Meine Studie – Deine Studie

Bei der Debatte um die s. g. Protected Bikelanes werden ja gerne Studien zitiert und diese dann von der Gegenseite kritisiert. Irgendwann steht man dann leicht irritiert vor einem Haufen an hilfreichen und eher unpassenden Argumenten und Hinweisen und wenn man dann versucht diese Repetition der immer gleichen Aussagen zu durchbrechen, indem man z. B. versucht die Kritik an einer Berechnung aufzugreifen und in diese einzuführen um diesen Stillstand der Debatte zu durchbrechen und weil einen interessiert, welche Auswirkungen die kritisierten Schwächen haben, macht man sich eher keine Freunde. Ich habe da so meine Erfahrungen.

Vor dem Hintergrund erscheint mir eine Metastudien interessant, die sich mit der Qualität von Studien befasst hat, die journalistisch aufgegriffen wurden. Sie kam nun zu ernüchternden Ergebnissen, wie Markus Lehmkuhl berichtet.

Trotz dieser Einschränkungen lassen sich mindestens zwei Dinge festhalten: Diese Studie legt nahe, dass Nachrichten über Einzelstudien aus der Biomedizin nicht nur ein Relevanzproblem haben, weil sie in der Regel hyperspeziell und mit vielen Einschränkungen behaftet sind. Diese Nachrichten haben auch ein Akkuratheitsproblem. Und: Ein wissenschaftliches Reproduktionsproblem mag den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt nicht aufhalten, den Journalismus aber überfordert es, mindestens in der Breite. Er kommt nicht als Korrektiv für den Unsinn infrage, den Wissenschaftler in Einzelstudien verbreiten. Eher im Gegenteil: Er verursacht mutmaßlich informationelle Kollateralschäden, weil sich die Hälfte seiner biomedizinischen Neuigkeiten als unwahr erweisen.

Das bestärkt mich darin, dass es an der Zeit ist, dass es endlich eine Meta-Studie gibt, die die Einzelstudien zur Radverkehrssicherheit einer kritischen Lektüre unterzieht, in Hinblick auf Deutschland/Österreich/Schweiz bündelt und offene Fragen benennt. Ich meine damit allein, ob das Unfallrisiko des Einzelnen je Kilometer steigt oder fällt oder gleich bleibt. Das mit der Debatte der Radverkehrsförderung zu vermischen führt zum 100fach im Internet nachlesbaren Kuddelmuddel, in dem beide Themen nach Belieben vermengt werden. Wobei ich vermute, dass am Ende mehr offene Fragen bleiben als Fragen schon beantwortet sind.  Im Idealfall sollte man sich vorher darüber einigen, wie groß der Effekt sein muss, dass man wirklich von einem relevante Sicherheitsgewinn sprechen kann, sonst geht hinterher das Geschrei erst recht los. Es wird kommen, aber man kann ihm vorher den Wind aus den Segeln nehmen.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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