Bottrop mit Ankündigung für Deutschen Fahrradpreis Best for Bike nominiert [mit Update]

Wenn Auszeichnungen beim Deutschen Fahrradpreis Best for Bike für innovative Lösungen wie der Soester Schutzstreifen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur als Mitauslober ein paar Jahre später schon mal kassiert werden, schafft das Irritationen. Also begnügt man sich inzwischen damit, dass „Normale“ zu nominieren. So hat es die Stadt Bottrop unter die diesjährigen Nominierten geschafft mit dem, was Kommunen bei der Radverkehrsförderung vor allem können: Ankündigen. Die Stadt hat sich im letzten Jahr damit beworben, dass sie dieses und nächstes Jahr das Radquadrat umsetzen möchte. Aus der Nominierung geht nur hervor, dass eine innenstadtnahe Kreistrasse für Fuß- und Radverkehr geschaffen werden soll. Welchen Nutzen die Trasse hat, wird nicht klar. Eine tolle Trasse im Nirgendwo bringt nichts. Ich vermute, dass auch Bottroper weniger im Kreis um die City fahren und laufen wollen sondern von ihrem Wohnort direkt in die City wollen. Das Projekt ist noch nicht mal so weit fortgeschritten, dass man auf der Stadt-Webseite nicht mehr findet als zwei Haushaltsplan-PDF, in denen das am Rande erwähnt wird.

In der Bewerbung wird Großes angekündigt.

Das Projekt integriert ein breites Spektrum von Maßnahmen de Radverkehrsplanung und macht entlang einher erfahrbaren Route im Stadtbild sichtbar, welchen Komfort und welche Sicherheit das Radfahren bei konsequenter Förderung bieten kann.

Auch beim RS 1 gab es am Anfang große Ankündigungen und er ist inzwischen zu einem Stückwerk unterschiedlichster Qualität verkommen, der hinten herum z. B. in Essen torpediert wird. Von daher würde ich als Jury-Mitglied keine Vorschusslorbeeren vergeben. Wer garantiert mir, dass hinterher optimierte Querungsstellen, Fahrradservicestellen, fluoreszierender Belag, überdachte Abstellanlagen, Messstellen, Kennzeichnung der Route mit einer durchgängigen Markierungslinie zusätzlich zur Beschilderung und Steigungshilfen an steilen Strecken wirklich kommen. Ja, wenn das so da wäre, dann wäre die Nominierung gerechtfertigt. Auch würde ich auf das unklare Verhältnis von Rad- und Fußverkehr stolpern. Das mag durchdacht sein, wird aber in der Bewerbung nicht hinreichend thematisiert. Gleiches gilt für dass Verhältnis von Strecke zu den tatsächlich nachgefragten Strecken des Alltagsverkehrs. Nicht das hinterher vor allem für Exkursionen anderer Städte taugt und weniger den Bottroper*innen.

Auch Herne ist für meinen Geschmack zu früh nominiert, auch wenn dort das Pilotprojekt zum Einsatz von Lastenrädern in der Paketzustellen bereits läuft. (Wir berichteten). Aus der Region ist auch das Projekt Radeln ohne Alter aus Essen unter den Nominierten.

Bottrop ist aber bei genauen hinsehen nicht die einzige merkwürdige Nominierung. So ist auch eine Bürgerinitiative dafür nominiert, Symptome zu bekämpfen und damit den Änderungsdruck bezügliches des problembehafteten Status-Quo so zu mildern und ihn den problemverursachenden Autoverkehr so nachhaltig, dass heißt dauerhafte systemstabil, zu gestalten. Wenn man schreibt, aufgrund eines tödlich verunglückten Radfahrers würden Bürger*innen sich für Alltagsradwege einsetzen, klingt das natürlich erst einmal besser, aber man klammert weiterhin die Diskussion aus, wie man damit umgeht, dass das Problem der Autoverkehr in der jetzigen Form ist. Aber selbst vor der Nominierung einer nebulösen Datensammel-App, die sich in der Lauch-Phase befindet, schreckt man nicht zurück.

VeloCityRuhr.Net hat auch mit der inoffiziellen Fanseite zum RS 1 auch eine Einreichung vorgenommen. Ich bin weder an dieser Seite noch der Einreichung beteiligt gewesen außer das ich für die Einreichung war. Alle Nominierten und alle Einreichungen kann man auf der Webseite des Deutschen Fahrradpreises einsehen.

Update 14. 04. 2017 16:33
Und tatsächlich gehen Preise ins das Ruhrgebiet:

    Platz 2 für die Initiative Neue Arbeit der Diakonie Essen mit der Aktion „Radeln ohne Alter“ in der Kategorie Kommunikation

    Platz 2 für die Stadt Herne und dem Projekt „Emissionsfreie Citylogistik in der Herner Fußgängerzone“

    Platz 3 für die Stadt Bottrop für „Radquadrat – Die Radroute mit Potenzial“

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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