
– die Verlagerung von Lärm und Abgasen des Kfz-Verkehrs auf die B224 würde die Attraktivität der Geschäfte, der Außengastronomie und die Aufenthaltsqualität steigern,
– die Verlagerung des Radverkehrs auf die dann autofreie Fahrbahn würde zusätzliche Flächen für Fußgänger und Außengastronomie schaffen,
– und das Ganze würde in einem Stadtteil stattfinden, in dem der Radverkehrsanteil schon jetzt zumindest etwas weniger kläglich als im Rest der Stadt ist.

Die Stadt Essen hätte mit der Umwandlung in eine Fahrradstraße zum Jahr der Grünen Hauptstadt deutlich machen können, dass „Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit“ mehr als leeres Gerede ist. Sie hat sich anders entschieden, und so bleibt die Rüttenscheider Straße mit ihren fürchterlichen, schmalen Bordsteinwegelchen, die sich in Schlangenlinien zwischen Außengastronomie, Pfosten, Mülltonnen und viel zu schmalen Restgehwegen hindurchquälen, eine Dauerkonfliktstrecke für Fußgänger und Radfahrer und eines der krassesten Beispiele für Planungsversagen, das man im Ruhrgebiet finden kann. Statt nach Lösungen zu suchen, heizt die Stadt Essen die Konflikte sogar noch weiter an, indem sie neue Sondernutzungen für Außengastronomie auch dann noch genehmigt, wenn die verbleibende Restgehwegbreite zwischen Sondernutzung und „Radweg“ nur 1,5 m beträgt. Wer noch einen Funken Restverstand hat, erkennt sofort, dass eine solche Restgehwegbreite bei den enormen Fußverkehrsmengen nicht funktionieren kann.1

Durch Fehlplanung induzierte Konflikte: Sondernutzung des Gehwegs für Außengastronomie und Gerümpel, der Fußverkehr und die Baustellenschilder weichen auf den üppigen „Radweg“ aus. Für eine breite Fahrbahn und beidseitige Parkplätze ist aber noch Platz. (Foto: Peter Maier)

Noch nicht einmal zu einer „kleinen Lösung“ konnte die Stadt sich bisher durchringen. Wenn die cojones für eine echte Fahrradstraße ohne Autoverkehr fehlen, könnte man zumindest den Missbrauch der Straße durch den Kfz-Durchgangsverkehr unterbinden: Ein kurzes Stück Einbahnstraße Richtung Norden, dann ein kurzes Stück Einbahnstraße Richtung Süden, dann Poller und das Ganze von vorn. Der Autoverkehr wäre reduziert, in Richtung der Einbahn wäre daher Mischverkehr verträglich, und entgegen der Einbahn wäre reichlich Platz für breite Radfahrstreifen. Der Fußverkehr hätte endlich seine Ruhe vor Radfahrern und es entständen neue Spielräume für Außengastronomie. Jeder Punkt wäre weiter mit dem Auto erreichbar, und dem wütenden Mob, der sich bei Einschränkungen für den Kfz-Verkehr sogleich bildet, um laut „Parkplätze!“ zu schreien, wäre der Wind aus den Segeln genommen.

Vorschlag: AGFS-Schild „Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt Essen“ an die Laterne. (Foto: Peter Maier)

Keine Benutzungspflicht

Nun könnte man sagen: Was soll die Diskussion? Dort gilt Tempo 30 und die Radwege sind seit Jahren nicht mehr benutzungspflichtig, also fährt man mit dem Rad auf der Fahrbahn und das Problem ist gelöst.

Diese Sichtweise greift aus vier Gründen zu kurz:

Erstens ist wegen der Fahrbahnbreite ein Überholvorgang Auto-Fahrrad nur ohne Gegenverkehr möglich. Für die Sicherheit ist das optimal, aber es führt wegen des starken Kfz-Verkehrs dazu, dass der Radfahrer bald eine lange Kolonne hupender Autofahrer („Raaaaadweg!“) anführt. Stressfreies Radeln sieht anders aus, und Einsteiger oder Kinder gewinnt man mit solchen Zuständen ganz sicher nicht fürs Radfahren.
Zweitens führt der Missbrauch durch den Kfz-Durchgangsverkehr oft zu Stau auf der Fahrbahn, so dass dem Radverkehr nur die Wahl zwischen Pest und Cholera bleibt.
Drittens bringt die Aufhebung der Benutzungspflicht dem Fußverkehr kaum Vorteile, denn die genannten Probleme führen dazu, dass eine Mehrheit der Radfahrer den Radweg benutzt und dort in Konflikte mit dem Fußverkehr gerät.
Und viertens heizen solche Zustände die unseligen Diskussionen über das Fehlverhalten von Radfahrern gegenüber Fußgängern und von Fußgängern gegenüber Radfahrern weiter an, weil offenbar niemand erkennen will, dass die Kernprobleme in der Regel nicht das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, sondern Planungsversagen und eine katastrophale Infrastruktur sind.

Unfallschwerpunkt Kreuzung Martinstraße

Vor diesem Hintergrund fanden also die Überlegungen zur Entschärfung des Unfallschwerpunkts Kreuzung Rüttenscheider-/Martinstraße statt:

An der Rüttenscheider Straße/Martinstraße haben sich wiederholt Abbiegeunfälle mit Radfahrern und Fußgängern und Radfahrern und motorisiertem Verkehr ereignet (Unfallhäufungsstelle).
Die Unfallkommission hat daher einen Ortstermin durchgeführt und den Straßenbaulastträger beauftragt, eine Planung zu erstellen, um den Radverkehr auf der Rüttenscheider Straße in Fahrrichtung Innenstadt vor dem Kreuzungsbereich von dem vorhandenen Bordsteinradweg auf die Fahrbahn zu führen. […] Der vorhandene Bordsteinradweg neben dem U-Bahnschacht soll zurückgebaut und der Bordstein versetzt werden. Um diesen Bereich wird die Fahrbahn verbreitert und ein Radfahrstreifen in entsprechender Breite markiert. Um die Sicht der Kfz.-Fahrer auf die Radfahrer zu verbessern wird der Haltebalken vor der Lichtsignalanlage entsprechend vorgezogen. Als Übergang vom Bordsteinradweg zum Radfahrstreifen wird eine Rampe gebaut.

Ein zweites Problem, das auf diese Weise ebenfalls gelöst werden soll, ist der ungünstige Übergang vom Radweg auf die Fahrbahn vor dem Hotel Arosa: In Fahrtrichtung Innenstadt endet der Bordsteinradweg unmittelbar hinter der Kreuzung. Es gab Beschwerden wegen Schwierigkeiten, sich dort in den Fahrbahnverkehr einzufädeln. Durch die Überleitung auf die Fahrbahn bereits vor der Kreuzung wird dieses Problem gelöst.

Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll, wenn die Stadt Unfallschwerpunkte entschärft und auch bereit ist, dazu Geld in die Hand zu nehmen (hier 30.000 € der Bezirksvertretung II). Aber statt weiter an den Symptomen herumzudoktern, hätte man diesen Unfallschwerpunkt zum Anlass nehmen sollen, endlich eine grundsätzliche Lösung für den Problemfall Rü zu entwickeln. Schon vor über dreißig Jahren, nachdem man gerade die Straßenbahn und unglaubliche 340 Millionen Mark unter der Rüttenscheider Straße vergraben hatte, gab es in der Diskussion um den Umbau der Straße kluge Stimmen: „Die immensen Kosten wären eine kaum vertretbare Fehlinvestition, wenn nicht mehr erreicht würde als eine Beschleunigung des Autoverkehrs. Die Rüttenscheider Straße darf nicht zur fünften und sechsten Fahrspur der Alfredstraße [B224] werden“.

Nach endlosem und fast folgenlosem Gerede über die Förderung von Fuß- und Radverkehr und nachhaltiger Mobilität wird es langsam Zeit, dass die Stadt in ihrem Handeln zumindest den Erkenntnisstand des Jahres 1986 erreicht.

Aber selbst, wenn man sich auf das Herumdoktern an Symptomen beschränkt, muss man feststellen, dass die am letzten Freitag fertiggestellten Änderungen der Kreuzung so halbherzig und von so schlechter Qualität sind, dass insgesamt keine wesentliche Verbesserung erkennbar ist.

Hätte man statt der Verlegung des Radwegs in Richtung Fahrbahn den Kurvenradius für abbiegende Kfz durch Vorziehen des Gehwegs stark reduziert (so dass Autos fast im 90-Grad Winkel ohne nennenswerte Ausrundung der Kurve abbiegen müssten, ggf. in Verbindung mit einem Abbiegeverbot für LKW), so wäre die Abbiegegeschwindigkeit auf ein stadtverträgliches Maß gesunken. Radfahrer müssten sich dann nicht darauf verlassen, dass genau im richtigen Moment ein Schulterblick nach hinten erfolgt, sondern der Blickkontakt würde bei stark reduzierter Kfz-Geschwindigkeit vorwärts durch die Windschutzscheibe erfolgen.
Und auch der Fußverkehr würde von der reduzierten Abbiegegeschwindigkeit profitieren.

Das ist kein Scherz, sondern ein Radweg. Obwohl diese absurde Karikatur nur zehn Meter vor der geänderten Kreuzung liegt, wurde sie nicht repariert, sondern unverändert gelassen. Wenn der Wille zur Fahrradstraße fehlt, hätte man entweder früher auf die Fahrbahn aufleiten müssen oder die gar nicht weit zurückliegende Fehlentscheidung zur Sondernutzung revidieren müssen. (Foto: Peter Maier)
Hier sieht man gut, dass die Änderung ihren Zweck kaum erfüllen kann: Der Radweg wird erst fast rechtwinklig nach links in einer haarsträubenden Führung an der Außengastronomie entlang geführt, dann wegen Bäumen und Parkplätzen fast rechtwinklig nach rechts aus dem Sichtbereich der Autofahrer verschwenkt und dann erst unmittelbar vor der Kreuzung wieder in Richtung Fahrbahn zurück verschwenkt. Die zurückgezogene Haltelinie für Autos macht zwar wartenden Radverkehr besser sichtbar. Unfälle passieren aber eher selten, wenn die Ampel auf Grün umspringt. Gefährlicher sind die Situationen, in denen Auto- und Radfahrende gleichzeitig eine bereits grüne Ampel erreichen. Und dabei sieht der Autofahrer den bevorrechtigten Radverkehr künftig nur dann, wenn er genau in dem kurzen Moment, in dem der mehrfach verschwenkte Radverkehr überhaupt sichtbar ist, den Schulterblick macht. (Foto: Peter Maier)
Handwerkliche Fehler: Verschwenkung zur Fahrbahn erst unmittelbar vor der Kreuzung. Der Zeitraum, in dem ein Schulterblick überhaupt wirken kann, ist minimal. (Foto: Peter Maier)
Handwerkliche Fehler: Starkes Quergefälle nach links im Bereich der Rampe. Mit einspurigem Rad noch befahrbar, mit Gespann oder zweispurigem Rad Murks. Immerhin: Die Haltelinie für wartende Autos wurde um drei Meter zurück versetzt, um die Sichtbarkeit des wartenden Radverkehrs bei Rot zu verbessern. Die alte Markierung (schwarz) ist noch zu erkennen. Die Maßnahme bringt keinen Sicherheitsgewinn, wenn Fahrzeuge fahrend bei Grün eintreffen. (Foto: Peter Maier)
Handwerkliche Fehler: Ausführung in minderwertiger Qualität. Die Reste des alten Radwegs wurden nicht und die alte Radwegfurt nur schlampig entfernt. (Foto: Peter Maier)
Das Ergebnis überrascht nicht. (Foto: Peter Maier)
Der alte Zustand ist bei Google noch zu sehen. Durch die hohe Kameraposition wirkt die alte Situation übersichtlicher, als sie tatsächlich war. Wie man auf die Idee kommen konnte, an einer unübersichtlichen Stelle, die als Unfallschwerpunkt bekannt ist, auch noch einen Blümchenturm (rot, rechts neben der Laterne) in die Sichtlinie zu stellen, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen der Stadt Essen. (Foto: Peter Maier)

Besonders deutlich werden die Qualitätsmängel des Umbaus am Beispiel der Ampelanlage. Die Situation für den Radverkehr an Ampeln ist nach langjährigem Chaos (mit Ausnahmeregeln und endlosen Übergangsfristen für diese Ausnahmeregeln) seit Jahresbeginn sehr einfach geworden: Für den Radverkehr auf einer Radverkehrsführung gilt die Fahrradampel (reine Fahrradampel oder kombiniert mit Streuscheibe für Fußgänger und Radfahrer), sofern es eine gibt. In allen anderen Fällen (keine Fahrradampel oder Radverkehr auf der Fahrbahn) gilt die Ampel für den Fahrverkehr (also das, was der ADAC „Autoampel“ nennt). Die Fußgängerampel gilt nie.2

Hält der Radverkehr sich auf der neuen Radverkehrsführung an der Rüttenscheider Straße brav an die Straßenverkehrsordnung (also die Fahrradampel), so hat er (je nachdem, wie er auf eine verlöschende Fahrradampel reagiert) entweder Dauerrot oder fährt genau dann in die Kreuzung ein, wenn der Querverkehr Grün bekommt.

Handwerkliche Fehler der ganz besonderen Art (1): Der Verkehr auf der Fahrbahn und die Fußgänger haben Grün. Der Radverkehr auf der Radverkehrsführung, für den die Fahrradampel gilt, hat Rot. (Foto: Peter Maier)
Handwerkliche Fehler der ganz besonderen Art (2): Nun haben der Verkehr auf der Fahrbahn und die Fußgänger Rot. Der Radverkehr auf der Radverkehrsführung, stellt fest, dass die für ihn geltende Fahrradampel erloschen ist. (Foto: Peter Maier)

Handwerkliche Fehler der ganz besonderen Art (3): Versteht er das als Signal, nun die Kreuzung zu queren, stirbt er: Der Querverkehr erhält etwa eine Sekunde später Grün. (Foto: Peter Maier)
Handwerkliche Fehler der ganz besonderen Art (4): Versteht er das Verschwinden des roten Signals der Fahrradampel dagegen als Aufforderung, mangels Fahrradampel nun die Ampel für den allgemeinen Fahrverkehr (also das, was der ADAC „Autoampel“ nennt) zu beachten, so überlebt er, hat aber Dauerrot. Denn bevor die allgemeine Ampel wieder auf Grün umschaltet, schaltet sich die rote Fahrradampel wieder ein, die vom Radverkehr auf einer Radverkehrsführung natürlich beachtet werden muss. (Foto: Peter Maier)
„Sie missachteten als Radfahrer das Rotlicht der Lichtzeichenanlage. Die Rotphase dauerte bereits länger als 1 Sekunde an: 100,00 €, ein Punkt.“
Das könnte ihm das Leben gerettet haben. Glücklicherweise wissen die meisten Radfahrenden im Ruhrgebiet aufgrund von massenhaften Erfahrungen mit katastrophaler Radinfrastruktur und einer generellen Planung aus der Windschutzscheibenperspektive, dass die Straßenverkehrsordnung eher als Anregung zu betrachten ist und man gut beraten ist, unabhängig von Recht und Gesetz einfach das zu tun, was jeweils sinnvoll ist. Jedenfalls, solange die Städte im Revier Fußgänger und Radfahrer als Verkehrsteilnehmer vierter Klasse behandeln und solch kapitale Böcke schießen, wie an dieser Kreuzung. (Foto: Peter Maier)

Schaut man sich die Pläne an, wird schnell klar, was da schief gelaufen ist: Für den Radverkehr, der indirekt von der Rüttenscheider Straße nach links in die Martinstraße abbiegen will, soll eine Aufstellfläche markiert werden. Da die Ampel für den Fahrverkehr auf dieser Aufstellfläche nicht zu sehen ist, soll eine Fahrradampel installiert werden (auf dem Plan „Signalmast für Fahrradfahrer“), die anzeigt, wann die Rüttenscheider Straße gefahrlos gequert werden kann. Diese Fahrradampel wurde nicht korrekt, sondern um 90 Grad verdreht montiert, so dass sie nun den Radverkehr, der die Martinstraße queren will, in die Falle lockt. Den Experten der Stadt ist bei der Abnahme nichts aufgefallen. Auf diesem Bild aus diesem Artikel kann man schön sehen, dass die Fahrradampel in die falsche Richtung zeigt (und der Mast viel zu weit in die Rüttenscheider Straße versetzt ist).

Das Tiefbauamt ist seit Sonntagabend über den Fehler informiert und hat eine kurzfristige Prüfung zugesagt, so dass hoffentlich mittlerweile ein Sack über die Fahrradampel gehängt wurde.

Solange in den meisten Ruhrgebietsstädten weiterhin jeder Wille zu Radinfastruktur mit Qualität fehlt, wäre „Sack drüber“ vielleicht generell die beste Lösung für den Umgang mit dem real existierenden Murks, denn schlechte Infrastruktur ist sogar noch schlechter als gar keine Infrastruktur.

Die sogenannte „Grüne Hauptstadt“ spricht Klartext in Sachen Radinfrastruktur. Passenderweise auf einem Mülleimer. (Foto: Peter Maier)

Aktualisierung vom 10.07.2017


Das Ampelproblem wurde bereits vor einigen Wochen gelöst. Die kleine Ampel wurde gedreht…

Linksabbiegerampel an der Rüttensccheider Straße/Martinstraße nun gedreht. (Foto: Peter Maier)

… so dass sie nun nicht mehr dem Verkehr auf der Rüttenscheider Straße entgegenleuchtet.

Problem gelöst: Linksabbiegerampel an der Rüttensccheider Straße/Martinstraße nun gedreht. (Foto: Peter Maier)

Weitere Fotos

Links sechs Meter Fahrbahn, daneben auf jeder Seite zwei Meter für Stehzeuge zzgl. je 50 cm Sicherheitsabstand für die Stehzeuge, macht elf Meter für den Autoverkehr in einer Einkaufs-, Café- und Kneipenstraße, in der die Aufenthaltsqualität oberste Priorität haben sollte. Wenn es dann zu Konflikten kommt, weil sich Radfahrer und Fußgänger (im Zweirichtungsverkehr bei sehr hohem Fußverkehrsaufkommen) dank Außengastronomie auf 2,5m quetschen müssen, werden die üblichen Diskussionen über Rüpelradler und Kampfgeher geführt, statt die absurde Flächenverteilung in Ordnung zu bringen. (Foto: Peter Maier)
Im Zickzack über die Kreuzung, dabei wollen wir doch nur geradeaus. (Foto: Peter Maier)
Zur Belohnung werden wir mit einer (hoffentlich!) illegalen Sondernutzung des Gehwegs belohnt, die eine gute Gelegenheit zum Austausch mit anderen Nutzern des Umweltverbunds bietet. (Foto: Peter Maier)
Vorschlag: Eine Wegweisung zum Navigieren dieses Labyrinths anbringen. Unter der Wegweisung könnte man gut noch ein AGFS-Schild „Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt Essen“ anbringen. (Foto: Peter Maier)
Befahren zum Dokumentieren des Grauens ist die eine Sache. Aber es ist wirklich nicht leicht zu verstehen, warum Leute, die mit Radfahren ihr Geld verdienen, sich so etwas (ohne Benutzungspflicht) antun. (Foto: Peter Maier)
Nee, echt nich. (Foto: Peter Maier)
Ja, doch. Auch wenn du es nicht glauben willst: Dieses rote Ding soll wirklich ein Radweg sein. Weil das kein vernünftiger Mensch glaubt, malen wir ein extragroßes Piktogramm drauf… (Foto: Peter Maier)
…aber so weit, die Falschparker zu entfernen, gehen wir dann doch nicht. Man muss ja auch mal die Kirche im Dorf lassen. (Foto: Peter Maier)
Schlechte Infrastruktur induziert völlig unnötige Konflikte: Rechts? (Foto: Peter Maier)
Oder links? (Foto: Peter Maier)
Oder doch lieber rechts? (Foto: Peter Maier)
Nee, links ist doch schöner. (Foto: Peter Maier)
Für Verkehrsteilnehmer vierter Klasse. (Foto: Peter Maier)
Die Lösung für den Problemfall Rü: Fahrradstraße (Foto: Peter Maier)
Gepfefferte Preise auf der Rü. Die 520 € wären in einem Fahrradstraßenschild allerdings besser angelegt als in Rhabarberschale. (Foto: Peter Maier)

1 Man stelle sich einmal vor, die Stadt würde wegen des hohen Fußverkersaufkommens Sondernutzungen nur bei einer verbleibenden Gehwegbreite von drei Metern gestatten. Sofort hätte sie hunderte Verbündete für eine angemessenere Flächenverteilung zulasten des Kfz-Verkehrs.

2 Aber bitte niemals darauf verlassen, dass abbiegende Autofahrer, die die rote Fußgängerampel sehen, das auch wissen.

Peter Maier

Peter Maier aus Dortmund, schreibt unter Pseudonym und mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen.

8 Gedanken zu „Grüne Hauptstadt zeigt dem Radverkehr Rot: Ampel falsch montiert

  • 06.06.2017 um 15:33
    Permalink

    Erinnert mich in Teilen an die Kaiserstraße in Dortmund.

    Antwort
    • 06.06.2017 um 23:41
      Permalink

      Aber da zeigen zumindest keine Ampeln in die falsche Richtung! ;-)

      Antwort
    • 07.06.2017 um 0:15
      Permalink

      Die Kaiserstraße ist deutlich entspannter befahrbar als die Rü. Und zwischen Autos im Stau steht man da auch nicht …

      Antwort
      • 07.06.2017 um 12:13
        Permalink

        Naja, entspannt(er) ist nicht das erste Wort, das mir bei der Kaiserstraße einfällt. Die Fahrbahn ist deutlich chaotischer als die auf der Rü. Viel mehr Schrägparken, Ladevorgänge vor Baumscheiben, Einbahn, so dass nicht nur Parker von rechts, sondern auch von links beobachtet werden müssen, dazu Fußgänger, die zwischen den Parkern hervortreten, da muss man ständig die Augen überall haben. Und auf dem Radweg entgegen der Einbahn hat man dann die Geisterradler, die vor eben diesem Chaos fliehen. Letztlich sind die Straßen für einen Vergleich zu unterschiedlich. Die Rü ist richtig lang und für einige Relationen fast alternativlos, die Kaiserstraße ein kurzer Stummel, den man zur Hauptchaoszeit auch problemlos umfahren könnte.

        Antwort
        • 07.06.2017 um 12:48
          Permalink

          die Kaiserstraße ein kurzer Stummel, den man zur Hauptchoszeit auch problemlos umfahren könnte.

          Vermutlich mache ich das unbewusst so, sodass ich da nicht die schlimmen Zeiten mitbekomme … :-)

          Antwort
  • 07.06.2017 um 0:17
    Permalink

    Würde man eine Parkraumbewirtschaftung einführen, würde sich zeigen, dass das gar nicht Kunden sind, die da parken, sondern Mitarbeiter*innen, die sich natürlich nicht jeden Tag eine Ganztageskarte kurbeln wollen und so dann die Parkplätze frei machen …

    Antwort
  • 11.06.2017 um 16:07
    Permalink

    Die RÜ ist grauenvoll. Ein Symbol verkehrter Essener Verkehrspolitik. Samstags erstickt die Straße im Autoverkehr und mit dem Rad kommt man auch nur noch mit waghalsigen Überholmanövern durch.

    Leider ist die Stadt völlig uneinsichtig. Hier hilft nur Salamitaktik. Erst Einbahnstraße, dann Neuplanung von Grund auf.

    Antwort
  • 10.07.2017 um 18:09
    Permalink

    Ampel gedreht, Problem gelöst (siehe oben: Aktualisierung vom 10.07.2017).

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.