Grüne kämpfen für Fahrradstraße im Nichts

Lokale Verkehrspolitik folgt nicht unbedingt fachlicher Logik. Ich würde mit erst über das Netz Gedanken machen und dann über die Details. Man kann aber auch umgekehrt einfach mal was planen, wo gerade Platz ist. So hat die aplerbecker BV die abseits gelegene, fast anliegerfreie Sackgasse „Am Rosenplätzchen“ entdeckt, aus der man doch eine Fahrradstraße machen könne, auf der aber der Autoverkehr weiterhin zugelassen werden soll. Es würde sich also nichts ändern, außer dass man behaupten könnte, man hätte was für den Radverkehr getan. Die Verwaltung hatte das Ansinn abgeleht und die Grünen wollen nun wenigstens ein ganz kurzes Stück Fahrradstraße durchsetzen.

Auf dem nun vorgeschlagenen Teilstück der Straße Am Rosenplätzchen ist der Fuß- und Radverkehr schon heute die vorherrschende Verkehrsart. Der spärliche Kraftfahrzeugverkehr erstreckt sich beinahe ausschließlich auf den Bring- und Abholverkehr zur Tageseinrichtung „Bewegungsorientierter Kindergarten Wirbelwind“ am Dubliner Weg 8. Auf dem nun vorgeschlagenen Teilstück der Straße Am Rosenplätzchen verläuft bereits die mit roter Wegweisung kenntlich gemachte Alltagsroute von Aplerbeck in die Innenstadt. Diese empfohlene Route würde durch die Einrichtung einer Fahrradstraße auf dem vorgeschlagenen Teilstück attraktiver werden.

Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht, was jetzt die besondere Attraktivitätssteigerung ist, die von jeweils einem neuen Schild an beiden Straßenenden ausgehen soll. Es bleibt eine schmale Straße, an der eh nicht legal überholt werden darf, sodass man legal nebeneinander fahren darf und es kommen so wenige Autos da vorbei, dass ich da bisher, wenn überhaupt, Fußgänger*innen treffe. Ich bin aber auch nicht zu Zeiten der Elterntaxis da. Aber aus Sicht der Grünen gibt es doch Vorteile.

Auf Fahrradstraßen gilt für Fahrverkehr grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern. Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist erlaubt. Zusammen genommen wird das Radfahren in Fahrradstraßen komfortabler ausgestaltet.

Öhmm, und woanders darf er gefährdet werden und man muss anderenorts nicht die Geschwindigkeit reduzieren usw.? Naja, lassen wir sie mal folgendes glauben, weil ja keine direkte Gefahr davon ausgeht.

Eine weitere Fahrradstraße würde die Fahrradfreundlichkeit des Stadtbezirks unterstreichen und wären ein sinnvoller Beitrag zur Erhöhung des Radverkehrsanteils.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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