Lastenfahrräder gehören in Dortmund schon fast zum Alltagsbild

Es tut sich was in Sachen CargoBikes! Und das auch in Dortmund! Während in anderen Metropolen wie Hamburg oder Kopenhagen das Lastenfahrrad schon gar nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist, hat es diese Art des Fahrrades hier doch lange recht schwer gehabt.

Nach einer ersten Pilotphase 2013 mit dem Ziel alternative Transportmöglichkeiten aufzuzeigen, bei der das Umweltamt der Stadt Dortmund drei Lastenfahrräder in unterschiedlichen Einsatzgebieten im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes „Klima ist Heimspiel“ getestet hat, wurde 2014 von der Wirtschaftsförderung „CargoBikeDortmund“ mit einem Konstruktionswettbewerb ins Leben gerufen. Seitdem gibt es regelmäßige Netzwerktreffen, bei dem Unternehmen die Möglichkeit habe, ihre Mobiltäts- und Logistikangebote rund um das Thema Lastenfahrrad anderen Interessierten zu präsentieren und sich über die neusten Entwicklungen auszutauschen.

Foto: Christian Lamker

VeloCityRuhr und VeloKitchen Dortmund gründeten zur selben Zeit das Lastenfahrradprojekt „dein-RUDOLF„, bei dem Lastenfahrräder kostenfrei im Stadtgebiet ausgeliehen werden können. Seit dem offiziellen Start im Juni 2014 konnten bis heute über 500 Ausleihen bei mittlerweile rund 150 registrierten Nutzern gezählt werden.

Während man als Insider 2014 noch so ziemlich jeden Lastenfahrradbesitzer kannte, können wir heute zum Glück nicht mehr davon sprechen. Immer wieder wird uns von Sichtungen eines weiteren anderen Lastenfahrrades berichtet, welches neuerdings seine Alltagswege in Dortmund zurücklegt.

Foto: Fabian Menke

Diesen Trend haben auch die lokalen Fahrradläden erkannt. So gibt es mindestens vier Einzelhändler, die verschiedene Hersteller im Angebot haben. Zwei sollen hier Erwähnung finden, weil sie seit Beginn an das schon erwähnte Lastenradprojekt „dein-RUDOLF“ als Ausleihstandort unterstützen. So bietet das „Radgebiet“ seit Anfang des Jahres Lastenräder vom Hersteller „Urban Arrow„an. Ein Ausleihen und Testen für ein paar Tage ist ausdrücklich erwünscht! Und bei „Don’t walk“ sind die seit Jahren bewährten Lastendreiräder des Herstellers „Christiania“ zu bekommen.

Foto: Fabian Menke

Nach Pilotversuchen zur Auslieferung von Waren per Lastenfahrrad von ups in der Dortmunder Innenstadt, gab es im Bereich der letzten Meile in Dortmund leider nichts neues zu berichten. Neuerdings liefert die „Abokiste24“ ihr Wahre an die Abonnenten mit einem elektrischen Lastendreirad aus.

Neuen Schwung hat auch das E-Bike Festival nach Dortmund gebracht. Mit seinem erfolgreichen Auftakt 2016, findet es vom 7.-9.4.2017 erneut in der Dortmunder Innenstadt statt. Hier gibt es ein Vielzahl an Herstellern, die sich auf der Messe auch mit Lastenfahrrädern präsentieren.

So gibt es dieses Jahr am Vortag des Festival einen E-Bike Fachtagung mit dem Titel „Neue Mobilität für Bürger und Wirtschaft“. In diesem Kontext wird Johannes Gruber vom Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt über deren neues Projekt „Lastenräder für die Wirtschaft – Ein Angebot für regionale Unternehmen“ berichten. Dabei handelt es sich um das bisher größte Cargobike-Förderprojekt der Bundesregierung. Im Rahmen dessen sollen  450 Unternehmen die Möglichkeit bekommen 150 Cargobikes für einen bestimmten Zeitraum kostenlos zu testen.

Den Spaß am Lastenfahrrad wird die VeloKitchen Dortmund mit dem 3. CargoBikeRace am Samstag 8.4.2017 auf dem E-Bike Festival vermitteln. Hier hat jeder die Möglichkeit sein Können im Testparcours und auf den Rennpiste unter Beweis zu stellen. Wobei es sicher nicht um schnellstmögliches Fahren gehen wird, sondern eher um Geschicklichkeit.

Foto: Christian Strupp

Im Gespräch mit mit potenziellen Interessierten Lastenfahrradbesitzern, kommt sehr oft das Argument: „Ich weiß gar nicht wo so ein Rad abstellen soll.“ Dieses Problem besteht bekanntlich auch für viele normale Fahrräder. Gerade in den dicht bebauten Innenstädten bleibt oft nur die Auswahl zwischen Keller und Straße. Der Keller ist hierbei meist zu umständlich in der täglichen Handhabung, und das Rad auf der Straße abzustellen birgt neben dem Problem, dass es dort im Weg rumsteht auch die Gefahr von Diebstahl oder Vandalismus. Damit eine Mobilitätswende gelingen kann, braucht es zeitnah schlüssige Konzepte für die Unterbringung von Fahrrädern und Lastenfahrrädern, ohne den öffentlichen Raum noch weiter mit ungenutzten Gegenständen voll zustellen und damit unattraktiv zu machen. Denn schließlich ist der Straßenraum ein Bewegungsraum und heute schon viel zu sehr nur Abstellfläche für ungenutzte Blechkisten.

Foto: Fabian Menke

Fabian Menke

Raumplaner, Fahrradschrauber, Alltags- und Lastenradler aus Dortmund. Seit 2012 mit diversen Projekten bei VCR mit dabei. Initiator der Fahrradsternfahrt Dortmund und Mitbegründer von dein-RUDOLF.de. Von 2016 bis Mitte 2017 berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund für VCR. Seit Mitte 2017 Radfahr- und Fußgängerbeauftragter der Stadt Dortmund.

8 Gedanken zu „Lastenfahrräder gehören in Dortmund schon fast zum Alltagsbild

  • 05.04.2017 um 8:10
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    Ich glaube eines der Größten Probleme hier ist, dass für die meisten das Lastenrad einfach zu teuer in der Anschaffung ist, und das Problem mit der Unterbringung.
    Ich habe mir gestern ein Lastenrad gekauft. Länge 2,70m. Ich habe aber im Garten hinterm Haus einen großen Schuppen, wo das Rad rein passt, sonst hätte ich mir auch keines gekauft. Ok, dafür habe ich noch einen Lastenanhänger und einen Kinderanhänger.

    Aber ich glaube, das größte Problem ist die Anschaffung.
    Lastenräder kosten gerne mal an die 3000€ und mehr.
    Ich habe für meines 950€ gezahlt, und auch dass ist für mich eine menge Holz und ich musste lange drauf sparen.

    Gut für solche Fälle, gerade in Städten wie Dortmund fände ich mehr Fahrradgaragen.
    Den Platz den ein Autoparkplatz einnimmt, da könnten gut vier Fahrradgaragen hin.

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  • 06.04.2017 um 12:59
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    In Basel stehen sie (auch die teueren Modelle) reihenweise draußen vor den Häusern, leider teilweise auch auf Gehwegen. Vorteil: Sie sind sichtbar. Bzgl. Vandalismus/Diebstahl habe ich keine Kenntnisse.

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    • 06.04.2017 um 16:17
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      Ok war jetzt noch nie in Basel, und weiß auch nicht wie es da sozial aussieht, aber würdest Du gerne sein eBullit oder UrbanArrow in der Dortmunder Nordstadt oder in Kreuzviertel Abends vor der Tür stehen lassen?

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      • 06.04.2017 um 17:28
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        Unter aktuellen Umständen nicht …

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        • 07.04.2017 um 8:06
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          Wir wohnen z.Z. in der Papageiensiedlung neben dem Depot im Dortmunder Norden und bei uns steht, mit anstehendem zweiten Kind, nun auch die Idee Lastenrad im Raum. Und auch bei uns stellt sich aktuell die Frage mit der Unterbringung.
          In den Außenanlagen der Siedlung gibt es leider nur eine handvoll Felgenbieger und keine andere Abstellmöglichkeit. In den Keller fährt zwar ein Fahrstuhl, aber ein Dreirad, dass es gerne werden soll, passt nur hochkant rein, was natürlich einen gewissen Kraftakt darstellt. Also auch sehr unpraktisch.
          Hat vom Team VCR evtl. jemand Erfahrungen damit, wie man der DOGEWO21 den Bau einer Fahrradgarage in der Siedlung schmackhaft machen könnte? Ausreichend große, ungenutzte Fläche ist dort vorhanden.

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          • 07.04.2017 um 13:00
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            Schon einfach mal angefragt? Immer wieder sind die Leute offener als man denkt, wenn man mit dem Thema Fahrradparken kommt.

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          • 08.04.2017 um 6:28
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            Wenn die Randbedingungen passen gibt es eine recht gute Methode, haben bekannte aus Düsseldorf gemacht.
            Gibt es in der nähe Garagen? Habt ihr andere Radfahrer die eine bessere Unterbringung für ihre Räder sucht?
            Wenn beides passt, könnte man mit drei oder vier Leuten eine Garage mieten.

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            • 12.04.2017 um 23:53
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              Die muss man in solchen Vierteln erst einmal bekommen …

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