Dortmund vs. Darmstadt: Darmstadt schlägt Dortmund u. a. mit Winterdienstkarte

Während die EDG, als für den Winterdienst zuständige Stadttochter,  und Winterdienst ein sehr, sehr kompliziertes Thema ist, findet

man in Darmstadt auf der Seite der EAD, die dort für den Winterdienst zuständig ist, folgende Info:

Des weiteren werden vom EAD ca. 98 km Radwege und kombinierte Rad- und Fußwege im Winterdienst betreut.

Bei ca. 350 Kilometer Straßengesamtnetz ein solider Anteil. Dortmund hat mit 1780 Kilometer Straßen ein etwa fünf mal so langes Straßennetz und es steht immer 100 Kilometer Länge Winterdienst für den Radverkehr im Raum. Aber wo und wie genau, dass weiß keiner. Mit 157.390 Einwohner (2015) zu 596.575 Einwohner (2015) erschließt Dortmund aber nur die 3,8fache Bevölkerungszahl mit dem Straßennetz. Auch die Stadt weißt auf den Radwinterdienst hin, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftig:

Bei der Dauerschneefall, Glatteis und überfrierender Nässe empfehlen wir auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, da die Unfallgefahr sehr hoch ist und das Radverkehrsnetz nicht wie aufgeführt geräumt bzw. gestreut werden kann. Die Leistungen im Winterdienst können von Einsatz zu Einsatz sehr stark variieren.

Auf der Webseite findet man auch die Karte zum Winterdienst. Das ganze Stadtgebiet ist abgedeckt, wobei vor allem die Strecken in die City zum Winterdienstnetz gehören. Genauso eine Karte wird seit Jahren für Dortmund gefordert. Die Stadtverwaltung tut sich aber schwer mit dem Winterdienst für den Radverkehr.

Auch ein paar andere Sachen fallen dem Dortmunder direkt auf. Auf der Webseite spricht die Stadt ein zentrales Problem an:

Verkehr? Gedanklich verbinden viele Menschen eher Motorfahrzeuge mit diesem Begriff. Zu Unrecht: Der Fußverkehr ist die zweitwichtigste Fortbewegungsart in Darmstadt; mehr als ein Viertel aller Wege werden ausschließlich per pedes zurück gelegt. Außerdem gehört häufig ein Stück Fuß- oder Radweg zur Wegekette – wie beispielsweise zur Bus- oder Straßenbahnhaltestelle oder zur CarSharing-Station.

An dieser kognitiven Dissonanz wird man sich in Dortmund noch lange abarbeiten können. In Dortmund ist kostenloser Parkraum das Hauptziel der Politik (Wir berichten fortlaufend), in Darmstadt heißt es:

Im Bundesdurchschnitt ist jeder private Pkw pro Tag nur 72 Minuten unterwegs. Die übrigen 1.368 Minuten benötigt er einen Parkplatz. Angesichts des knappen Raums in den Städten kann dies ein Problem sein – für die Parkplatzsuchenden ebenso wie für Anwohner und für andere Verkehrsteilnehmer. […] Bei der Stadt Darmstadt laufen die Vorbereitungen zur Einführung der Parkraumbewirt­schaftung auf Hochtouren. Das Stadtplanungsamt der Stadt Darmstadt, hatte bereits im Sommer zu Quartiers-Rundgängen in den Pilotvierteln Kapellplatz- und Woogsviertel  eingeladen , an denen sich viele Anwohner beteiligt hatten.

Dort ist man also schon weiter als in Dortmund bei wichtigen Themen. In Darmstadt gibt es auch schon seit 1998 einen Runden Tisch Radverkehr.

Der Runde Tisch Radverkehr setzte sich aus Vertretern der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung, der Verkehrsverbände und anderer Interessengruppen zusammen.

Der Runde Tisch Radverkehr wurde im Juli 1998 von Herrn Stadtrat Dr.-Ing. Braun ins Leben gerufen. Zu seinen Hauptaufgaben zählten:

  • Mitwirkung bei der Radverkehrsförderung und -planung (Wegeführung, Beschilderung, Signalisierung, Schneeräumung, Radverkehranlagen, Öffentlichkeitsarbeit, Touristische Rundroute Darmstadt)
  • Interessenskonflikte aufarbeiten
  • Abstimmung zwischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt und Fahrrad-Interessensverbänden
  • Empfehlungen zu Magistratsvorlagen aussprechen

Die letzten Protokolle geben einen Einblick in die Arbeit, die vor allem aus dem Austausch über Gelungenes und Misslungenes sowie Geplantes besteht. Interessant finde ich den Punkt „Hinweise und Fragen an das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt“. Ich bin mir nicht sicher in welchem Gremium (Agenda-Arbeitskreis Mobilität oder Nahmobilitätsbeirat), das gut aufgehoben wäre, aber so etwas sollte es in Dortmund auch geben.  Aber es scheinen Themen auch länger begleitet zu werden („Planung und Umsetzung von Fahrradstraßen “ war es in den letzten Sitzungen). Aktuell steht  die Evaluierung und Bewertung zum bisherigen Runden Tisch Radverkehr sowie die Neuaufstellung als Runder Tisch Nahmobilität an.

Auch wer nicht daran teilnimmt, kann Mängel direkt in eine Datenbank eintragen. In Dortmund werden Mängel inzwischen auch zentral gesammelt, aber an wen man sich dafür wenden muss, wissen nur Insider. Und auch viel transparenter ist der Umgang mit Baustellen, die übersichtlich gelistet werden (ab einer Woche Dauer). Es wird immer ein Ansprechpartner genannt und Einschränkungen für den Rad- und Fußverkehr benannt. Wie in Dortmund sind teilweise Pläne verfügbar. Dortmund punktet hier mit einer Übersichtskarte in veraltertem Layout, während Darmstadt ein aktuelles Layout hat. Darmstadt weist sogar auf Magistratsvorlage hin zu den Baustellen.

Außerdem:

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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