Rad- und fußverkehrsfreundlicher Straßenumbau – ein Beispiel aus Basel

Man kann in den seltensten Fällen etwas 1:1 übernehmen, aber man kann sich ja inspirieren lassen, daher berichten wir ja immer wieder auch über Städte außerhalb des Ruhrgebietes. Heute möchte ich den Blick auf eine typische Standard-Situation lenken. An einer Kreuzung in Basel müssen die Gleise und Leitungen erneuert werden.  Das nutzt die Stadt direkt, um die Situation für Rad- und Fußverkehr attraktiver und für den Autoverkehr unattraktiver zu machen. Gerade letzteres ist ein entscheidendes Element, um den Anteil des Kfz-Verkehr zu reduzieren, was natürlich nur funktioniert, wenn die Situation für den Rad- und Fußverkehr attraktiv ist. Folgende Änderungen sind an der stark befahrenen Kreuzung geplant:

  • Der Bereich der Kreuzung wird an die aktuellen Gesetze und Normen angepasst und nicht nur die Fahrbahndecke erneuert.
  • Barrierefreier Ausbau der Straßenbahnhaltestelle wie das in Deutschland auch üblich ist.
  • Die Haltestelle rückt näher an eine Grünanlage und ist somit stadteinwärts nur noch durch einen Radweg vom Gehweg getrennt. Der Autoverkehr in Richtung Stadt wird künftig durch die Haltestelle geführt und muss so hinter den häufig fahrenden Straßenbahnen warten. So soll die Situation an der komplexen Kreuzung mit fünf einmünden Straßen auch übersichtlicher werden. Im Anschluss bekommt die Straßenbahn eine eigene Trasse bis zur schon bestehenden eigenen Trasse ab der nächsten Kreuzung. Dafür werden 18 Parkplätze aufgehoben. Dies ist zugleich ein Teil des notwendigen Ausgleich für die neu geschaffenen Parkplätze in einem neue Tiefgarage in der Nähe.
  • Die Gehwege werden verbreitert, sodass die Fahrbahnen schneller überquert werden können. In einer Seitenstraße wird der Fußgängerüberweg so verlegt, dass einbiegenden Autos nicht mehr auf ihm zum Stehen kommen.
  • Eine Fahrspur Richtung Innenstadt entfällt, um die Kreuzung übersichtlicher zu machen.

Am Ende sind es viele dieser kleinen Maßnahmen und den dort getroffenen Entscheidungen, die eine Stadt fuß- und radverkehrsfreundlich machen oder eben nicht. Ein Strategiewechsel in diese Richtung und weg von der nicht funktionierenden de-facto-Autoverkehrsförderung ist im Ruhrgebiet aber aktuell nicht zu erkennen. In Bochum gibt es aktuell Ansätze, die zu einem Strategiewechsel in diese Richtung führen könnten, wenn in der Verwaltung Mitarbeiter*innen da ohne großes Tamtam das Rad immer ein kleines bisschen weiter drehen und ein größeres Ziel dabei im Auge haben, sodass der politische Aufschrei der All-Parteien-Autokoalition ausbleibt und die Bürger*innen sich langsam dran gewöhnen können.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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